Weihnachten 2015

©by Fridolin Wirbelwind

Hier sitzt er nun, der Mann. Es ist Hl. Abend und wie schon so oft, wird er alleine bleiben.

Traurig könnte er schon sein, da es ihm ja versagt war eigene Kinder zu haben, und die Kinder, die er mit großgezogen hat, wollen nun nichts mehr von ihm wissen. Aber NEIN, daran will er nun nicht denken.

Er zieht sich seine Jacke an und geht noch einmal über den Weihnachtsmarkt.

Dort sieht er die kleinen Kinder, voller Ungeduld und Spannung, wie schön es wohl werden wird, am Hl. Abend.

Die Erwachsenen eilen und hetzen noch durch die Stadt, jaja, dass der Hl.Abend auch immer so unerwartet auftauchen muss.

Viele junge Menschen eilen durch die Stadt, das Handy am Ohr und es wird jedem erzählt, was sie dieses Jahr geschenkt bekommen wollen.

Es sind noch ein paar Stunden, dann dürfen auch die Leute in den Läden wieder nach Hause.

Was sie dort wohl erwartet? Unser Mann, denkt nach, wie es war, als er noch arbeiten war.

Doch das war die Vergangenheit, Heute ist er schon lange alleine, und redet auch manchmal mit sich selber. Ab und zu meint er auch zu bemerken, dass es ihm immer schwerer fällt mit anderen zusammen zu sein. Er ist etwas schrullig geworden, und doch noch nicht wirklich alt. Doch die vielen Erfahrungen lassen eben bei manchen Menschen erkennen, dass Träume der einzige Platz sind an dem man nicht verletzt wird.

Er geht ein Stück zum Bus und sieht wie grimmig manche Leute dort aussehen. In den Händen tragen fast alle jede Menge Taschen.

Unser Mann hat auch eine Tasche dabei, weil er sich von seinem letzten Geld noch etwas Wurst und Milch für den Kaffee gekauft hat, ist ja schließlich Weihnachten, da möchte er auch einmal etwas mehr haben.

Für einen Baum, oder gar eine Lichterkette, hat diesmal das Geld nicht gereicht. Macht nix, vielleicht im nächsten Jahr.

Im Bus hört er dann Gespräche mit, die ihn den Kopf schütteln lassen. Von dem was sich das eine Mädchen wünscht, muss er selber drei Monate leben. Ein Smartphone für beinahe 900€, und wenn sie das nicht bekommt, wird sie den Eltern Weihnachten aber echt vermiesen.

Als der Bus dann hält, und er daheim ankommt, ist seine Wohnung, wie immer, leer.

Sein Telefon hat er abgeschaltet, denn die Anrufe von den Leuten, in denen sie ihm ihr Mitgefühl kundtun, und dann von ihren eigenen Familien erzählen, das kann er an den Feiertage nicht haben. Tut es ihm doch zu sehr weh.

Er zieht sich etwas bequemes an, sieht in den Kühlschrank und erkennt, dass er noch etwas Kassler hat, also gibt es Heute Pasta mit Kassler.

Im Fernsehen laufen die üblichen Weihnachtsfilme, doch wirklich bringen auch die ihn nicht in Stimmung. Ist eben alles nicht mehr so wie es einmal war.

Vielleicht hat ja doch jemand an ihn gedacht, hofft er, geht nochmal zum Briefkasten um zu sehen, ob er wenigstens eine Karte bekommen hat.

Nein, wieder nichts, egal. Daran geglaubt hat er ja eh nicht, aber gehofft doch.

Da er erst in einer Wochen wieder Geld bekommt, macht er sich über den Aschenbecher her um seine Kippen auf zu machen, so kann er sich wenigstens einbilden, dass dieser Tag etwas besonderes wäre.

So geht der Tag und der Abend kommt.

Zwischen durch hat sich der Mann für eine Stunde hingelegt, er versäumt ja nichts.

Zwischen 17 und 20 Uhr geht es ihm gar nicht gut, das war immer die Zeit in der es die Bescherung gab, als er noch Familie hatte.

Er träumt sich zurück und als es dann so 21 Uhr wird isst er noch ein oder zwei Kekse und einen Apfel, dann ist Weihnachten für ihn auch schon wieder vorbei.

Früher, ja da hat er bis spät mit den Kindern gespielt, gelacht und gesungen.

Doch nun sitzt er da, starrt auf den Fernseher und hofft dass er bald müde wird und schlafen kann.

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