Dargo

Copyright by Fridolin Wirbelwind

01 Dargo = Regenbogendrache, lebt um eine Bestimmung zu erfüllen

02 Horas = Herr der Zeiten und Träume

03 Minf = Böser Magier der 1000 Jahre

04 Wismut = Der kleine Held mit reiner Seele

05 Anar = Weise Frau und weiße Hexe

06 Berin = Köhler, kann mit Tieren sprechen

07 Tan = Holzfäller und mutiger Krieger, ein Goblin

08 Lytja = Eine tapfere Zwergenfee

09 Werbad = Gestaltwandler, unter der Knute von Minf

10 Züleyah = Eine der verlorenen Feen

11 Das Konzil= Hält die Fäden in der Hand

12 Answald = Waldgeist

Abenteuer zwischen den Zeiten

By Hans-Joachim Pursche

ERSTES BUCH

I

Der Beginn

Vor vielen, vielen Jahren, als Märchen noch Wahrheit waren, Drachen und Magier, Hexen und Elfen, Riesen, Goblins und Zwerge noch mit uns Menschen lebten.

In einem Land jenseits von Realität und fern jeder Zeit, spielt unsere Geschichte.

Dort lebten sie alle zusammen, glücklich und zufrieden.

Weshalb auch nicht, jeder hatte ja alles was er brauchte.

Die Natur gab Früchte und Gemüse im Überfluss, und das an fast jedem Tag im Jahr.

Denn sie alle lebten eben in „Überall“.

Dort dauerte der Winter nur so lange, bis sich die Natur ausgeschlafen hatte und wieder bereit war, neues Leben hervorzubringen.

Der Rest des Jahres war ein andauernder Frühling, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Genug Regen dass die Erde nicht austrocknete und genug Sonne, um dem Leben Trost und Energie zu spenden.

An Tagen, an welchen es die Sonne es dann doch zu gut meinte, begab sich Dargo, der Schutzdrache von Überall aus der Familie der Regenbogendrachen, auf einen hohen Hügel in der Nähe der Stadt. Dort oben stellte er sich in Position, und begann mit den Flügeln zu schlagen, um einen leichten Wind zu erzeugen. Dies macht er solange, bis jeder im Dorf Abkühlung verspürte und sich wieder wohl fühlte.

Dargo war ein sehr mächtiger Drache, vom großen Konzil der Magischen dazu auserwählt, um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse stets zu erhalten.

Dieses Konzil bestand aus vielen Vertretern jeder magischen Rasse, die damals lebte.

Die Hauptaufgabe der Abordnungen bestand darin, dass weder die eine noch die andere Seite die Überhand gewann. Denn das Eine kann nicht ohne das Andere existieren, ohne das Böse gibt es nichts Gutes und anders herum geht es auch nicht.

Nur die Ausgewogenheit zwischen beiden lässt die Welten weiterbestehen.

Jedenfalls war Dargo für dieses Gleichgewicht zuständig.

Darum gab es auch eine Aufgabe für ihn, um im Winter für Ausgleich zu sorgen. An sehr kalten Wintertagen, welche selten genug waren, flog er zu dem großen Stein, mitten auf dem Marktplatz, und fauchte ihn mit seinem Feueratem an, bis dieser leise glühte, und die Wärme langsam über ganz „Überall“ zu verstrahlen.

Jener Stein kam aus den Träumen und Fantasien der Kinder, aller Kinder die jemals waren, sind und sein werden.

Für nicht magische Wesen war dieser Stein nicht zu sehen, nur seine pure Anwesenheit wurde von allen Lebewesen wahrgenommen werden, egal ob diese Wesen Magie besaßen oder auch nicht.

II

Vorahnung

Eines Tages, als sich alle auf das jährliche Winterendefest vorbereiteten, war etwas anders als sonst. Die Luft roch zwar wie immer nach Blüten und Früchten; Das Lachen der Kinder scholl durch die Gassen und Straßen der Stadt, und die jungen Tiere alberten herum, als wäre es für lange Zeit die letzte Möglichkeit zu spielen und zu toben. Doch lag etwas in der Luft, das eine leichte Wehmütigkeit und Schwermut in sich trug!

Einige der nur leicht magisch veranlagten merkten, dass etwas schwerwiegendes auf sie alle zukommen würde.

Wie bald das Leben aller auf dem Spiel stehen würde, und die Existenz allen Seins, würde jeder sehr bald zu spüren bekommen.

Das Fest sollte wie stets kurz vor Sonnenuntergang beginnen.

Dargo erschien mit lautem Flügelschlag umgeben von seinem hellsten und schönsten Feuerstrahl. Mit diesem entzündete er den großen Holzstapel, welchen die Bewohner in den letzten Tagen aufgebaut hatten. Nachdem dieser herunter gebrannt sein würde, kämen dann die geschlachteten Tiere in die Glut um später gegessen zu werden.

Keine Angst, das Fest fand doch in „Überall“ statt. Dort starb kein Tier wirklich, und nach dem Fest würden alle wieder wie vorher auf den Wiesen und Feldern herum tollen, gerade so als ob nichts geschehen wäre. Auch konnten sich die Tiere an alles erinnern das vorher gewesen war.

Nur die Erinnerung an die Schlachtung blieb gelöscht im Gedächtnis der Tiere, dafür sorgte das Konzil. Schmerz und Krankheit gab es nicht — bis zu jenem schicksalhaften Tag, als ein alter, schlafender und böser Magier nach 1000jährigem Schlaf wieder einmal erwachte.

Das Schicksal nahm langsam aber unaufhaltsam seinen Lauf.

III

Das Fest findet nicht statt

Etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang begannen sich die Dorfbewohner für das Fest bereit zu machen. Sie lachten und scherzten, sangen und tanzten durch die Straßen.

Der eine oder andere stellte Stühle, Sessel und gedeckte Tische auf die Bürgersteige.

An jeder Ecke lagen auf langen Tafeln Äpfel, Birnen, Kirschen und Erdbeeren, große Stücke Melonen und Früchte aus fernen Ländern. Auch jede Menge Kuchen, Torten und Kekse, selbst gebackenes Brot und Eierkuchen, Marmelade und Honig, geräucherter Schinken und eingelegtes Gemüse, sowie Spezereien aus Ländern und Zeiten von denen die Bewohner von „Überall“ noch nicht einmal wussten dass es sie gab.

Auf einer dieser Tafeln aus weißem Marmor, in der Nähe des magischen Steines, konnte man Kokosnüsse und Datteln, Bananen, Mangos und Reis sowie Tee und Kakao finden. Berge von Nüssen und Paprika lagen dort und warteten darauf zusammen mit Orangen und Pfirsichen von den Anwesenden verkostet zu werden.

Langsam wurden vor den Hütten und Häusern die ersten Fackeln und Kienspäne entzündet.

Plötzlich bebte leicht die Erde und viele hatten das Gefühl, als ob sich ein eiskalter Windhauch durch die Straßen schob. Dazu kam ein leichter Geruch nach Schwefel und Aas.

Die Leute begannen zu frösteln und bekamen einen Druck im Kopf. Arme und Beine wurden schwer und die Herzen rasten. Schwäche lies viele nieder sinken, und mancher wurde sogar besinnungslos.

So einige dachten, dass das nun das Ende wäre. All zu weit, von den nun tatsächlichen Ereignissen, waren deren Ahnungen gar nicht entfernt.

Das Donnern kam näher und schwoll zu einem unheimlichen Lärm an. Als die Geräusche fast nicht mehr zu ertragen waren, gesellte sich metallisches Klappern hinzu —————- und bald konnte man auch erkennen, was diesen infernalischen Lärm verursachte!

Eine unzählbare Reiterschar kam die verschlungenen Pfade aus dem Tieftal herauf.

Die Reittiere waren monströse Geschöpfe welche direkt aus allen Höllen zu kommen schienen. Groß wie die Drachen aus den alten Sagen, mit Köpfen, größer als ein Tiger, aus denen feuerrot leuchtende Augen, mit reiner Mordlust aus der Dämmerung herauf schienen. Ihre Haut aus silbern schimmernden Schuppen, welche bei jedem Schritt raschelten wie trockenes Laub im Herbst.

Bei jedem Schritt, den die sechsbeinigen Ungeheuer machten, donnerte und bebte die Erde mehr.

Obwohl noch viele Meilen entfernt, konnte man nun auch den Ursprung der metallischen Geräusche ausmachen! Es waren die in Gold und Bronze leuchtenden Waffen und Rüstungen der Reiter. Auch diese Wesen schienen direkt aus einem üblen Alptraum entsprungen zu sein.

Mächtige Gestalten, mindestens doppelt so groß wie ein durchschnittlicher Mann, saßen sie auf den Kolossen und man konnte ahnen, dass das Wort „Gnade“ in ihrem Wortschatz nicht vor kam.

In ihren Gesichtern schien es als wären dort glühende Kohlen statt Augen. Ihre Köpfe wurden von feurigen Federn umrahmt, welche bei der Berührung mit Blättern oder Zweigen glühende Funken sprühten.

Mit zweien ihrer unförmigen Hände steuerten sie die Kolosse, während sie in ihren beiden anderen mannslange Krummschwerter und Lanzen führten.

Aus ihren Mündern troff grüner Geifer der,wenn er den Boden berührte, zischend und brodelnd tiefe Löcher in die Erde fraß!

Die Armee schien mit jedem Schritt schneller zu werden!

Keiner der Einwohner dachte mehr an das eigentlich bevorstehende Fest. Einige, die sich nun langsam aus ihrer Starre lösten, fingen an ihre Familien zu suchen, packten eiligst einige notwendige Dinge und versuchten in Richtung des fernen Berggipfels zu flüchten.

IV

Hilfe oder Rettung?

Als sich die ersten auf den Weg machen wollten, geschah etwas eigenartiges!

Der Dorfplatzstein wurde plötzlich für alle sichtbar. Niemand konnte sich daran erinnern, dass dies jemals vorher geschehen war, nicht einmal die aller ältesten des Altenrates.

Er begann in einem hellen, sonnen-gelben Licht zu leuchten.

Gleichzeitig begann der Stein einen grünlichen Schirm zu bilden, beinahe wie ein übergroßer Pilz. Dieser wurde immer größer und breitete sich schließlich über ganz „Überall“ aus. Je größer der Schirm wurde, desto leiser wurden die von Außen herein dringenden Geräusche immer leiser, bis sie schließlich ganz verstummten.

Der Anblick war für die heranstürmenden Horden mindestens ebenso so überraschend wie für die, welche sich innerhalb des Schutzschirmes befanden.

Sie forcierten ihren Vormarsch und begannen sofort damit, als sie in Waffen Reichweite waren, mit dem Angriff. Allerdings waren sie nicht sehr erfolgreich damit. Als sie versuchten den Schirm mit ihren Waffen zu durchdringen, gab es stets nur ein Klacken und die Waffen, welche auf den Schirm trafen, lösten sich in Luft auf.

Monster und Reiter, die mit dem Schirm in Kontakt kamen, wurden zu Boden geworfen und blieben dort bewusstlos liegen.

Gleichzeitig mit dem Angriff der wilden Horden ertönten laute Flügelschläge, die einzigen Geräusche die von Draußen herein drangen.

Der Himmel, mittlerweile, tief schwarz und mit unzähligen Sternen übersät, zeigte Leuchtspuren. Spuren welche nur einen Grund haben konnten ———– Dargo war auf dem Weg um seinem Dorf Beistand zu leisten. Bisher war niemandem aufgefallen, dass er schon einige Zeit nicht mehr zu sehen gewesen war.

Doch diesmal kam Dargo nicht alleine, dutzende andere Drachen, alle schimmernd wie ein Regenbogen, begleiteten ihn.

In einem großen Kreis schwebten sie, beinahe lautlos, über dem Dorf und den Angreifern.

Drei Runden drehten sie über den Bergen rund herum, spien dabei Feuersäulen und schrien, mit Mark erschütternden Schreien, die Angreifer an.

Danach begann Dargo über dem feindlichen Heer in der Luft zu stehen. Mit einer Stimme,welche noch nie ein lebendes Wesen in dieser Art bisher gehört hatte, begann er laut, warnend und eindringlich zu den Kämpfern zu sprechen:“Ich bin Dargo der Alte. Beschützer und Wächter von „Überall“. Einmal nur werde ich es Euch sagen: Zieht euch zurück, verlasst dieses Land und kehrt nie wieder! Macht sofort kehrt, oder keiner von euch wird den nächsten Sonnenaufgang sehen.“

Um seine Warnung zu unterstreichen, ging er übergangslos in einen Sturzflug über, spie einen mächtigen und langen Feuerstrahl in die ersten Reihen der Monster und vernichtete so mehrere Dutzend von ihnen,so dass nichts weiter als ein paar Häufchen weiße Asche über blieb.

Dies habe ich getan um euch zu zeigen, dass ich bereit bin meinen Worten auch Taten folgen zu lassen,“ rief Dargo. Wie um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen, starteten die anderen Drachen ebenfalls einen Angriff, welcher vielen Feinden das Leben kostete.

Der Vormarsch kam jedoch nicht zum Stillstand. NEIN, im Gegenteil, die übrig gebliebenen Horden erhöhten noch das Tempo und die Intensität ihrer Angriffe. Das brachte die Drachenkämpfer nun dazu ebenfalls stärker zu zu schlagen. Auch wenn die Monsterkrieger und ihre Reittiere sehr gut gepanzert waren, gegen die annähernd unverwundbaren Drachen konnten sie sich nicht wirklich verteidigen.

Nur wer nahe genug an einen Drachen herankommen konnte, war in der Lage das etwa daumengroße Stückchen oberhalb des rechten Flügels zu erkennen. Dieses Stück der Drachenhaut war ungeschützt, da ein jeder Drache durch diesen Teil seines Körpers das Licht der Sterne sammelte um dann diese Energie, bei Bedarf, in ihr gefürchtetes Feuer um zu wandeln. Jedoch verglühten die Ungeheuer ehe sie überhaupt nahe genug heran waren um auch nur die Schuppen der Drachen aus einander halten zu können.

Das Monsterheer kämpfte mit der Verbissenheit einer hirnlosen Masse aus Fleisch und Metall, und hatte doch keine Chance gegen diese fliegenden Kampfmaschinen, welche ihr Aufgabe, das Land zu beschützen, mit ihren tödlichen Feuerstrahlen ohne Rücksicht ausführten.

Nicht viel das von den hirnlosen Monsterkämpfern übrig blieb. Die vielen Aschenhaufen würden bald vom Wind fort getragen werden und nicht mehr lange davon zeugen, was an diesem Tage geschehen war.

