Kleine Geschichten zur Weihnachtszeit ©by Fridolin Wirbelwind

Das erste Wochenende im Dezember. Langsam gehe ich durch die Straßen der Innenstadt. Rings um mich her hetzen die Menschen auf der Jagd nach Geschenken.

An einer Ecke, die im Sommer nach Urin und anderem stinkt, sitzt ein alter Mann. Neben ihm ein Hund, der seinen Herrn wärmt indem er ganz dicht bei ihm liegt und seinen Kopf im Schoss des alten Mannes hat.

Der Alte hat ein Schild vor sich, worauf steht: Heimatlos, kann es nicht ändern, aber für eine kleine Hilfe wären wir dankbar.

Die meisten Menschen gehen vorbei, ohne sie überhaupt wahr zu nehmen.

Viel habe ich auch nicht, aber als ich sehe, dass er sich nach einem, achtlos, weggeworfenen Zigarettenstummel dehnt, kommt bei mir ein warmes Gefühl auf.

Lebe selber von der Hand in den Mund, aber ich beschließe ihm meinen Tabak, etwas zu essen und für den Hund eine Packung Trockenfutter zu geben.

Doch ehe ich bei ihm bin, sehe ich ein kleines Kind das auf die beiden zugeht.

Die Mama will zuerst nicht, aber das Mädchen zieht sie zu den beiden hin.

Darf ich den Hund denn bitte streicheln“, fragt das Mädchen.

Gerne, er ist schon alt und freut sich sicherlich darüber“, antwortet der Alte, mit einer Stimme die sich rau und traurig anhört.

Das Kind streichelt den Hund, und auch den alten Herrn.

Nun geht auch die Mutter in die Hocke und redet mit einer weichen Stimme zuerst mit dem Hund und dann auch mit dem Mann.

Können wir Ihnen denn irgendwie helfen?“

Ach, wenn Sie eine Kleinigkeit für uns haben würden, das wäre nett.“

Mama, wir haben doch im Keller die kleine Wohnung, können die beiden denn nicht da wohnen?“

Bei diesen Worten wird mir ganz warm ums Herz.

Ich entschließe mich nun auch rüber zu gehen. Um den beiden etwas zu geben.

Ehe ich dort bin, sagt die Frau:“Ok, mein Schatz, das machen wir, wenn die beiden es auch wollen.“

Ich gehe vorbei, als wenn ich das alles nicht mitbekommen hätte, drücke dem Mann den Tabak, das Hundefutter und etwas Geld in die Finger und wünsche ihm viel Glück.

Im Januar habe ich dann mitbekommen, dass der Hund 12 Stunden nach seinem Herrchen verstorben ist.

Doch die letzten Tag in ihrem Leben durften sie zu einer Familie gehören.

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