Besuch der besonderen Art

©by Fridolin Wirbelwind

Es ist kalt an diesem Morgen im Mai. Ganz ungewöhnlich. Die Frau ist von der Nachtschicht noch nicht zurück, die Kinder sind auf dem Weg zur Schule und ich überlege mir gerade, was ich denn zuerst mache, den Haushalt oder gleich in die Werkstatt gehen und an den Aufträgen arbeiten. Ich lebe zur Zeit nicht in Deutschland, und um etwas zu verdienen, mache ich Betten und Schränke nach Maß.

Plötzlich schlägt der Hund von den Nachbarn an. Das macht er eigentlich nur, wenn Fremde in der Straße sind.

Mit der Kaffeetasse in der Hand gehe ich zur Türe, um zu sehen was los ist.

Durch das kleine Fenster neben der Türe sehe ich einen Lieferwagen stehen, auf dem steht, dass er zum städtischen Tierheim gehört. Zwei Männer steigen aus und reden miteinander, und kommen auf unser Haus zu.

Im Lieferwagen rumort es laut, und ich höre einen Hund bellen.

Ehe die beiden Männer klingeln können, stehe ich schon auf der Veranda und warte darauf, dass sie mich etwas fragen.

Der ältere Herr, so um die 65, kommt näher auf mich zu. Mein Hirtenhundmischling stellt sich demonstrativ vor mir auf und lässt den Fremden nicht näher an mich heran.

Der Herr stellt sich vor als Mitarbeiter des örtlichen Tierschutzes und hofft, dass er mich etwas fragen darf, ohne dass er gefressen wird.

Klar“, sage ich. Bitte den Mann zu sagen was er denn von mir wolle.

Es ist so, dass wir gehört haben, dass sie sich um streunende Hunde kümmern?“

Ja,“ antworte ich, „wir versuchen immer Streuner unterzubringen!“

Nun uns wurde gesagt, dass sie auch Tiere aufnehmen, die nicht so einfach zu halten sind.“

Kommt vor,“ sage ich.

Tja, da haben wir nämlich einen Fundhund, der sich nicht mit anderen verträgt.“

Sie wissen aber schon, dass wir auch mehr als nur einen Hund haben?“, frage ich ihn.

Ja, aber der Hirtenhund, war ja auch ein Problemfall, und der Leonberger und die Dogge sollen ja auch nicht einfach gewesen sein,“ sagt er dann.

Ich nicke mit dem Kopf, nehme einen Schluck von meinem Kaffee und bitte ihn herein.

Der Mann stellt sich nun als Zoltan vor und ist überrascht, denn in unserem Haus sind nicht nur drei Hunde, sondern auch 5 Katzen, drei Amazonen und ein Luchs. Alle laufen ohne Leine herum.

Was ist nun das Problem,“ frage ichZoltan.

OK, ich rede nicht drumrum, wir haben einen Hund bekommen, der ist ein Problem, wir können ihn im Tierheim nicht halten, der jault die ganze Nacht und will nicht fressen. Das seit drei Tagen.“

Und was erwarten sie nun von mir?“

Würden sie versuchen, dass er wieder frisst?“

Was ist der denn für eine Rasse,“ frage ich Zoltan.

Er ist groß, sehr groß!“

Dann will ich ihn erst sehen.“

Wir haben ihn dabei,“ sagt Zoltan, „wir können sofort rausgehen und ihn ansehen.“

Ok, ich erkläre mich bereit dass ich mir das Tier ansehen gehe.

Whitey steht bei mir, als ob er etwas erwarten würde.

Zoltan zeigt seinem Mitfahrer, dass er den Hund aus dem Lieferwagen holen soll.

Was ich dann sah, das war ……. einfach unglaublich! Der Kumpan von Zoltan zerrte einen total verzottelten Leonberger aus dem Auto. Mehr verstört als gefährlich.

Whitey und Ginger gingen sofort auf das arme Tier zu. Ginger war ein Mischling, die ich auch aus ähnlicher Haltung hatte.

Der andere Mann war fast nicht fähig, den abgemagerten Hund zu halten und begann mit dem Ende der Leine auf das Tier einzuschlagen. Dort war ein Metallstück angebracht.
Bis zu diesem Moment dachte ich ja noch, dass die Männer wirklich Tierschützer seien.

Lasst ihn los,“ sagte ich, „meine Hunde werden auf ihn aufpassen.“

Der arme Hund lief gleich zu meinen Hunden hin und legte sich auf den Rücken.

Ginger und Whitey gingen zu ihm und leckten ihn erst Mal ab.

Als ich näher zu dem armen Tier ging, sah ich, dass er ein elektro Halsband trug. Sofort machte ich ihm das ab.

Zoltan und Kumpan traten gleich einige Schritte zurück.

Ich bat die Zwei ins Haus um die Papiere fertig zu machen.

Da klingelte mein Telefon. Meine Partnerin war dran und ich bat sie die Polizei zu rufen.

Boy, so riefen wir den armen Kerl, hat sich zuerst über alles Futter hergemacht, das er noch fand. Ginger brachte ihm einen Knochen und ich versuchte die Deppen bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, indem ich sagte, dass mein Drucker einen Fehler hat, und ich den Vertrag noch mal neu eingeben muss.

Endlich war die Polizei da.

Als wir endlich alles im Sack hatten, stellte sich heraus, dass diese Typen Hunde geklaut haben, und sie an Leute verkauften für Hundekämpfe. Bei dem Leonberger hatten sie aber Pech, ein Leo kämpft nur für sein Rudel, so wollten die von mir noch 1000 $ haben, für Tierarzt usw.

Leider konnten wir die Besitzer von Boy nicht ausmachen, doch wurde er in gute Hände vermittelt, nach dem wir ihn wieder zu einem normalen Hund machen konnten. Er kam in eine Familie mit Kindern und hat bis zu seinem Lebensende die Kinder und die Enkelkinder immer beschützt.

Euer Fridolin Wirbelwind

Veröffentlicht in Tiere

Kommentare werden erst geprüft und nur mit gültiger E-Mail freigeschaltet

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.