Die wenigen Angreifer, welche nicht dem Zorn der Regenbogendrachen zum Opfer fielen, erlebten noch ein wundersames Schauspiel.“Wer stört den Frieden in meinem Land?“ Mit diesen Worten erhob sich ein Nebel aus den Feldern und Wäldern ringsum. „Wer sind die Frevler die meine Drachen aus dem Schlaf rissen und den magischen Stein sichtbar werden ließen?“ Ein gewaltiger Blitz schoss vom Boden hinauf zu den Sternen.

Eine imposante Gestalt wuchs aus dem Moos und den Nebeln des Waldes heraus.

Nicht riesig, aber groß und mit einer für jeden spürbaren Autorität! Seinen von langem, weißem Haar umrahmten Kopf bedeckte ein schwarzer, beinahe Wagenrad großer, Filzhut. Der Bart, ebenfalls von weißer Farbe, jedoch mit diversen grünen Streifen durchzogen, reichte ihm beinahe bis zu den Knien.

Sein langer, wasserblauer Mantel, der bis zum Boden reichte, wurde von einem breiten Gürtel in der Form einer Schlange geschlossen gehalten. Dieser Gürtel glitzerte und schimmerte als wären bei seiner Herstellung Sonnenstrahlen mit eingearbeitet worden. Als Augen dienten ein tief rot blinkender Rubin und ein herrlicher grüner Smaragd.

In seiner linken Hand befand sich eine junge Birke, welche in herrlich, strahlendem Grün erstrahlte.

Zweimal klopfte die Gestalt mit der Birke auf den Fels auf welchem sie stand —- der Ton welcher dabei entstand, ging allen, die ihn wahrnahmen, durch Mark und Bein.

Mit einem breiten, selbstbewussten Lächeln ging die Gestalt auf den offensichtlichen Anführer der, nun ziemlich dezimierten, Streitmacht entgegen.

Die fruchtlosen Versuche ihn mit ihren Waffen zu stoppen, quittierte er mit einem lauten Lachen, welches die Horde abrupt zum Stehen brachte. Die auf ihn geworfenen Lanzen und Speere prallten einfach von ihm ab ohne ihm auch nur die geringste Verletzung beizubringen.

Er wischte mit seinem rechten Arm einmal durch die Luft, was zur Folge hatte, dass die Armee durcheinander gewirbelt wurde. Mit zwei großen Schritten begab er sich in die Mitte, der nun in Panik durcheinander laufenden Monster, schnappte sich den, welchen er für den Anführer hielt und hob ihn vom Boden hoch, so dass dieser ihm in die Augen sehen musste.

Ich bin HORAS, der Herr der Zeiten und Träume,“ donnerte seine Stimme weithin hörbar durch die Wälder.“Der Ort den ihr angreifen wolltet steht unter meinem Schutz. Es läge in meiner Macht, dich 1000 Tode sterben zu lassen. Doch wenn du mir sagst, wer euch geschickt hat und welche Aufgabe ihr genau hattet, werde ich dich und deine Krieger gehen lassen.“

Er schüttelte, den nun gar nicht mehr Furcht einflößenden, Krieger, dessen Augen nun nur noch aussahen, wie erloschene Kohlen. Dieser verzog seinen Mund nur zu einem gehässigen Grinsen und antwortete mit einer Stimme die sich anhörte als käme sie durch einen Trichter:“Nix werd´isch disch sagen. Mein Meister ischt unbeschiegbar. Ausch du wirscht ihm nix antun können. Er hat die Kraft der unaussprechlichen Höllen. Ausch wenn du unsch nun alle tötescht, esch werden Legionen nach unsch kommen und wir werden schiegen, ausch wenn der Kampf bisch schum Ende aller Tage dauern wird.“

Kaum hatte der Anführer der wilden, hirnlosen Horde diese Worte von sich gegeben, begann er von Innen heraus zu glühen, und wurde zu einem Häufchen weiß-grüner Asche, genauso wie alle seine Mitstreiter und deren Reittiere.

V

Vorbereitung auf die Reise

Horas pustete einmal in die Runde, was zur Folge hatte, dass der Gestank und die Aschenhaufen schlagartig verschwanden. Die Nebel lösten sich auf, und gaben nun endlich wieder den Blick auf das Sternen übersäte Himmelszelt frei.

Der Herr über Zeiten und Träume schrumpfte auf die Größe eines normalen Mannes und lenkte seine Schritte in Richtung des magischen Steins. Dort stieß er die Birke in den Boden. Diese schlug sofort Wurzeln, als wolle sie zeigen, dass sie nicht vor hatte diesen Ort jemals wieder zu verlassen.

Der uralte Mann begann mit den Händen magische Zeichen über dem Stein zu ziehen und sprach dazu folgenschwere Worte in der Sprache der Götter:“ kulum-magnus-securitum-ooeétah-seth-horas-kulum-wota-sata-de-livum.“ Daraufhin begann die Birke zu blühen und der magische Stein wurde, langsam aber sicher, wieder unsichtbar.

Als der Stein wieder gänzlich verschwunden war, klatschte der Magier in die Hände und bat alle Bewohner sich auf dem großen Platz zu versammeln.

Wie ihr ja nun alle erkennen konntet, sind unsicherer Zeiten angebrochen. Minf, der böse Magier der 1000 Jahre, ist wieder erwacht und sammelt die Kräfte des Bösen um sich um die Welten aller Zeitalter ins Chaos zu stürzen.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit diesen Ereignissen einen Riegel vorzuschieben.“ Der Mächtige räusperte sich um seine Worte wirken zu lassen.

Leider liegt es nicht in meiner Macht,“ hub er wieder an,“eine gewissen Grenze zu überschreiten. Ich bin aus gewissen Gründen an dieses Land gebunden.“ Wieder machte er eine kleine Pause, wie um zu überlegen welche Worte er als nächste wählen sollte.

Das Volk war still geworden, gerade so als ob die Welt keine Geräusche zulassen würde.

Die Aufgabe welche gelöst werden muss, sieht folgendermaßen aus. Minf muss gefunden werden und mit magischen Worten wieder in einen 1000 jährigen Schlaf versetzt werden. Dabei gilt es zwei Probleme zu lösen. Zuerst muss herausgefunden werden, wo Minf sich aufhält. Schon diese Aufgabe wird viel Zeit und Kraft erfordern. Denn, obwohl die Anwesenheit Minf´s in dieser Welt und Zeit, seine Spuren hinterlässt, kann er sich doch auch in anderen Zeiten und Welten versteckt halten. Diese Verstecke aufzuspüren und ihn dort auch fest zu halten, ist keine leichte Aufgabe. Ich bin mir sicher, dass er jede mögliche Vorsichtsmaßnahme getroffen haben wird um dem Guten den Weg dorthin zu verwehren.

Die zweite Aufgabe wird nicht minder schwierig werden. Während die magischen Worte gesprochen werden, muss zur gleichen Zeit ein Mal an seinem Nacken entfernt werden. Dieses Mal stellt die Verbindung zwischen seiner, unbarmherzigen und hasserfüllten Welt und allen anderen Welten und Zeiten her. Ohne dieses Mal, das sich in 1000 Jahren wieder erneuern wird, kann Minf weder durch die Zeit noch durch die Welten reisen, außer in seinen Gedanken und Träumen.“ Wieder machte der weise Horas eine Pause, strich sich dabei durch seinen Bart und sah sich in der Runde um, aus der nun langsam ein leises Gemurmel hörbar wurde. „Um dies alles zu bewerkstelligen sind einige Voraussetzungen zu erfüllen.

Die Worte welche gesprochen werden müssen, dürfen nur von einem Wesen mit einer reinen und weißen Seele gesprochen werden, egal ob magisch oder sterblich. Jedoch kennt kein lebendes Wesen die Worte oder den Ort wo diese gefunden werden können.“ Das Gemurmel der Menge wurde lauter und es hörte sich beinahe an wie ein großer Bienenschwarm.

Auch weiß ich nur soviel, dass dieser Ort irgendwo hoch im kalten Norden liegen muss. Weit außerhalb der Bereiches in dem ich mit meiner Kraft helfen könnte.“

Da hörte man hinter den Baumwipfeln einen wohl bekannten Flügelschlag. „Hallo, Horas,“ erscholl gleich darauf aus den Lüften die warme und freundliche Stimme Dargo´s,“da werde ich wohl mit dabei sein, bei der Suche nach den geheimnisvollen Worten. Da ich ein Regenbogendrache bin, kann Magie in meiner Nähe stets wirken. Das könnte wohl das eine oder andere Mal recht hilfreich sein.“ Dargo lächelte sein schönstes Drachenlächeln, was nicht unbedingt auf alle beruhigend wirkte. Er faltete seine Flügel zusammen und lies sich neben Horas nieder.

Nun wie wir nun alle sehen können, hat sich schon der erste Kämpe gemeldet,“ sagte Horas. „Doch fehlen noch einige, die unseren Schutzdrachen begleiten müssen.“

Mit einem ernsten Blick sah er sich wieder in der Runde der Stadtleute um, ging auf einen etwa 10jährigen Jungen zu, nahm ihn hoch und ging mit ihm zu Dargo. Dort setzte er das Kind auf dessen Rücken zwischen dessen Flügel, und sprach einen Segen. „Horas,“ fragte der Junge mit zitternder Stimme,“weshalb hast du mich auf den Drachen gesetzt?“ „Weil deine Seele so rein und weiß ist, wie frisch gefallener Schnee,“ antwortete dieser, „du bist dazu ausersehen die magischen Worte zu sprechen.“

Das kannst du doch nicht machen,“ weinte die Mutter des Jungen, „er ist doch noch so klein und sicher kein Held. Nimm doch bitte jemand anderen.“ bat sie Horas.

Dein Sohn ist auserkoren, und daran kann ich leider nichts ändern,“ sagte Horas. „Doch kannst Du seine Wege verfolgen, eine Stunde jeden Tag.“ Mit diesen Worten übergab er der Mutter einen Stein, welcher ganz leicht in allen Farben des Spektrums leuchtete.

Einmal am Tag wird der Stein es dir erlauben, deinen Sohn zu beobachten, jedesmal für eine Sonnenstunde. Doch eingreifen wirst du nicht können. Dein Sohn wird sich nicht mit dir in Verbindung setzen können, doch wird er es spüren wenn du in den Stein siehst.“

Nachdem Horas geendet hatte, trat eine alte Frau vor. Sie war eher klein, denn durchschnittlich, mit einem enormen Buckel. In ein zerschlissenes, mit unzähligen Flicken repariertes, Gewand gehüllt und auf den alten und trockenen Ast einer Eiche gestützt.

Das Gesicht von vielen Narben und unzählbaren Falten zerfurcht, begann sie mit einer brüchig, krächzenden Stimme, welche sich anhörte wie trockenes Papier und splitterndes Glas, sich zu Wort zu melden. „Mein Name ist Anar, manche halten mich für weise, andere nennen mich eine Hexe. Egal wie man mich nennt, ich kenne mich in den Heilkünsten und der weißen Magie aus. Man sollte doch meinen, das mein Wissen sicherlich von Nutzen sein könnte, bei solch einer Reise.“ Obwohl einige der Einwohner von Überall die Köpfe schüttelten, ob des Wagemutes von Anar, nickte Horas und schob sie in Richtung der anderen Streiter.

Nach Anar trat nun Berin der Köhler vor. Wie immer vom Rauch der Meiler geschwärzt und nach verbranntem Holz riechend. „Meistens bin ich ja alleine im Wald. Da habe ich angefangen die Tiere des Waldes in Holz zu schnitzen, und mit ihnen zu reden. Vielleicht kann uns das ja bei der Suche helfen“, sprachs und gesellte sich zu Dargo und den anderen Freiwilligen.

Ha“, rief da Tan der Goblin. Dieser war nur etwa fünf Fuß hoch, jedoch auch beinahe genauso breit. Sein Alter wusste niemand, und man konnte es sicherlich auch nicht erraten, denn in seinen Augen war etwas das man am ehesten mit Zeitlos bezeichnen konnte. „Dann werde ich auch mit dabei sein.“ Er schwang seine Axt, die so lang war wie er selber hoch, und von niemandem sonst im Dorf hatte jemals geschwungen werden können, obwohl es fast jeder Mann und jeder Jüngling schon einmal versucht hatte.

Tan war der Holzfäller des Ortes, und wurde auch ab und zu von den umliegenden Herrscherhäusern aus geschickt um Botschaften zu überbringen. Denn Tan war dafür bekannt, dass Furcht keine seiner Eigenschaften war. „Stark bin ich,“ warf er sich in die breite Brust, „und Angst ist ein Wort, dessen Bedeutung ich nur andeutungsweise kenne. Sollte es zum Kampfe kommen, dann werde ich mein Leben einsetzen um meine Gefährten zu schützen und unsere Mission nicht scheitern zu lassen.“

Schon eine ganze Zeitlang fiel jedem etwas unruhig, flatterndes auf, das ständig seine Farbe änderte, das nun eiligst auf Horas zuflog. „Zwar bin ich klein und nicht sehr stark,“ piepste ein feines, jedoch deutlich hörbares Stimmchen, „doch vielleicht komme ich ja an Orte, für die die anderen zu groß sind. Auch habe ich Macht über Pflanzen, und in einem begrenzten Bereich auch Einfluß auf das Wetter.“

„Ah, Lytia“, lachte Horas, „hätte mich auch gewundert, wenn du dich nicht gemeldet hättest.“ Lytia war bekannt dafür, dass sie stets Unsinn im Sinn hatte, jedoch stets auch bereit war jedermann beizustehen, der ihrer Hilfe bedarf.

„Nun denn, lasset uns überlegen was unsere Reisenden auf ihrem langen Wege benötigen könnten. Packt Proviant ein, alles das sich auch eine ganze Zeit lang mitnehmen lässt ohne zu verderben. Dazu legt Gegenstände die sie bei ihrem Abenteuer gegen nützliches eintauschen können. Lasttiere brauchen sie ebenso wie warme Decken und Umhänge.“ Horas ging auf den Sprecher des Altenrates zu und flüsterte mit ihm. Dieser schüttelte mal den Kopf, ein anderes Mal nickte er beflissentlich und wedelte dazu mit seinen Händen.

Beide gingen dann zusammen zu dem großen Schuppen, in dem sich die Vorräte der Stadt befanden. Dort blieben die beiden ziemlich lange verschwunden.

In der Zwischenzeit sammelten die anderen Bewohner alles ein, was ihnen nützlich erschien. Der Müller brachte auf zwei Eseln vier Säcke dunkles, an geröstetes Mehl, der Schuster und der Geber brachten Lederstücke und – riemen, sowie einige Säcke aus Leder und Leinen. Dazu kamen noch lebende Hühner, einige Ziegen, Käselaibe und viele Brote. Gepökeltes und gesottenes. Auf einem kleinen Karren befanden sich Bündel von Kräutern und Gewürzen.

Als der Alte Sprecher mit Horas wieder auftauchte, hielt er ein schwarzes Kästchen aus schwarzem Holz in den Händen, auf dessen Deckel Zeichen zu erkennen waren die noch nie ein anderer als der jeweils Älteste je zu sehen bekommen hatte.

Was sich darin befand sollte jedoch niemand Derzeit erfahren. “Wie ich sehen kann, habt ihr ja eine ganze Menge zu zusammen getragen. Dies ehrt Euch.”, bemerkte Horas voller Hochachtung, “Jedoch werden unsere Helden sicherlich nicht alles sehr lange mitnehmen können. Da sie ja über Hügel und durch Flüsse werden gehen müssen. Also lasst uns sortieren was notwendig ist und auf welche Dinge sie verzichten können.” So sprach Horas und begab sich zu den angesammelten Dinge.

So begannen sie also anzusehen, sich abzusprechen und das eine oder andere auf den großen Haufen links oder den kleinen Stapel rechts zu legen.

Mach vielen Stunden begaben sich alle zu Bett um sich für den Aufbruch der Gruppe am nächsten Morgen auszuschlafen.

Dargo begab sich derweil mit seinen Mitreisenden in die Nähe des magischen Steines und beschwor die guten Geister um für eine erfolgreiche Reise zu bitten.

Nach dieser Beschwörung belegte er seine Freunde mit einem leichten Zauber damit ihre Kräfte nicht zu schnell aufgebraucht werden würden, auf dem sicherlich nicht ungefährlichen Weg. Auch braute er noch einige Phiolen mit diversen bunten Tränken, welche ihnen das eine oder andere Mal in misslichen Situationen Kräfte zurück geben konnten, eine Wunde schneller heilen lassen konnten oder sie auch unsichtbar werden lassen konnten, für einige Zeit.

Horas und Dargo schliefen nicht in dieser Nacht, denn sie waren die einzigen welche nicht wirklich eine Erholung brauchten, Horas weil er der Herr der Zeiten und Träume war und Dargo, weil Regenbogendrachen niemals schlafen müssen.

VI

Nun geht es los

Schon lange vor Sonnenaufgang waren die meisten der Dorfbewohner schon wieder auf den Beinen. Keiner hatte wirklich richtig tief geschlafen, und unruhige Träume und böse Ahnungen hatten sie schon viel zu früh geweckt.

Tan war schon dabei die Lastesel mit den Lebensmitteln zu bepacken, Wismut half Berin und Anar dabei Decken, Mäntel und Planen zu handlichen Rollen zu schnüren und sie auf Dargo zu verzurren.

Lytia, dieses, normaler weise, unruhige Wesen saß über einem Auge Dargos, und schien in tiefes Nachdenken versunken zu sein. Was so gar nicht zu ihr passte.

Auf auf,” rief Horas in die Runde, “es ist an der Zeit unseren Helden die ihnen zustehende Ehrerbietung dar zu bringen. Denn was ihnen nun bevorsteht wird sicher nicht einfach werden-viele Gefahren warten auf den unbekannten Wegen auf sie und wir können nicht einmal erahnen wie lange sie unterwegs sein werden, oder wann sie zu uns zurück kehren werden.”

Nach diesen Worten zog er etwas längliches aus einer seiner unzähligen Taschen, führte den Gegenstand über die Reisegruppe und sprach Worte in einer unbekannten Sprache. “Dies ist der Stab der Zeit. Ihn dürft ihr nie verlieren,” sprach er mit lauter Stimme, “er hat die Macht die Zeit einzufrieren. Dies gilt jedoch nicht für Euch, denn wer den Stab in seinem Besitz hat, hat auch Macht über ihn. Sollte er in die falschen Hände geraten, dann würde seine Macht auch auf den neuen Besitzer übergehen und dieser wäre in der Lage EUCH die Zeit zu stehlen.!”

Als Horas den Stab in sechs gleich große Teile zerbrach, erschreckten sich alle. Aus dem Innern kamen sechs graue Wolken hervor und schwebten für Sekunden über den Häuptern eines Jeden der mutigen Reisenden.

Nach und nach verloren sie an Schärfe und es sah so aus als ob sie sich in die Köpfe der Gruppe hinein schieben würden, und waren dann ganz plötzlich verschwunden.

Horas übergab jedem ein Stück des nun zerteilten Stabes und sagte:”Ein jeder von Euch hat nun die Macht über einen Teil der gefrorenen Zeit. Wie ihr damit umgehen müsst werdet ihr erkennen wenn es notwendig sein wird. Ihr müsst euch an nichts erinnern oder lernen, der Stab arbeitet weitest gehend selbstständig. Doch seid vorsichtig, wer versucht diese Macht falsch zu benutzen könnte sehr unangenehme Erfahrungen machen.”

Bisher waren alle Zuhörer sehr still gewesen, als Dargo jedoch seine Feder besetzten Flügel bewegte kam Bewegung in alle. Als ob eine unsichtbare Macht ihnen allen befohlen habe dass es nun an der Zeit wäre auf zu brechen stiegen einige der Reisenden auf Dargo auf, Anar und Berin bestiegen je ein Pferd und nahmen die Leinen der Lastesel. Tan und Wismut ritten auf Dargo und Lytia flirrte, wie stets, unruhig zwischen den ungleichen Gefährten hin und her.

Gleichmäßig bewegten sie sich zur Stadtgrenze, nicht ohne noch einige Male einen Blick zurück zu werfen und zu winken. Wismut standen Tränen in den Augen, und auch der sonst so starke Tan konnte es nicht vermeiden, dass man ihm ansehen konnte, dass er so etwas wie Wehmut spürte.

Mit vielen Gedanken in ihren Seelen fragten sie sich wann und ob überhaupt sie diesen Ort wieder sehen würden.

Ein jeder prägte sich die Umrisse der Umgebung ein und die letzten Gesichter die sie erkennen konnten.

Die ersten Meilen ritten sie schweigend und nachdenklich nebeneinander her. Jeder kämpfte mit dem kleinen Schmerz des Abschieds. Fragen tauchten auf was ihnen wohl bevorstehen würde und welche Gefahren ihnen begegnen könnten.

Als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, machten sie Halt um zu rasten.

Tan schlug etwas Holz um ein Feuer zu machen, damit sie sich ordentlich stärken würden können. Wismut und Anar öffneten einige der gut verschnürten Pakete in denen sich schon gebratenes Fleisch und Fisch befanden. Für jeden nahmen sie zwei große Stücke heraus und legten sie in einen Topf welchen sie dann an ein Dreibein hingen, Schmalz hinzu gaben und dann warteten, bis alles schön heiß sein würde.

Berin, Lytia und Dargo besprachen derweil ihren weiteren Reiseweg. Während des Gespräches schlug Lytia vor, dass Dargo sich erst einmal etwas umsehen sollte, da er einen größeren Umkreis absuchen konnte.

Dieser erhob sich mit lautem Flügelschlag und stieg in immer größer werdenden Kreisen in den blauen, mit kleinen Wolken bedeckten Himmel um zu sehen in welche Richtung sie ihr bisher eingeschlagener Weg wohl führen würde.

Als er schon ziemlich hoch aufgestiegen war, sah er, wohl einige Stunden Wegs entfernt, eine kleine Siedlung. Ringsherum konnte er Felder und Wiesen erkennen sowie einen riesigen Steinkreis. In eben jenem Kreis stand so etwas wie eine Statue die ihm unheimlich und bedrohlich vor kam. Er dachte darüber nach ob es wohl besser wäre diesem Dorf keinen Besuch abzustatten.

Auf der anderen Seite wussten sie ja, außer dass sie in Richtung Norden gehen mussten, nichts das ihnen weiter geholfen hätte.

Da er auch in keiner anderen Himmelsrichtung Hinweise auf eine Siedlung erkennen konnte, beschloss er etwas näher an das Dorf heran zu fliegen und zu sehen ob die Reisegruppe dort friedlich aufgenommen würde.

Einige Flügelschläge weiter, war er so dicht her angeflogen, dass er einzelne Menschen erkennen konnte. Geschäftig liefen sie durch die wenigen Gassen und gingen ihrem Tagesgeschäft nach. Dargo wollte gerade zum Lager seiner Gefährten zurück, als er einen hohen und schrillen Ton wahrnahm! Er war so hoch, dass sogar unserem Drachen die Ohren schrillten.

Die Bewohner der Siedlung warfen sich auf den Boden, mit den Köpfen in Richtung eines kleinen Birkenwäldchens aus dem die Töne erklangen. Sie stimmten einen Singsang an, während dessen sie, auf dem Bauch liegend, mit den Füßen auf den Erdboden trommelten und immer wieder klagende Laute von sich gaben.

Dargo konnte von seinem erhöhten Aussichtspunkt erkennen, dass sich zwischen den Bäumen etwas bewegte. Sogar bis in seine Höhe kroch ein Gestank herauf, der ihn an verwesendes Fleisch erinnerte. Gleichzeitig drang ein Brüllen an seine Ohren, welches sich anhörte, als ob jemand Glasscherben mit einem Stein zermahlen würde.

Er konnte sich der Faszination des Augenblickes nicht entziehen! Erst recht nicht, als er erkannte was für Geruch und Lärm verantwortlich war.

Im Unterholz des Wäldchens schien sich direkt aus dem Erdboden ein Kopf hervor zuschieben. Drei Hörner zierten einen großen Schild, unter welchem grell-grüne Augen hervor stachen. Es schloss sich ein schmaler, aber muskulöser Körper an, der sich schlängelnd in Dargos Sichtbereich schob. Getragen wurde dieser von 8 kurzen, stämmigen Beinen, welche sich in Manier eines Tausendfüßlers bewegten. Abwechselnd schob sich einmal ein rechtes danach ein linkes Bein nach vorne, immer im Rhythmus, rechts, links, rechts, links usw…. Als sich das Wesen schlussendlich ganz aus dem Boden hervor geschoben hatte, konnte Dargo erkennen, das es etwa 10 Haupteslängen vom Kopf bis zum Ende maß. Seltsamer weise, bewegte sich das Ungetüm sehr leise, außer dem Knacken von Ästen und dem Rascheln von altem Laub war nichts weiter zu hören. Dargo dachte so bei sich, dass das doch unmöglich sein könnte. Doch nun gesellte sich ein leises Pfeifen hinzu. Woher genau dieses Pfeifen kam, war nicht festzustellen. Auch veränderte es weder Lautstärke noch war auszumachen das es seinen Standort verändern würde.

Nur das Klagen und der Singsang der Dorfbewohner schwoll manchmal zu einem Ohrenbetäubenden Inferno an, um gleich darauf wieder bis auf ein leises Flüstern herab zu sinken.

Nach einiger Zeit stoppte der Singsang ebenso wie das Wehklagen, und ein bunt geschmückter Mann trat aus einer der Holzhütten und trat nahe an die im Steinkreis stehende Statue heran, die nun anfing in einem unwirklichen Leuchten zu glimmen. Obwohl es Tag war, konnte Dargo sogar aus seiner großen Höhe dieses Glimmen ausmachen.

Der Mann streckte seinen linken Arm aus und fasste in das Gesicht der Statue, genau dort wo bei einem Menschen der Mund sein würde. Er holte eine etwa 30cm lange silbern schimmernde Platte heraus, legte diese an seine Stirn —– wartete mehrere Minuten und schob sie dann wieder in den “Mund” der Statue.

Mit lauter Stimme begann er etwas zu sagen, leider in einer Sprache welche unser Drache nicht verstehen konnte, was diesen sehr verwunderte, da Drachen im Allgemeinen jede Sprache verstehen konnten.

Mit dem letzten Wort das Dargo von dem bunten Mann verstehen konnte, begann das Dorf zu flimmern und nach und nach zu verblassen, so als ob es niemals hier gewesen wäre.

Verwundert ob diesen Schauspiels schüttelte Dargo seinen massigen Schädel, kreiste noch einige Male über dem Platz und beschloss sodann, dass er wohl besser umkehren würde. Den Gefährten wollte erst einmal nichts von dem seltsamen Geschehen erzählen bis sich vielleicht eine Notwendigkeit dazu ergeben würde.

Nachdem er seine Kreise noch etwas erweitert hatte, kehrte er zum Lager zurück um zu berichten, dass sich ringsherum nur weitere Wälder befanden und der Weg hier endete.

Sofort brach eine Diskussion los wie die Gruppe nun weiterhin vorgehen sollte. “Weshalb brennt uns Dargo nicht einfach eine Schneise in Richtung Norden,” fragte Tan, mit seine tiefen Stimme. “Hm,” sagte Dargo:”das könnte ich schon machen, aber etwas weiter müssen wir eine andere Möglichkeit finden wie wir uns den Weg freimachen. Dort beginnt ein Gebiet das mir ziemlich trocken erscheint und ein Feuer könnte verheerende Auswirkungen haben.” Er bewegte sich ein Stück zur Seite, nahm einen Stock in die vordere Kralle und zeichnete damit einen Plan in den grauen Boden. “Hier sind wir,” sagte er “und dorthin wollen wir. Ist ein ziemliches Stück Weges. Wenn wir den direkten Weg nehmen, dann liegt genau dazwischen die trockene Einöde.”

Können wir die denn nicht umgehen?”

Anar, das wäre schon möglich, aber leider konnte ich noch nicht alle Gebiete links und rechts in Gänze erkunden.”

Wie lange würden wir denn brauchen um die Einöde zu durchqueren?” fragte Wismut.

Wenn wir uns den Weg durch das vertrocknete Unterholz von Hand frei schlagen müssen, dann schätze ich etwa 2-3 Tage,” entgegnete Dargo “dabei rechne ich natürlich schon mit Tans Hilfe. Aber auch mit meinem Körper kann ich natürlich einen Weg bahnen. Jedoch konnte ich noch nicht erkennen, was unterhalb meines Blickes liegt.”

Dargo,” begann Lytia “kannst Du mich ein Stück des Weges mitnehmen und dort absetzen? Während ich mich unten umsehe, ob sich dort auch gangbare Wege befinden, könntest Du doch noch etwas mehr in nördlicher Richtung nachsehen, was uns dort erwartet.” Sprachs und war schon auf des Drachen Rücken geflogen. “Leider bin ich ja nur klein, darum kann ich so weite Wege nicht fliegen.” entschuldigte sich die kleine Fee.

Ha haha,” lachte Dargo, “für Heute ist es leider schon zu spät. Aber wir können Morgen, gleich nach Sonnenaufgang dort sein, und somit einige Stunden Erkundungen vornehmen, derweil der Rest der Truppe einpackt und unter Tans Schutz weiter voran marschiert.”

Dieser Plan fand allgemeinen Zuspruch und so legten sich alle, bis auf Dargo, nach einem ausgiebigen Mahl zum schlafen rund um ein kleines Feuer.

Die Morgennebel waberten noch leise und unheimlich über die schlafenden Freunde, als Dargo zuerst Lytia und danach Anar vorsichtig weckte. Verschlafen und sich reckend und dehnend gähnte die alte Anar, hustete leise und sah Dargo fragend an!

Lytia, wie immer vorlaut und etwas frech:” Na alter Schuppenträger, wollen wir nun endlich los?”

Anar und Dargo verzogen beide ihre Lippen zu einem Lächeln. Sie kannten ja die Zwergenfee und wussten, dass sie zwar etwas vorlaut war, aber stets nur soweit, dass sich niemand verletzt fühlen würde von ihren Worten.

Dargo nahm sie deshalb vorsichtig auf, setzte sie auf seinen Rücken,winkte nochmals Anar zu und erhob sich schnell in die Lüfte.

Durch den Wind den er dabei erzeugte bekam die Glut des Vorabends wieder neuen Geist und entzündete dabei die halb verkohlten Reste der übriggebliebenen Holzstücke.

Prasselnd fraßen sich die Flammen in die hinzu geworfenen Hölzer um kurz darauf genau wie abends wieder Licht und Wärme zu spenden.

Anar setzte einen Kessel mit Wasser auf, warf eine Handvoll Kräuter hinein und sprach eine Formel über dem dampfenden Topf. Jeder ihrer Mitreisenden würde einen Becher von diesem Gebräus zu sich nehmen, ohne zu wissen, dass es sich um einen Zaubertrank handelt. Dieser hatte die Eigenschaft, dass er die Kräfte und Energien eines Jeden strecken konnte. Anar war der Ansicht, dass dies notwendig sein könnte, wenn sie tatsächlich durch die Einöde würden ziehen müssen.

Wismut und Tan erwachten nun auch, kamen langsam zum Feuer und gähnten Herzhaft.

Nehmt Euch einen Becher des Trankes, er wird Eure Lebensgeister wecken und kräftigen.”

Auch sie selbst nahm einen großen Schluck da auch sie mit ihren Kräften haushalten musste.

Dargo und Lytia würden keinen Trank benötigen, da sie beide von der Sonne mit Kraft versorgt wurden.

Solange Anar Decken, Töpfe und anderes wieder zusammen schnürte, zeigte Tan dem kleinen Wismut derweil den rechten Umgang mit scharfen Klingen. Zuerst erklärte er ihm wie er ein Messer zu halten hatte, um einfach nur etwas zu zerschneiden. Er zeigte ihm wo der Daumen hingehörte und wie er die Finger der anderen Hand halten musste, um sich nicht selbst eine Schnittverletzung zu zufügen.

Dazu gab er ihm zuerst Brot und danach Fleisch- und Fischstücke, sowie verschieden Wurzeln, welche sie dann am Abend in die Suppe werfen konnten.

Das Bild hatte etwas vollkommene ruhiges und angenehmes an sich.

Bis ———- plötzlich durchzog ein Donnern den Nebel, der sich noch immer nicht gelichtet hatte. Ein schauriger Schrei erscholl. Danach war Stille, Totenstille. Man hörte nicht einmal mehr einen Vogel singen. Etwas schien unwirklich.

VII

Berins Ausflug

Keinem war bisher aufgefallen, dass Berin nicht mehr in seiner Deckenrolle lag. Irgendwie hatte keiner auf ihn geachtet. Da ja auch noch Zeit vergehen würde bis zum Aufbruch, wollte ihn auch keiner wecken.

Berin war nachts aufgewacht, und sagte Dargo nur dass er etwas gehen wollte um seinen Kopf klar zu bekommen.

Schon nach einigen Schritten, schien ihm die Reise gar nicht mehr so gefahrvoll wie noch vor einigen Stunden. Die sie umgebenden Bäume wirkten keineswegs bedrohlich, oder angsteinflössend. Eher schienen sie eine zufriedene Gelassenheit auszustrahlen.

Je tiefer Berin in den Wald hinein ging, desto gelöster war seine Stimmung, fast schon euphorisch!

Er war mit sich und der Welt zufrieden und fragte sich weshalb er denn überhaupt mit dieser Gruppe unterwegs war?

Was sollten sie denn eigentlich unternehmen?

Dumme magische Sprüche sollten sie suchen, und das an einem unbekannten Ort.

Worauf hatte er sich denn da nur eingelassen?

Zu Hause glommen noch die Kohlenmeiler und sicher passte nun niemand auf dass diese auch rechtzeitig geöffnet und abgelöscht werden würden. Sobald die Sonne aufging, wollte er den anderen seine Entscheidung mitteilen, die Reise abzubrechen und wieder zu seiner Arbeit zurück zu kehren. Jawohl, genau das würde er machen. Hatte doch keinen Sinn etwas zu suchen das keiner kannte, an einem Ort von dem niemand wusste wo er war und das nur weil irgend jemand nach langem Schlaf aufgewacht war. So ein Unsinn!

Er setzte sich auf eine Lichtung, lehnte sich dabei an einen alten Eichenstamm und sah hinauf in die Sterne.

Etwas später dann hörte er eine leise Stimme. Verstehen konnte er nichts, nur dass die Stimme da war konnte er wahrnehmen. Da Berin aber nun mal von Natur aus gerne wusste was um ihn herum vorging, erhob er sich und ging in die Richtung aus der er meinte, dass die Stimme kam. So ging er, einen Schritt nach dem anderen machend, immer tiefer in den Wald. Die Stimme wurde jedoch, zu seinem Bedauern, nicht deutlicher. Also beschloss er weiter zu gehen, bis er die Quelle der Laute erkennen konnte.

Ihm wurde nicht bewusst, dass er schon lange den Rückweg aus den Augen verloren hatte. Die Bäume sahen alle gleich aus, und nun dämmerte der schon Morgen.

Als er inne hielt um wieder einmal die Richtung zu bestimmen in welche er gehen musste um die Stimme deutlicher zu vernehmen, fiel ihm auf, dass er sich verlaufen hatte. Auch die Laute waren verstummt. Er sah sich um, nur um zu erkennen, dass er seinen Weg wirklich und wahrhaftig verloren hatte.

Linker Hand sah er eine kleine Lichtung. Hungrig wurde er nun auch langsam und durstig auch. Nach einem Griff an seinen Gürtel fiel ihm auf dass er weder seinen kleinen Proviantbeutel, noch den Lederschlauch mit Wasser mitgenommen hatte.

Er wollte doch auch nur einige Schritte gehen um sich dann hin zulegen. Wann war das denn gewesen? Gestern Abend, oder war sein Aufbruch aus dem Lager schon Tage her? Nein, Tage konnten es nicht sein, es musste der gestrige Abend gewesen sein. “Nun gehst Du erst mal auf die Lichtung,” sagte er zu sich selber. Seine Stimme hörte sich fremd und irgendwie hohl an. “Sei mal nicht so ängstlich, geh einfach auf die Lichtung und sehe nach wo die Sonne steht.”

Als er los ging, hatte er die letzten Strahlen der Sonne im Rücken gehabt. Nun sollte er also die Morgensonne wieder im Rücken haben um seinen Heimweg zu finden. Auch wenn er nicht wusste wie oft er einen Bogen gelaufen war. Schien ihm diese Lösung die beste, zu mal er ja keine Alternative hatte.

Doch zu erst wollte er Wasser suchen und vielleicht einige Beeren oder andere Früchte, um seinen leeren Magen etwas zu füllen.

Er hatte wirklich Glück! Als er den Saum des Waldes verlassen hatte, fiel im sofort eine Hecke auf, welche gelbe und rote Beeren trug. Und gleich dahinter hörte er das Plätschern eine kleinen Baches. Als er näher an die Hecke herantrat, konnte er gerade noch erkennen, wie einige Nager vor ihm flüchteten. Die Beeren kannte er gut, aus denen machten sie zu Hause immer einen guten Wein, also waren sie sicher auch genießbar. Nachdem er mehrere Handvoll davon gegessen hatte, sammelte er noch so viele ein wie er in einer Tasche seiner groben Leinenjacke unterbringen konnte. Nur Wasser konnte er nirgends unterbringen. Also ging er hinunter zu dem Rinnsal und trank soviel er konnte, ohne dass ihm schlecht werden würde. Dir Früchte konnten ja auch den Durst etwas löschen, wenn auch nur für kurze Zeit.

Nach einem Blick in den Himmel und zur Sonne beschloss er nun endgültig los zu gehen.

Darauf achtend dass die Sonne in seinem Rücken stand ging er nun wieder in Richtung des Waldes. Große Schritte machend, sah er sich um ob er irgend welche Dinge erkennen konnte die ihm zeigten woher er gekommen war. Da er die meiste Zeit seines Lebens im Wald verbracht hatte, fielen im auch normalerweise kleine Dinge auf, die ihm zeigten ob jemand an einer bestimmten Stelle vorbei gegangen war. Doch so sehr er sich auch anstrengte, er konnte nichts bemerken, dass ihm anzeigte, dass er hier oder dort vorbeigekommen wäre. Kein geknickter Zweig an einem Baum, kein von einem Fuß verschobener Stein. Nichts wies auf einen Menschen hin welcher hier über den weichen Waldboden gegangen wäre.

Nach einigen Stunden, es musste etwa um die Mittagszeit sein, hielt er inne, aß von den mitgenommenen Beeren, setzte sich und schloss die Augen. Eine kurze Rast wollte er sich gönnen. Da konnte er, fast am Rande der Wahrnehmung, wieder die Stimme hören die ihn vor einiger Zeit so sehr in die Irre geführt hatte.

Diesmal wollte er sich aber nicht wieder von seinem Weg abbringen lassen! Entschlossen seine Freunde wieder zu finden, stand er auf, und ging entgegen gesetzt der Stimme weiter. Als er zielstrebig weiter marschierte, wurden die Laute fast weinend. Doch lies er sich nicht beirren und folgte beharrlich seinem Weg. Als er nach einer Strecke Weges sich noch einmal nach der Stimme umhörte, …………. da war diese nicht mehr zu vernehmen. Berin deutete dies als Zeichen, dass er auf dem richtigen Wege sei.

Und richtig, schon bald danach konnte er Rauch riechen. Geklapper von Töpfen, und Tellern und vertraute Laute machten ihm Hoffnung die Gefährten bald wieder sehen zu können.

Die Sonne stand schon weit im letzten Drittel ihres Tagesweges, und schickte sich schon langsam an unter zu gehen.

Wo sollen wir ihn denn noch suchen?” sagte gerade Anar die Weise. “Wir bleiben noch eine Nacht und morgen Früh sehen wir weiter.” Antwortete Dargo. Wismut saß traurig auf einem alten, umgestürzten Baumstamm, kaute an seinen Fingerknöcheln und sagte mit leisen Tönen:”Berin kennt sich doch im Wald so gut aus! Weshalb haben wir keine Spuren von ihm finden können? Er kann doch auch mit den Tieren reden, die könnte er doch fragen wo er ist.” “Er hat sicher nur etwas interessantes entdeckt und wird sicher bis morgen Früh wieder zu uns stoßen!” erscholl Tans tiefe Stimme.

Nun konnte Berin sich nicht mehr bremsen, er rannte los in Richtung des nun wieder auf flackernden Feuers, und als er dann den Waldrand erreichte, rief er laut: ”He, Ihr Leute hier bin ich.” Verdutzt sahen die Freunde auf den Gefährten, der da plötzlich vor ihnen auftauchte wie ein Gespenst. Freudig sprangen alle auf, umarmten ihn, führten ihn zum Feuer und warteten darauf dass er anfangen würde zu erzählen wo er gewesen sei.

Nachdem ihm Anar eine Schüssel dampfende Suppe mit Fleisch und einen Kanten Brot reichte, und er auch seinen Durst gestillt hatte, begann er von seinem Irrgang im Wald zu erzählen.

Nachdem er zu Ende erzählt hatte, fragte er wie lange er denn fort gewesen sei. “Wie lange habt Ihr denn auf mich gewartet,” fragte er seine Weggefährten. “Mir kommt es vor als hätte ich gestern Abend schon das Camp verlassen.” sagte er in den Kreis.

Gestern Abend?”, donnerte Tans Stimme an sein Ohr, “drei Tage und zwei Nächte haben wir nach Dir gesucht und keine Spur von Dir gefunden. Genau so als ob Du niemals hier gewesen wärst. Dargo hat fast die ganze Zeit am Himmel verbracht um zu sehen ob Du ein Feuer anzündest damit wir Dich finden könnten.”

Mir kam es nur vor wie eine Nacht,” entgegnete Berin, “es muss etwas besonderes in dem Wald vorgehen, wir sollten auf der Hut sein, wenn wir ihn auf unserer Weiterreise betreten.”

Ich denke Berin hat recht.”

Das beste wird sein, wenn wir uns an langen Seilen festbinden.” Schlug Wismut vor. Die Idee wurde von allen mit einem Kopfnicken angenommen, und alsbald holten sie aus den Vorräten die Taue heraus, machten Schleifen hinein und legten sich diese dann um die Hüften. Sie diskutierten noch lange bis in die Nacht wie sie weiter vorgehen wollten. Erst als der Mond schon hoch am Himmel stand beschlossen sie sich Schlafen zu legen, da sie spätestens bei Sonnenaufgang weiter ziehen wollten.

VIII

Werbad

Dargo stieg des nachts immer wieder in den mit Sternen übersäten Himmel auf um zu sehen ob sich ihnen eine Gefahr näherte. Konnte aber nichts der gleichen ausmachen.

Als kurz vor Morgengrauen die Nebel auftauchten, entzündete er mit einem kurzen Feuerstoß das Holz unter dem Wasserkessel erneut.

Anar erwachte als erste von dem angenehmen Schein des Feuers und seiner Wärme, begab sich wieder zu ihrer Kräutertasche und zog einige Bündelchen daraus hervor. Kurz bevor das Wasser zu sieden begann, warf sie einige Wurzeln zusammen mit den Kräutern hinein, ließ alles kurz aufwallen und bat Dargo um eine seiner Schuppen.

Und wozu benötigst Du nun eine Schuppe von mir?”

Sie verleiht dem Trank noch etwas mehr Stärke und verbindet diejenigen miteinander die von ihm trinken. Jeder der von diesem Tranke nimmt, wird für einen Tag in der Lage sein jeden anderen der davon getrunken hat zu finden.”

Kannst Du den Trank auch bereiten, damit er länger anhält?”

Das ginge schon, doch dann wären alle in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, und wer weiß schon ob wir nicht alle einmal schnell einen Platz erreichen oder verlassen müssen.”

Das ist sehr schade,” sagte Dargo, “doch wenn es wirklich notwendig werden sollte ist es wohl besser so.”

Nach und nach erwachten die Gefährten, wuschen sich und begaben sich dann zum Feuer um gemeinsam das Frühstück einzunehmen, und den Trank der Hexe zu trinken.

Ich werde, nachdem alles gepackt wurde, voran fliegen und sehen ob ich etwas ausmachen kann, das uns helfen oder auch Gefahr bedeuten könnte.”

Die Stimmung war etwas gedrückt, ob der Unsicherheit wie sie ihren Weg fortsetzen würden.

Die Packtiere wurden beladen, die Pferde gesattelt und zum Schluss kontrollierten sie noch den Sitz der sie miteinander verbindenden Taue.

Dargo war schon einige Zeit in den Lüften. Diesmal zog er keine großen Kreise, da er ein Gefühl der Gefahr verspürte. Da er in nicht allzu großer Höhe flog, war es ihm möglich auch kleinere Dinge zu erkennen. Noch viel ihm jedoch nichts auf, das eine Gefahr bedeuten würde.

Bis zur Mittagsstunde kam die Gruppe gut voran. Sie hatten sogar mehr Wegstrecke geschafft als sie gedacht hatten.

Eine kleine Rast wäre nun wohl mal angebracht,” scholl es von oben. “Ihr solltet etwas Essen, ehe es weitergeht!”

Eine gute Idee,” bemerkte Anar, “lasst uns rasten damit wir noch Kräfte genug haben um noch ein Stück Weges zu schaffen ehe wir unser Nachtlager aufschlagen werden.”

In der Nähe fanden sie eine kleine Lichtung auf der genug Platz war damit alle in der Sonne ihre erschöpften Glieder ausstrecken konnten. Anar und Wismut verteilten Brot und gebratenes Huhn vom Vorabend, an alle und jeder bekam wieder einen Schluck von Anars Trank gereicht.

Nach einer kurzen Weile wurden alle unruhig und Tan bat Lytia ob sie nicht etwas in der Gegend sich umsehen wolle. “Sag mal kleine Flatterleuchte,” fragte er, “kannst Du Dich nicht mal umsehen? Ich meinte gerade eine Bewegung gesehen zu haben, dort hinten.” Damit zeigte er auf einen Punkt an welchem einige Beerenbüsche standen.

Was genau hast Du denn gesehen?” wollte Lytia wissen. “War es groß oder eher klein?”

So genau kann ich das gar nicht sagen. Es war mehr ein Schatten, der die Blätter der Büsche bewegt hat. Das kommt mir schon irgendwie komisch vor!” Dabei zog einen Stein über die Klinge seiner Axt, schien dabei jedoch nicht wirklich bei der Sache zu sein. Sein Blick streifte unstet über das Gebüsch und wieder zum Rand der Lichtung.

Flirrend begann nun Lytia sich in die Höhe zu schrauben, um zu sehen ob und was Tan denn wohl gesehen haben könnte.

Da war auch etwas, unheimlich kam es ihr vor. Sichtbar und doch nicht greifbar. Tan hatte sich nicht getäuscht. Als sie gerade zu ihm wollte um ihm ihre Entdeckung zu verkünden, wurde in dem Schatten eine feste Figur sichtbar. Sonderbar, dachte sie bei sich. Schatten und doch fest, wie passt das zusammen? Je wahrnehmbarer die Figur in dem Schatten wurde, desto mehr verblasste der Schatten. Noch konnte Lytia nicht erkennen was sich da aus dem Schemen heraus geschält hatte.

So flog sie einen Bogen um die Gestalt um sich von einer anderen Seite zu nähern. Wie erschrak sie dann als sie erkennen konnte was da vor ihr aufwuchs!!!

Eine Gestalt mehr als 7 Fuß hoch, schwarz wie eine Mondlose Nacht, dabei eine Hitze ausstrahlend, dass sie meinte verbrennen zu müssen. Sofort vergrößerte sie den Abstand wieder und versuchte noch mehr Einzelheiten auf zu nehmen.

In dem, alles Licht schluckenden, Kopf zeichnete sich allmählich ein Gesicht ab. Das kann nicht sein, dachte Lytia bei sich, der Schmied ist doch gar nicht mitgereist. Was geht hier vor sich?

Schnell änderte sie ihre Richtung um ihre Gefährten zu warnen.

Im Lager angekommen, rief sie alle zusammen und erzählte von dem was sie gesehen hatte.

Gut dass wir Dich mitgenommen haben,” raunte Berin, “ so können wir uns nun darauf gefasst machen, dass uns bald jemand aus der Stadt begegnen könnte um uns auf eine falsche Spur zu bringen.” Als er diese Worte sprach, schnitzte er Gedankenlos weiter an einem Stückchen Holz herum, und gab diesem die Gesichtszüge des Schmiedes. Zufall?

Als den anderen auffiel was er da schnitzte, wurde die Stimmung schlagartig gereizter.

Was machst Du da?”, fragte Anar, “Wie kommst Du darauf etwas anderes als Tiere zu schnitzen, und wenn schon warum gerade den Schmied?”

Keine Ahnung, ich nahm das Holz vom Boden auf und meine Hände arbeiteten ohne meinen Willen,” antwortete zerknirscht der Köhler.

Sie versuchten zu ergründen was gerade geschehen war und weshalb. Als hinter ihnen ein Knacken von trockenen Ästen und das Rascheln von altem Laub immer lauter wurde.

Im gleichen Moment hörten sie von oben einen lauten Warnruf Dargos, der sich wie ein Stein in die Tiefe fallen lies. “Passt auf,” rief er ihnen zu, “lasst die Gestalt nicht näher ans Lager kommen. Ich kann schwarze Umrisse erkennen!”

Sofort nahm Tan seine Axt zur Hand, Berin ein Kurzschwert, Anar begann magische Zeichen in die Luft zu malen und dabei einen Schutzzauber zu beschwören, Lytia blieb abwartend in der Luft stehen und Wismut versuchte von seinem Versteck aus, zu erkennen was nun weiterhin geschehen würde.

Noch konnten sie nicht erkennen,wer oder was hinter den Geräuschen steckte. Nur das Knacken und Rascheln kam immer näher. Nun konnte man auch starkes Atmen vernehmen, wie von jemandem der sehr schnell gelaufen war.

Auf einmal brach es aus dem Unterholz hervor, lief noch einige Schritte, setzte sich dann auf einen Stein und fing an zu reden: “ Den Göttern sei Dank dass ich Euch nun endlich gefunden habe,” begann die Gestalt. “Seit Tagen versuche ich schon Euch einzuholen, aber erst Gestern konnte ich Eure Feuerstelle finden und sehen dass ich Euch näher gekommen bin. Horas schickt mich um Euch zu sagen, dass Eure Reise nicht mehr notwendig geworden ist. Ihr könnt sofort umkehren, denn er hat einen Weg gefunden wie er Minf, dorthin schicken kann wo er keine Gefahr mehr ist.” Schwer atmend holte die Gestalt Luft und bat um etwas Wasser. “Gerne bringe ich Dir einen frischen Trunk,” rief im Anar entgegen, eilte mit einem Becher zu ihren Packen und nahm daraus einen kleinen Lederschlauch um diesen zu füllen.

Bitte, trink das,” sagte sie ,”Deine Kehle muss ja ausgetrocknet sein, so wie Du aussiehst.” Dabei lächelte sie.

Der Schatten in Gestalt des Dorfschmiedes nahm den Becher, bedankte sich und trank in großen Schlucken.

Es dauerte auch nicht lange, da begann sich die Figur zu krümmen und langsam auf den Boden zu sinken. Gleichzeitig konnte man ein Fauchen hören, das an Feuer erinnerte, Lichtblitze umspielten die Gestalt und ihre Umrisse verschwammen. Im gleichen Maße wie die Figur durchsichtiger wurde, konnte man erkenne, wie sich ein Schatten heraus löste.

Dargo war nun auch wieder am Lagerplatz erschienen, und harrte darauf, dass die Verwandlung ihren Abschluss nahm. Zusammen mit Anar sprach er einige magische Sprüche, und bat Wismut mit einem Weidenstab einen Kreis um den Schatten zu ziehen.

Du bist gefangen in diesem Kreis,” sprach dieser in Gedanken ohne dass ihm jemand dies aufgetragen hätte, “ich bin weiß und Du bist schwarz, darum kann ich Dir befehlen!” Diese Worte wiederholte er immer wieder während er dreimal mit dem Weidenstab den Kreis den er gezogen hatte ab schritt.

Nach dem er die dritte Runde beendet hatte erklang aus der Mitte ein Wehklagen und Weinen. Das Schattenwesen, versuchte nach oben zu fliehen,stieß jedoch schon bald an eine unsichtbare Grenze. Nun versuchte es durch den Boden zu entkommen, doch auch das ging nicht und das Wehklagen und Weinen wurde lauter.

Die ganze Gruppe stand und sah zu wie das Wesen vergeblich versuchte irgendwie dem magischen Bann des Kreises und der Worte Wismuts zu entkommen.

Woher wusstest Du was Du tun und sagen musst Wismut?” Fragte Lytia, den Jungen.

Keine Ahnung,” antwortete dieser, “die Worte waren einfach da und ich konnte gar nicht anders als sie laut zu sagen!”

Dargo bemerkte dazu nur:”Horas hat doch gesagt, dass dieser Junge auserwählt ist. Also wundert Euch nicht wenn so etwas noch häufiger vorkommt.”

Anar nickte mit ihrem Kopf, nahm einige Fläschchen aus ihrer Ledertasche und ging zu Wismut. Als sie bei ihm war, goss sie einige Tropfen über ihm aus, sprach einen Spruch, den niemand verstehen konnte, und drückte ihm etwas in die kleine Hand.

Du hast uns nun bewiesen, dass Du wirklich auserwählt bist. Mit diesem Dolch, kannst Du nun Deine Kräfte sammeln und mit etwas Übung auch bündeln. Dargo und ich werden Dich lehren mit den magischen Kräften, die Du nach und nach bekommen und erlernen wirst, richtig um zugehen.”

Derweil war das Schattenwesen mit jedem gescheiterten Fluchtversuch immer leiser geworden, hatte sich nun in der Mitte des Kreises zu einer Kugel zusammen gerollt und wimmerte nun nur noch sehr leise vor sich hin.

Was fangen wir nun mit diesem Gestaltwandler an?”

Hm, vielleicht sollten wir versuchen mit ihm zu reden,” gab Dargo Tan zur Antwort. “Es könnte ja sein, dass er uns etwas verrät, dass uns weiter bringen kann.”

Und wie sollen wir das bewerkstelligen? Wer überhaupt könnte mit ihm reden, und was ist das denn eigentlich?”

Als Berin diese Fragen gestellt hatte, schob sich unsere kleine Zwergenfee in den Vordergrund. “Dargo kann doch alle Sprachen verstehen,” sagte sie “lassen wir doch ihn einen Versuch wagen!”

Eine gute Idee,” bemerkte darauf hin Tan, mit seiner tiefen Stimme, “Was hältst Du davon, wenn Du unseren unfreiwilligen Gast befragst?”

Ein Versuch kann nicht schaden,” antwortete dieser, drehte sich in Richtung der schwarzen Kugel und sprach das Wesen in verschiedenen Sprachen an.

Nach vielen gescheiterten Versuchen, auf die das Wesen keine Reaktion zeigte, erklärte er dass es wohl doch nicht so einfach sein würde, mit dem Gestaltwandler zu kommunizieren.

Er antwortet auf nichts. Nicht eine einzige Reaktion hat er gezeigt, und dabei habe ich ihn in allen Sprachen angesprochen die ich kenne.”

Nachdenklich setzten sich alle rund um das Feuer auf die Steine und versuchten einen Weg zu finden um mit dem schwarzen Wesen reden zu können.

Keinem war bisher aufgefallen, dass der kleine Held ihrer Reisetruppe schon länger nichts mehr gesagt hatte. Ein jeder dachte dass er von der magischen Beschwörung erschöpft und müde geworden sei, und sich nun einfach nur ausruhte.

Als dieser jedoch von seinem Sitzplatz rutschte und sich in Krämpfen wand, dabei unverständliche Worte ausstoßend, sprangen alle auf um ihm zu helfen. Berin wollte sich zu ihm hinunter bücken, konnte aber nicht an ihn heran kommen. Etwas wie ein unsichtbarer Schirm umgab den kleinen Körper. Nur die unverständlichen Geräusche drangen daraus hervor.

Doch plötzlich straffte sich Wismuts Körper, er schwebte einige Zentimeter über dem Boden und ein fahles Leuchten umgab ihn. Starr und steif stand er so für einige Minuten einfach reglos in der Luft. Der ihn umgebende Schirm wurde sichtbar und glomm in einem grünlichen Leuchten auf.

Lasst ihn nicht verdorren,” rief der Junge laut aus. “Er kennt einen Weg der zu den verborgenen Höhlen führt. Sein Name lautet ‚Werbad‘ und Minf wollte ihn benutzen um uns in die Irre zu führen. Wir müssen ihm helfen sich aus der Sklaverei des Magiers der 1000 Jahre zu befreien.”

Ein Laut des Entsetzens erscholl aus den Kehlen der Freunde.

Keine Angst, Werbad möchte nur endlich sein Schicksal beenden und seinem Wohlverdienten Tod entgegen gehen.”

Wismut kannst Du uns hören,” rief Anar. “Wenn Du uns hören kannst, dann gib bitte Antwort oder mache ein Zeichen, damit wir wissen dass Du es bist der mit uns redet.”

Ich bin wirklich noch da. Auch wenn es Euch vielleicht seltsam vorkommen wird, aber ich werde Werbad gestatten, mich in meinem Körper zu begleiten. Ich habe ihn sehr geschwächt, und ohne jemanden der seinen Körper mit ihm teilt, würde er keinen Tag mehr erleben. Doch dann würde er für immer unter der Knute von Minf stehen und diesem Sklavendienste leisten müssen.”

Mit diesen Worten verformte sich die schwarze Kugel, wurde zu einem schmalen Streifen dunklen Lichts, welches sich auf Wismut zu bewegte und sich in Höhe seines Bauches in ihn hinein schob. Äußerlich war dem Jungen nichts an zusehen. Also musste die Aufnahme des fremden Wesens schmerzlos vor sich gegangen sein. Als auch der letzte Rest dieses dunklen Lichtes in Wismut verschwunden war, schwebte dieser langsam zu Boden, kam auf seinen Füßen zum Stehen, und begann zu reden.

Nun sind wir vereint. Werbad wird sich in einer Ecke meines Seins niederlassen, und nur hervortreten wenn wir seiner Hilfe bedürfen. Er ist nicht stark genug um meinen Geist zu übernehmen, also habt keine Angst.”

Alsbald sank er in sich zusammen und es überkam ihn ein tiefer Schlaf.

Die Gefährten standen noch lange unter dem Eindruck des eben geschehenen, und der Schlaf wollte sich lange nicht einstellen.

Lytia verfolgten die vergangenen Stunden sogar noch im Traum. Unruhig wälzte sich das kleine Wesen auf seinem Lager aus wollenen Decken hin und her, und mehr als einmal bestand die Gefahr dass sie herunterfallen könnte. Doch Dargo fing sie stets recht zeitig auf und legte sie sanft wieder zurück.

Erst bei Morgengrauen kam so etwas wie Ruhe im Camp auf.

IX

Tan wird angegriffen

Tan erwachte als erster, Missmutig grummelte etwas in seinen langen Bart, schlurfte hinunter zum nahen Bach um sich zu waschen, und stolperte schon nach wenigen Schritten. Mit eine lauten Aufschrei stürzte er der Länge nach hin, fiel mit seiner dicken Nase direkt auf einen Stein, schrie erneut auf und versuchte aufzustehen. Doch auch das wollte ihm an diesem verflixten Morgen nicht gelingen. Kaum dass er auf den Beinen war, rutschte er schon wieder aus, diesmal auf einer großen Schnecke. In der Zwischenzeit erwachten auch die anderen Mitglieder der Gruppe und sahen ein Schauspiel, welches sie sicher noch lange im Gedächtnis behalten würden.

Tan wackelte noch immer und wollte sich an einem Ast festhalten, als dieser sich bewegte und er gerade noch seine Hand zurück ziehen konnte, ehe der vermeintliche Ast zubeißen konnte. Doch Tan’s Martyrium war noch nicht zu Ende. Da er nun keinen Halt finden konnte, taumelte er nach Hinten, ruderte erneut mit den Armen, fand Halt an einem Flügel Dargos, zog heftig daran, dieser erschrak und schlug um sich, stieß dabei den Kessel von der Feuerstelle, welche daraufhin mit zischen erlosch. Tan indessen, bekam einen Schwall des Kochenden Suds auf seine, etwas zu groß geratenen, Füße, schrie schon wieder auf, und fiel rücklings in die noch heißen Holzstücke und auf die beinahe glühenden Steine. Mit einem gewaltigen Satz sprang er aus dem Kreis heraus. Er schüttelte den Kopf und begann leise vor sich hin zu brummen:”Ausgerechnet mir muss das passieren. Wieso nicht einem von den anderen.” Anar kam auf ihn zu um zu sehen wie sehr ihm die Vorfälle zugesetzt hatten, um eine Salbe für ihn zu bereiten. Als Tan schon wieder ein Missgeschick geschah.

Gerade war er dabei sich die letzten Holzkohlestücke aus der Haut zu ziehen. Da hörte man ein leises Surren in der Luft, welches sich schnell näherte. Tan spitze seine Ohren, wollte nach seinem Dolch greifen um eventuelle Gefahr abzuwehren, als schon ein Insekt in seine Nase kroch. Er fuchtelte mit dem Dolch in der Luft herum, traf dabei jedoch leider schon wieder Dargo, dieser wurde an seinem rechten Bein getroffen. Dies hatte jedoch keinerlei Auswirkungen auf ihn, da der Dolch von seiner Haut ab glitt und dafür mitsamt Tan auf der Erde landete. Die Insekten hielten ihn wohl für eine willkommene Abwechslung auf ihrem Speiseplan und in Nullkommanichts war der arme Goblin von unzähligen geflügelten Wesen umgeben, so dass er fast nicht mehr zu erkennen war. Anar und Berin brachten schnell zwei Eimer mit Wasser und gossen diese über dem Schwarm aus. Als sich der Holzfäller nun langsam erhob und sich schüttelte wie ein nasser Hund, begann die ganze Gesellschaft lauthals zu lachen.
Sie waren ja noch gar nicht so lange unterwegs, es waren erst wenige Tage vergangen seit sie aufgebrochen waren um ihre unmögliche Aufgabe zu lösen. Doch dieses Lachen erschien einem jeden von ihnen als wäre es Ewigkeiten her, dass sie so laut und aus wirklichem Übermut gelacht hatten.

Beinahe betroffen hörten sie auch wieder auf, als ob es sich nicht geziemen würde, an diesem Orte zu dieser Zeit.

Nur Tan, der Ursprung des Gelächters lies sich seine Stimmung nicht verderben.

Er sprang herum, als ob er immer noch von den unzähligen Insekten gepiesackt werden würde, fuchtelte wild mit den Armen und schrie aus Leibeskräften. Dabei lachte er wie ein kleines Kind welches in einer Wasserpfütze herum tollte.

Kommt hört auf solche Gesichter zu machen.”

Auf die anderen hatte dieser Frohsinn eine ansteckende Wirkung und sie fingen an sich gegenseitig mit Wasser zu bespritzen, warfen kleine Erdklumpen aufeinander und schubsten sich mal in diese mal in jene Richtung.

Das war lustig,” sprach nach einiger Zeit Dargo mit lauter Stimme, “jedoch sollten wir uns nun doch wieder auf unsere Aufgabe besinnen.”

Recht hast Du,” schmunzelte Anar, “lasst uns nun unsere Sachen reinigen und packen, während Dargo unseren weiteren Weg ausspäht um zu sehen ob sich in den letzten Stunden etwas geändert hat.”

X

Es geht weiter

Sie alle gingen nun daran, ihre Kleidung zu reinigen und nach zusehen, ob etwas beschädigt oder gar unbrauchbar geworden war. Jeder schnürte sein Bündel wieder, bepackten die Lasttiere und füllten ihre Wasservorräte auf.

Nachdem dies alles geschehen war, legten sie, wie besprochen die langen Taue um ihre Hüften und warteten, dass Dargo von seiner Erkundung zurück kam um endlich los marschieren zu können.

Dieser zog immer noch seine Kreise und zeigte keinerlei Anstalten zurück zu kommen. Vom Boden aus hatte es den Anschein, als ob etwas sein Interesse geweckt hätte. Mal zog er seine Kreise nach Sonnenaufgang, mal nach Sonnenuntergang. Man konnte meinen, dass er etwas Besonderes beobachte.

Doch Dargo wollte nur sicher gehen, dass die Erscheinung des Dorfes, welche er beim letzten großen Kontrollflug gesehen hatte, auch wirklich verschwunden war. Noch immer beschäftigten sich seine Gedanken mit dieser wundersamen, und eventuell auch, gefahrvollen Erscheinung.

Was war mit dem Dorf geschehen, fragte er sich? Und würde es wieder auftauchen? Konnte von den dort lebenden Personen eine Gefahr für die Gruppe und ihr Aufgabe ausgehen?

Als er erkennen konnte, dass im Lager so langsam Unruhe Einkehr hielt, begann er seine Kreise zu beenden und hielt direkt auf die Gefährten zu.

Aus einer Höhe von etwa fünf Manneslängen, rief er ihnen zu, dass sie nun an den Aufbruch denken können, und flog langsam davon, nicht ohne noch einen Kreis über ihnen zu ziehen und einen kleinen Feuerstrahl in Richtung Sonnenuntergang als Richtungsweiser aus zustoßen.

Alsbald brachen sie dann auch auf, immer dem Feuerstrahl Dargos folgend.

Mal kamen sie schnell voran, wenn sie sich auf den Pfaden der Wildtiere bewegten, dann wieder mussten sie sich mühsam einen Weg durch Dornenbüsche und anderes Unterholz mit ihren Schwertern schlagen. Sie durchquerten an diesem Tag noch eine Sumpfwiese die sie nicht umgehen wollten da sie in keiner Richtung ein Ende erkennen konnten.

Abends lagerten sie dann auf einer grossen Lichtung, die von alten und knorrigen Bäumen, einer ihnen unbekannten Art, umstanden war.

Anar und Wismut sorgten für Feuer und frisches Wasser, welches sie aus einer nahen Quelle schöpften.

Bald schon brutzelten einige Hühner über dem Lagerfeuer und Anar warf Beeren in das heiße Wasser. Ein wunderbarer Duft erfüllte die Luft. Er lies die Erinnerungen erwachen an Zeiten in denen die Bewohner von Überall keinerlei Sorgen hatten und sich gemütlich an solchen Abenden zusammen setzen konnten um zu reden, Musik zu machen, zu lachen und zu träumen.

Berin setzte sich auf einen Stein, und fing an auf einer frisch geschnitzten Flöte einige Töne zu blasen. Leise klang die Melodie durch die nahende Nacht und lies die Gemüter leichter werden. Es war keine Musik nach der man tanzen wollte, eher schon etwas das man tief im Bauch spürt. Man bewegte sich nach dem Rhythmus der Melodie und die Arbeit ging jedem leicht von der Hand.

Als Berin sein Lied beendet hatte, schien es als ob das Leben nun wieder einen normalen Gang gehen würde. Keiner hatte sich der Melodie entziehen können, und jeder spürte dass sie von nun an so etwas wie eine Zeremonie jeden Abend versuchen würden abzuhalten.

So marschierten sie drei Tage durch den Forst. Die Bäumen, welche ihnen bekannt waren wurden immer weniger. Dafür entdeckten sie Blumen und Beeren die vollkommen neu für sie waren. Auch einige Tiere konnten sie entdecken, doch keines kam ihnen nahe genug als dass sie genaueres hätten erkennen können.

Am vierten Abend dann kamen sie an einen schmalen gewundenen Fluss, in dem seltsame Fische sprangen darin. In Berin, Tan und der vor witzigen Lytja erwachte der Drang einige dieser Tiere zu fangen. “Lytja, Du kannst ja den Köder spielen,” lachte Dargo. Die anderen stimmten fröhlich mit ein und Lytja entgegnete:”Das könnte Euch so passen, mich zu Fischfutter zu degradieren. Aber ich werde Euch zeigen was eine Zwergenfee so alles kann!” Mit diesen Worten flog sie flatternd davon, bewegte sich über die Wellen und Schwuppdiwupp, sprangen die ersten Fische auch schon an Land. Die kleine Lytja blieb stets außerhalb der Reichweite und so landeten die Fische eben gleich an Land.

Anar und Wismut konnten sie einfach einsammeln, und wollten sie sofort ausnehmen. Doch urplötzlich wand sich Anar und krümmte sich auf dem Boden vor Schmerzen. Wismut, dem Anar während ihres Weges bereits einiges beigebracht hatte, rief:”Lasst die Fische liegen, irgend etwas stimmt mit ihnen nicht.” Hastig ging er zu Anar, versuchte sie auf die Seite zu drehen und nach zusehen, was ihr wohl fehlen könnte. “Seht hier, “ er deutete mit einem Stöckchen auf das Gesicht der weißen Frau,”über all hat sie diese Blasen.” Er nahm das Kräutersäckchen welches Anar stets an ihrem Gürtel trug und entnahm daraus einen Tiegel mit einer grünen Salbe und versuchte diese auf das Gesicht Anars zu bringen. Doch als er fast die ersten Blasen berührte, platzten auch schon welche auf und giftig-rote Flüssigkeit trat aus. Wo diese die Kleidung berührte, zischte es und ein stinkender Qualm stieg auf. Der Atem stockte den Gefährten und erst als Dargo ankam, stieg in ihnen wieder Hoffnung auf. Alle redeten sie durcheinander ohne dass er ein klares Wort verstehen konnte.

Seid doch mal bitte alle Ruhig und einer sage mir was hier los ist.” Tan erhob sich und fing an die ganze Geschichte zu erzählen. Kopfschüttelnd stand Dargo da und man konnte ihm ansehen wie er nachdachte. “Nun denn,” sagte er, “lasst erst mal Wismut sehen ob er etwas ausrichten kann. Er ist ja am besten mit den Salben und Kräutern von Anar vertraut, und vielleicht kann er ja mit Werbad kommunizieren und ihn fragen ob er eine Antwort auf unsere Fragen hat.”

Ich werde gleich versuchen mit ihm zu reden.” sagte der kleine Held. Es dauerte aber noch eine ganze Zeit, ehe er alle Blasen geöffnet und mit Salbe bestrichen hatte. Der weil hatte Dargo sicherheitshalber alle Fische mit einem Feuerstoß verbrannt. Was übrigblieb, war nur ein Haufen, der aussah als hätte jemand Glas geschmolzen, und dann mit Asche vermischt einfach liegen lassen.

Ich werde nun versuchen Werbad zu befragen, um zu erfahren was er über diese Gegend weiß,” sagte Wismut, setzte sich hin und begann sofort nach Werbad in seinem Inneren zu forschen.

Ungeduldig warteten seine Mitreisenden darauf, dass sich Wismut wieder bewegte, denn er saß auf einem Baumstamm, nun schon seit Stunden, unbeweglich und starr.

Berin zog, nach einer ewig erscheinenden Zeitspanne, seine Flöte hervor und begann damit eine Melodie zu spielen. Wie auf ein Zeichen hin bewegte sich nun der Junge, stand auf und ging zum Ufer am Fluss. Er streckte seine Arme und Hände in Richtung des Wassers. Und auf einmal schien der Fluss zu kochen. Das Wasser brodelte und schäumte, es warf hohe Wellen die beinahe bis an die Feuerstelle heran schwappten. Ein Zischen kam aus den unbekannten Tiefen, welches mit schrecklichen Lauten gepaart waren. Doch Wismut stand ungerührt auf seinem Platz. Mit tiefer Stimme, die so gar nicht zu seinem kindlichen Körper passen wollten, rief er den Fluten zu:”Ich befehle Euch im Namen des 1000Jährigen, verbergt Euch wieder dort wo Ihr hergekommen seid! Lasst diese Gruppe in Frieden ziehen und gebt meinen Gefährten den Weg frei! Gebt die Kunde weiter, dass wir auf der Suche nach dem Magier der 1000 Jahre sind und Ihr alle uns helfen sollt ihn zu erreichen!”

Aus den Tiefen der Wasser erscholl so etwas wie ein erschreckter Aufschrei erklang von dort und so schnell wie sie gekommen waren, zogen sich die Wellen auch wieder zurück.

Ungläubig sahen unsere Helden dem Schauspiel, das sich ihren Augen bot, zu.

Werbad hat dies alles vollbracht. Ich bin mir noch nicht sicher wie er das gemacht hat, denn wir können nicht stets miteinander reden. Doch bin ich guter Hoffnung, dass er mir beim nächsten Kontakt mehr sagen kann als bisher.” Nach diesen Worten fiel er erschöpft nieder, und war schon eingeschlafen, ehe er den Boden erreichte.

Die Gefährten nahmen ihn vorsichtig hoch, trugen ihn zu seiner Schlafstelle und deckten ihn zu.

Hoffentlich ging das gerade nicht über sein Kräfte,” bemerkte Tan. “Wäre echt schlimm, wenn ihm etwas passieren würde, er ist doch ein wichtiger Teil unserer Expedition geworden!”

Lasst ihn erst einmal sich etwas erholen, und dann werden wir sicher mehr wissen.” Dargo schüttelte sich und sah sich um. “Wobei auch mich die Neugier plagt. Gerne würde ich mehr über Werbad erfahren, nur um zu wissen wie weit wir ihm trauen können.”

Anar indessen wand sich hin und her, und schien wirre oder ängstliche Träume zu haben.

Nachdem sie dann das Nachtlager vorbereitet und, ohne Appetit, ihr Mahl verzehrt hatten, saßen sie noch längere Zeit schweigend um das Feuer herum. Ein jeder hing seinen Gedanken nach. Doch keiner wollte reden, und so beschlossen sie dann, kurz vor Mitternacht, sich hin zu legen um neue Kraft für die nächste Etappe zu schöpfen.

Wer weiß schon, was uns in den nächsten Tagen noch erwartet,” zwitscherte Lytia, “ Wir werden sicher unsere Kräfte noch benötigen. Ich wünsche allen eine gute Nacht.”

XI

Was ist das denn nun?

Noch ehe die Sonne aufging, waren alle schon wieder auf den Beinen. Alle, außer Wismut. Der lag noch immer in tiefem Schlummer versunken und bewegungslos auf seinem Lager.

Anar hatte sich etwas erholt und saß schon wieder vor ihren Fläschchen und Tiegeln und rieb sich selbst die, nun entzündeten, Wunden mit einem übelriechenden Extrakt ein. Anschließend umwickelte sie die befallenen Stellen mit Baumrinde und strich Harz darüber. Auch um Wismut kümmerte sie sich noch indem sie seinen Atem roch und ihm kleine feuchte Tücher auf die Stirn legte. Sie legte ihre Stirn in Falten, kräuselte die Nase und murmelte unverständliches vor sich hin. Mit fahrenden Bewegungen stand sie auf und eilte zu ihrem Packen um dort geschäftig das Unterste nach Oben zu kehren. Während der ganzen Zeit hörte sie nicht auf vor sich hin zu murmeln und ab und zu, nach einem kurzen Blick auf eine Flasche oder ein Kräuterbüschel, den Kopf zu schütteln und weiter zu suchen.

Es schien ihr Ewigkeiten zu dauern ehe sie das Passende gefunden zu haben schien. Schnellen Schrittes ging sie wieder zu ihrem kleinen Patienten, der nun langsam unruhig zu werden begann. Immer wieder schlug er mit seinen Armen um sich, wie um sich gegen etwas unsichtbares zu verteidigen. Er strampelte mit den Beinen und stieß dabei schrille Laute aus. Anar sah mit angst erfüllten Blicken auf den Jungen. “Schnell, bringt Wasser zum sieden. Und dann bringt mir ein Stück von dem roten Moos, wie es unten am Wasser wächst.” Mit flinken Fingern schnitt sie etwas von einem Kräuterbusch ab. Sie versuchte mit Wismut zu reden, doch jener gab kein Zeichen, dass er sie hörte, sondern begann nun auch noch in wilden Flüchen zu sprechen und sein Gesicht verzerrte sich zu eine furchteinflössenden Maske.

Eilt Euch,” rief sie in die Runde, “wenn nicht alles sehr schnell geht, dann sehe ich schwarz für seine reine und weiße Seele.” Heftig gestikulierend beschwörte sie in unheimlichen Worten die Feen und Geister der Wälder.

Elèef gru,mwinu laktu da siranes ita do`ch hremno dostira. Jukulu seti nackoo,” intonierte sie in einem Singsang der an ein Kinderlied erinnerte. “Schnell, bringt mir das Moos, und dann holt mir noch von dem Trunk den ich Gestern gebraut habe. Er wird dem Kleinen helfen seinen Gast unter Kontrolle zu halten.”

Zu Lytia gewandt meinte sie, ”Flieg´ Du doch bitte mal in die Bäume und suche nach kleinen rot-grünen Käfern die lange Zangen am Kopf haben. Sie werden den Trank in die Adern von Wismut bringen.” Als sie einen fünf zackigen Stern aus Steinen auf den Boden gelegt hatte, bat sie Tan den Kleinen in die Mitte zu legen:”Lege ihn so, dass sein Kopf nach Mittag zeigt, und lege bitte seine Arme und Beine über Kreuz,” bat sie den Holzfäller. Sodann zog sie mit einem roten Pulver noch einen großen Kreis, um danach noch eine schwarz-weiße Kerze zu entzünden. Sofort roch es wie nach altem, vermoderten Holz, dazu kam ein Geruch von verfaulendem Fleisch und Fisch. Die umstehenden mussten einen Würgereiz unterdrücken, so intensiv war der Gestank.

Das kann ich Euch leider nicht ersparen,” sagte die alte Anar, “und dazu muss ich Euch nun noch bitten einen Kreis um Wismut zu bilden.”

Keiner wagte auch nur in Gedanken ihrem Befehl nicht zu folgen. So stellten sie sich alle dicht an den beinahe leblosen Kinderkörper, nur um von Anar wieder ein Stück zurück gestellt zu werden.

Als sie nun alle darauf warteten was weiterhin geschehen würde, begann die Alte sich um den roten Pulverkreis in hastigen Schritten zu bewegen. Dabei murmelte sie wieder unverständliche Sprüche.

Dargo,” bat sie den alten Drachen, “nun brauche ich noch die Kraft Deines Feuers. Sonst kann ich die dunklen Mächte, die hier zur Zeit walten, nicht im Zaum halten. Sie sind mächtig und wollen Wismut unter ihre Kontrolle bringen!”

Dargo erhob sich in die Lüfte und spie einen langen Strahl seines magischen Feuers durch den Abendhimmel. Sofort wurde die Flamme der Kerze rot glühend und strahlte gleich darauf nur noch schwarzes Licht aus. Es schien als würde außer Dargos Feuer alles andere Licht von diesem angezogen und verschluckt. “Weiter Dargo,” scholl es von unten “stärker, das Feuer muss stärker werden wenn es seinen Sinn erfüllen soll!”

Dieser folgte dem Wunsch sofort und aus seinen Nüstern quollen, neben dem Rauch, noch zwei weitere Flammen hervor. Diese beiden neuen verbanden sich in einigem Abstand mit jener die aus Dargos Mund hervor schoss. Im gleichen Moment als die Verbindung der drei Flammen stattfand, begann der Stern aus Steinen auch schon zu glühen. Im Gegensatz zu der Kerze, leuchtete dieser jedoch in einem hellen Orange. Wismuts Körper begann leicht zu schweben und aus seinem Mund kam ein leises, aber durchdringendes Pfeifen, das man sicher noch in einiger Entfernung hören konnte.

Anar´s Schritte wurden immer schneller und wilder. “Mehr, wir brauchen mehr Feuer. Und ihr müsst Euch nun an den Händen halten, und entgegengesetzt gehen.” Ihre Worte wurden immer unverständlicher während sie sprach ——– bis sie endlich gar nicht mehr zu verstehen waren.

Lass ab Du alte Hexe,” tönte es aus dem jungen Mund des Beschwörten, “mein Diener wird diesen Körper nie mehr verlassen können wenn ihr nicht sofort mit diesem Unsinn aufhört. So wird er denn auch auf Immer und Ewig, genau wie sein Gast, unter meinem Befehl stehen und Ihr werdet Euer Ziel niemals erreichen!”

Antwortet ihm nicht,” schrie Anar wie von Sinnen, “denn solange er keine Antwort erhält, kann er seine Macht nicht auf uns ausdehnen. Keine Angst er kann Wismut nicht ohne unsere Hilfe unter seine Knute zwingen.”

Hört nicht auf die Alte, die kennt die Größe meiner Macht noch lange nicht. Und wenn sie erst erkennt, wie sehr sie sich geirrt hat, wird es für Euch alle zu spät sein.”

Ein Heulen und Schreien ertönte aus dem verzerrten Mund des Jungen, welcher sich nun begann im Kreise zu drehen.

Gut so, das ist gut so,” rief Anar, ein ums andere Mal. “Solange er sich dreht haben wir noch genug Zeit, unseren Ritus zu beenden.”

Am Himmel schossen noch immer Dargos Flammen aus seinem Rachen und den Nüstern. Sie erhellten den Nachthimmel, an dem nun kein Stern mehr zu sehen war.

Derweil drehte sich Wismuts Körper immer schneller und hob sich noch ein weiteres Stück in die Höhe.

Ein Knall zerriss die Nacht. Die schwarz-weiße Kerze begann in einem unheimlichen Tempo zu schmelzen, die Steine, welchen den fünf zackigen Stern bildeten, begannen zu dampfen und zu qualmen und versanken langsam im Erdreich. An ihrer Stelle erschienen nun Pilz ähnliche Pflanzen, welche durch lange Tentakeln verbunden waren und dem Stern eine andere Erscheinung gaben.

Aus den Fünf Zacken wurden auf einmal Zehn, und an den Schnittpunkten schoben sich grüne Stängel mit seltsam anmutenden Blüten aus dem Boden.

Wismut bewegte sich nun langsam wieder auf den Mittelpunkt herab, blieb aber etwa eine Handbreit darüber in der Luft stehen. Seine Drehungen wurden langsamer. Aus seinen Augen kam etwas wie Nebel hervor und er sprach, wieder mit seiner eigenen Stimme:”Gleich haben wir es geschafft. Nur noch kurze Zeit und Werbad wird frei sein!”

Anar´s Schritte wurden ebenfalls langsamer und ihr Gesicht zeigte nun deutliche Spuren der Erschöpfung. Auch in den Bewegungen der anderen Gefährten konnte man nun erkennen, wie anstrengend die letzten Minuten gewesen sein mussten. Lytja konnte schon einige Zeit nicht mehr an dem Reigen, den sie ausführten, teilhaben, sie lag auf dem Boden auf einer der Blüten die erst kürzlich gesprossen waren aus welchen nun eine harmonische Melodie erklang, die beruhigend und entspannend auf alle Anwesenden wirkte.

Dargo pustete weiterhin Feuer mit all seiner Kraft. Anar sah zu ihm auf, und konnte nun erkennen, dass sie auch wieder das Licht der Sterne wahrnehmen konnte. Doch noch durfte sie nicht aufhören mit ihrer Kräfte verzehrenden Beschwörung. Die Gefahr war noch nicht zur Gänze gebannt. Erst wenn sich Wismuts Begleiter wieder ganz in eine Ecke seines Geistes zurück gezogen haben würde, könnte sie sicher sein, dass beiden, Werbad und dem kleinen Helden, eine sichere Zukunft bevorstehenden würde.

Unter Wismut öffnete sich nun das Erdreich und es schoben sich weitere Pflanzen hervor, von der gleichen Art wie sie an den Schnittpunkten des Sternes erschienen waren. Nun konnte man auch von dieser Stelle aus die beruhigende Melodie hören. Langsam, wie von tausend Flügeln gestützt, senkte sich der kleine Körper auf die Blütenkelche nieder. Im selben Augenblick, als sich die Blüten und der Körper berührten, zerstoben die bunten Blätterkelche und setzten ein funkelndes Feuerwerk an Farben und Formen frei. Der menschliche Körper stellte sich senkrecht und stand alsbald mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Wismut öffnete seine Augen und in diesem Moment löste sich die Anspannung der ganzen Gruppe! Mit einem Aufschrei sank Anar nun nieder, flüsterte noch einige Worte und schlief sofort ein.

Auch den anderen Mitgliedern der Gruppe erging es nicht anders. Sie sanken nach und nach alle nieder und fielen in tiefen Schlaf. Sonderbarer Weise geschah dies auch mit Dargo, der ja sonst gegen magische Kräfte gefeit war. Er sank in kleiner werdenden Kreisen nach unten und als er den Boden berührte war er schon eingeschlafen.

Wismut war das einzige Wesen, welches nicht von diesem tiefen Schlafe erfasst worden war. Auch sein geistiger Gast war nicht davon betroffen. Er meldete sich bei seinem Wirt und teilte ihm mit, dass es nun an der Zeit wäre einen neuen Wirt zu suchen. Einen den er übernehmen würde um die Reisegruppe noch besser mit Rat und Tat unterstützen zu können. „Am besten werde ich in eines der Wesen schlüpfen welches in den Bäumen hier haust. Sie sind groß genug, dass ich niemandem mehr zur Last fallen muss, und agil genug, dass ich mich ohne Hilfe fortbewegen kann.“ Nach diesen, lautlosen Worten, konnte Wismut etwas in seinem Geist fühlen, das sich wie ein leichter Kopfschmerz für ihn anfühlte. Kurz darauf konnte er ein pelziges, kleines Etwas ausmachen, das sich aus dem nahen Wäldchen näherte. Es war etwa so lang wie der Arm eines Mannes, besaß zwei Arme und zwei Beine. Sein Pelz hatte die Farben des Waldes, grün und braun, und auch etwas grau war dabei. Aus dem niedlichen Gesichtchen stachen zwei schelmisch drein blickende Augen hervor. Unter der spitz zulaufenden Nase saßen mehrere Schnurrhaare, und aus dem Maul standen an den Ecken vier gefährlich aussehende Fangzähne hervor. Mit behenden Bewegungen sprang es auf Wismut zu und legte sich auf dessen Füße. Sobald der körperliche Kontakt hergestellt war, wurde Wismuts Kopf von einer nebulösen Aura umhüllt. Diese bündelte sich zu einem engen Strahl welcher dann auf das Tierchen zustrebte und sich, wie es schien, in seinen Kopf bohrte.

Wismut schien im selben Augenblick, ebenso wie seine Gefährten, in einen Zustand der Erschöpfung zu verfallen. Langsam sank er in sich zusammen, rollte sich ein, wie ein Igel zum Winterschlaf, und lies seine Gedanken zu Träumen werden.

XII

Weiter geht’s

Obwohl die ganze Beschwörung nicht viel länger als etwa eine Stunde gedauert hatte, erwachte keiner vor dem nächsten Sonnenaufgang.

Erst als sich die Morgennebel langsam aufgelöst, und die Sonnenstrahlen schon ein ganzes Stück ihres Tagesweges hinter sich gebracht hatten, begann sich im Camp wieder Leben zu regen.

Als erster wurde Dargo wach, der sich wunderte weshalb er überhaupt eingeschlafen war. Er schüttelte seine mit Federn besetzten Schwingen, sah verstört um sich und konnte es nicht fassen. Noch nie in seinem Leben hatte er je Schlaf benötigt. Er musste sich mit der Erfahrung des Schlafes und des anschließenden Erwachens erst einmal auseinander setzen. In seinen Gedanken beschloss er dass er das Nachdenken auf später verschieben würde und sich zu erst um die Mitglieder seiner Reisegruppe zu kümmern. Er schritt auf die ihm am nächsten liegende Person zu um eventuell etwas mehr darüber zu erfahren was geschehen war, als er in seinen Schlaf fiel.

Sanft stupste er Anar mit einer Kralle seines Beines an: “Anar. Kannst Du mich hören?“ fragte er die Weise Frau. „Dann sage etwas, oder bewege wenigstens die Augen. Damit ich weiß, dass Du noch am Leben bist.“

Ja, ich bin noch da,“sagte diese nach einem kurzen Moment, „ich bin noch ganz benommen. Lass mir noch einen kleine Weile bis ich meine Gedanken sortiert habe. Danach werden wir nach den anderen sehen.“ Sie streckte und dehnte sich , um sich dann, etwas unbeholfen auf einem Stein abgestützt, wieder auf die Beine zu ziehen. Zu Lytja gehend, murmelte sie wieder einmal unverständlich vor sich hin. Bei dieser angekommen, nahm sie das kleine Wesen auf ihre Handfläche, hauchte sie an und legte sie sodann auf ein kleines Moospolster. Dort sprach sie weiter in ihrem, nur ihr verständlichen, Singsang und lies sie dann dort alleine weiter ruhen.

Dargo,“ rief sie dem alten Drachen zu,“komm doch bitte mal hierher und helfe mir die anderen auf ihre Decken zu legen. Alleine bin ich dazu nicht im Stande.“ Schon machte sie sich an Wismut zu schaffen, hörte nach seinem Herzschlag und strich ihm dabei über seine schweißnasse Stirn. Noch überlegte sie ihn zu seiner Decke zu tragen, als auch Tan anfing sich zu bewegen. „Oha, was war denn das?“ fragte er in die Runde.

Als auch noch Berin Anzeichen zeigte, dass er endgültig wieder am Leben teilnehmen würde, wurde die Laune Dargos sichtlich besser. Mit einem:“ Ich werde mich mal umsehen.“ erhob er sich in die Lüfte.

Um Wismut werde ich mich kümmern,“ sagte Anar zu niemand bestimmten, „seht nach, dass die Lasttiere beladen werden. Und sammelt so viele von den Blüten ein wie ihr unterbringen könnt.“

Ohne eine weitere Erklärung begab sie sich zu dem kleinen Körper, bettete ihn auf die Seite und sorgte auch dafür dass das kleine Pelzwesen bequem liegen würde.

Tan,“ ließ sich die Stimme Berins vernehmen,“ komm doch mal hier rüber. Einer der Esel ist unter einem Baum verklemmt. Der muss sich in dem Tohuwabohu losgerissen haben und ist dann hier stecken geblieben.“ Schimpfend und murrend zerrte er an einigen Ästen, was nur dazu führte, dass noch mehr Äste sich ineinander verhakten. „Verflixt noch mal,“ rief er laut aus,“ ich weiß schon weshalb ich kein Holzfäller geworden bin sondern Köhler. Das verflixte Holz taugt wirklich nur um zu Kohle verarbeitet zu werden. Tan wo bleibst Du? Das arme Tier verletzt sich nur immer mehr wenn wir es nicht bald aus diesem Wirrwarr befreien können.“

Bin schon da,“ knurrte dieser,“halt mal das.“ Er reichte dem Köhler eine kleine Axt, und hieb mit seiner großen auf die Kreuz und quer liegenden Hölzer ein. Bei jedem Schlag flogen die heraus gehauenen Späne in alle Richtungen davon. Schon nach fünf Hieben konnten die beiden einige der Äste forträumen, und nach einem weiteren war das Tier befreit. Sofort begab es sich wieder zu den anderen Tieren und schien sich zu freuen dass es sich nun wieder frei bewegen konnte.

Auch Lytja kam nun wieder zu sich und begann langsam ihre schimmernden Flügelchen zu bewegen. Mit ihrem Stimmchen gab sie einige Laute von sich. Und schwupps, war sie wie ehedem. Heftig flatternd und quietschend vor Lebenslust, war sie bald hier bald dort zu sehen und als sie erkannte, dass Wismut sich bewegte, rief sie mit ihrem quietsche Stimmchen:“Schnell, schnell. Er wacht auf! Nun macht schon und kommt her.“ Aufgeregt huschte sie hin und her.

Gähnend und sich langsam streckend begann Wismut sich in die Wirklichkeit zurück zu finden. Er sah sich in der Runde um, so als ob er sich nicht sicher wäre, wo er sich befindet. „Oh, was war das denn? Was ist mit Werbad geschehen? Es kommt mir vor als würde etwas in mir fehlen!“

Anar nahm ihn in die Arme, strich ihm über den Kopf und erzählte ihm was in der letzten Nacht geschehen war. „Aber mache Dir keine Sorgen, Werbad ist nun im Körper eines Nachtmars geschlüpft und wird dort bleiben bis wir einen Weg gefunden haben, ihn aus den Klauen Minfs zu retten.“

Eine leichte Benommenheit lies die Reisenden noch einige Stunden an die vergangene Beschwörung denken. Viel geredet wurde an diesem Tage nicht, während ihres Marsches. Dargo machte eine Zeitlang den Späher aus den Höhen der Lüfte. Lytia flog nur kurze Wegstücke voraus und kam immer öfters zur Gruppe zurück als es sonst ihre Art gewesen wäre.

Berin ging mit dem Nachtmaar, welcher nun Werbad als Gast in seinem Geiste trug, an der Spitze, und Tan hatte seine schärfste Axt geschultert und ging am Ende.

Die Lasttiere trotteten langsam neben Anar und Wismut in der Mitte, als von Oben plötzlich einige bunt schimmernden Falter auf sie hinunter zu fallen schienen. Wirklich fassen konnte keiner die Umrisse der Falter, dazu waren sie viel zu schnell. Sie tanzten um die Köpfe jedes einzelnen und dann und wann funkelten sie wie ein Feuerwerk.

In so manchem Kopf gingen vorsichtige und auch manchmal auch ängstliche Gedanken vor sich.

Die vielen Falter begleiteten sie den ganzen Tag über, jedoch geschah einfach gar nix. Keiner stolperte oder verletzte sich, jedoch geschah auch weiter sonst nichts.

Als etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang Dargo von seiner Erkundung in den Wolken wieder zu ihnen stieß, traf er alle in einem, zwar leicht erschöpften, aber dennoch aufgeräumten Zustand an.

Sie schlugen ihr Lager auf und ein jeder kümmerte sich um seine Aufgaben.

Die Falter sammelten sich in der Nähe der Lasttiere und schienen sich auch auf ihre Nachtruhe vor zu bereiten.

Lytia beobachtete die bunt schillernden Tiere eine Zeitlang, und begab sich dann zu Berin, welcher ja in der Lage war mit Tieren zu reden. „Hallo, Kohlemacher, hast Du auch schon mal versucht mit Schmetterlingen zu reden?“ fragte sie diesen.

Wenn ich ehrlich bin muss ich das verneinen,“ sagte dieser, „jedoch kann ich es einmal versuchen. Meinst Du es hat vielleicht einen Grund weshalb wir von ihnen besucht werden?“

Lytia flirrte auf den Köhler zu, und wurde sichtlich aufgeregter: „Das könnten wir doch heraus finden,“ sagte sie zum ihm, und tat so als wolle sie ihn in die Richtung der Lasttiere und Falter schieben!

Ist ja gut, ich gehe ja schon rüber, Du alte Nervensäge.“ Lachte Berin, „Ich werde mal sehen was ich machen kann.“

Bei den Tieren angekommen, gab er verschiedene Laute von sich, ohne das er etwas bei den Faltern erkennen konnte.

So versuchte er fast eine halbe Stunde mit den Faltern zu kommunizieren. Jedoch ohne Ergebnis. Als er schon aufgeben wollte und sich anschickte zur Feuerstelle zurück zu gehen, sah er aus den Augenwinkeln etwas, was ihn davon überzeugte, sich die Falter näher an zusehen.

Die Schmetterlinge stiegen auf und sammelten sich in einer großen Wolke über dem größten Esel. Dort schwebten sie einige Augenblicke und senkten herab, sodass dieser nun vollkommen von ihnen bedeckt war. Kaum war dies geschehen, leuchteten sie noch stärker als zuvor. Berin begann schon so etwas wie Furcht zu fühlen, als sich die Falter schon wieder erhoben und Buchstaben in der Luft bildeten!

Hab keine Angst, stand dort. Wir werden Euch nur ein Stück Eures Weges begleiten, so werdet Ihr auch in der Dunkelheit nicht ohne Licht sein.

Verwirrt starrte Berin auf die leuchtenden Buchstaben und rief seine Begleiter zu sich.

Das müsst ihr sehen,“ rief er. „Kommt schnell her.“

Die Freunde beeilten sich zu ihm zu gelangen und blieben wie erstarrt stehen als sie sahen was sich ereignete.

Wartet alle hier,“ sagte Anar, „ich werde mal näher heran gehen um heraus zu finden was hier geschieht.“ Mit diesen Worten ging sie auf die Leuchterscheinung zu, nicht ohne vorher eine Beschwörung gemurmelt zu haben.

Wir sind die Geister des Waldes, den ihr gerade durchquert, schrieben die Falter nun in die Nacht. Dieser Teil Eures Weges wird sicher sein, denn nichts böses kann hier eindringen. Die Gründe dafür können wir Euch nicht offenbaren, jedoch seid ihr hier sicher. Wir werden Euch nichts tun, außer, dass wir Eure Lasttiere mit unserem Leuchtstaub bedecken werden, welchen ihr jeden Morgen von ihnen abbürsten müsst um ihn dann in verschiedenen Behältern aufbewahren könnt.

Alle staunten ob der wunderlichen Dinge die sie hier sahen. Wismut jedoch schien sich nicht zu wundern, er ging zu den Wesen und streckte seine kleine Hand in die Wolke der Buchstaben, und sogleich setzten sich die Falter auf seinen kleinen Körper welcher darauf schimmerte als ob er aus Gold bestünde.

Es sah aus als ob Wismut mit den Wesen eine Unterhaltung führen würde,und nach einigen Minuten schwebte die Wolke der Wesen wieder auf den Esel und Wismut begann zu reden. „Habt keine Angst, die guten Geister planen wirklich nichts böses. Sie werden uns nur begleiten und freuen sich an unserer Gesellschaft. Während wir ruhen, werden sie über uns wachen und uns an der Grenze ihres Gebietes wieder verlassen.“

Die Gefährten fingen nun wieder an ihre Habseligkeiten zu packen und schickten sich an ihren Weg fort zu setzen.

Einige Stunden nach ihrem Aufbruch rasteten sie, und es schien als ob die Welt um sie herum nur aus Zufriedenheit und Ruhe bestehen würde. Alle fühlten sich als ob es nichts um sie herum geben könnte das ihre Aufgabe erschweren würde.

XIII

Züleyah

In den Wäldern, weit im Süden, lebten sein Äonen die Feen der Blüten und Früchte. Seit sich das erste Leben auf Erden das erste Mal geregt hatte, waren sie nun schon an diesem Ort.

Weder Zeit noch Raum konnte sie je von einander trennen, dachten sie jedenfalls.

Da sie Wesen aus unendlichen Sphären waren, mussten sie weder essen noch trinken, also bestanden ihre Tage aus Spielen, Gesängen und jeder Menge Vergnügen. Ab und an besonnen sie sich darauf dass sie sich um die Pflanzen kümmerten, damit diese Blüten trieben und sich daraus Samen und Früchte bilden konnten.

Eines Tages jedoch erschien ein seltsames Wesen an diesem wundervollen Ort. Es tauchte einfach auf und niemand konnte sagen woher es kam oder wie es ihm möglich gewesen war an diesen verwunschenen Platz zu gelangen. Denn es war, außer den Feen, keinem Lebewesen gestattet hier zu sein. Dabei war es nicht ausschlaggebend ob das Wesen magisch oder sterblich war. Das Konzil erlaubte nur den Feen hier zu sein, damit diese nicht in ihrem freundlichen Wesen je gestört werden würden. Das würde die Aufgaben der Feen nämlich durcheinander bringen und das Blühen und Reifen der Pflanzen käme sicherlich aus seinem Gleichgewicht.

An jenem Tage also war es, dass ein anderes Wesen als die Feen an diesem Ort war. Es hatte nichts böses im Sinne und doch störte schon allein seine Anwesenheit die Ruhe diesen Ortes.

Züleyah war mit einigen anderen ihrer Art in ein lustiges Spiel vertieft, als plötzlich etwas ihre Gedanken durch einander brachte. Sie konnte sich nicht mehr auf das Spiel konzentrieren und wusste auch nicht mehr, was sie hier eigentlich machte.

Ein graues Etwas schob sich in ihren Verstand und es war ihr auf einmal, als ob sie eine ungewollte Reise beginnen würde. Es wurde ihr schummerig — alles drehte sich um sie — in ihrem Innern fühlte sich alles an als ob sie sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen würde — dann ein plötzlicher Stopp.

Züleyah stolperte einige Schritte und stieß sich an einem Baum, welcher in ihrem Wege stand.

Noch hatte sie das gerade geschehene noch nicht wirklich realisiert, sie schüttelte ihren Kopf und versuchte alles zu verstehen. Als sie sich setzen wollte, fiel ihr auf, dass sie nicht mehr in ihrem lichten Eichen- und Buchenwald war. Nein sie fand sich in einem dunklen Nadelwald wieder.

Noch nie hatte sie solche Bäume je wirklich gesehen, denn ihr eigene Kraft konnte nur wirksam werden, wenn sie den lichten Himmel sehen konnte.

Sie konnte lange nicht wirklich verstehen was mit ihr geschehen war. Manchmal kam es ihr vor als ob sie in einem Traum wäre und nicht erwachen konnte.

Dann wieder war ihr alles fast schon wieder zu real. Die unbekannten Düfte von Tannen, die seltsamen Strahlen, die das Tageslicht durch die dunklen Äste sandte. Dann war da noch der Boden über den sie schritt. Er fühlte sich irgendwie weich und nachgiebig an, und doch spürte sie bei jedem Schritt kleine Stiche, wie von Nadeln in den Fußsohlen.

Sie ging vorsichtig weiter, und beinahe war es schön in diesem Wald. Wäre da nicht dieses Gefühl gewesen, beobachtet zu werden. Erkennen konnte sie nichts und niemand. Auch verlor sie das Gefühl nicht, obwohl es nicht bedrohlich erschien. Nein, im Gegenteil, fast war es als ob etwas sie beschützen wollte.

Sie fühlte sich sicher hier.

Da, war da nicht ein Geräusch?!

Schnell drehte sie sich um, und sah…………

nichts.

Da habe ich mir wohl was eingebildet.“ sagte sie laut zu sich selber. Als sie den Klang ihrer eigenen Stimme hörte, erschrak sie. So hatte sie sich noch nie gehört. Laut und durchdringend kam es ihr vor. Was war das für ein seltsamer Ort?! Wie kam sie hier her???? Was war denn nur geschehen?? Als sie versuchte sich zu erinnern, kamen einige Bilder in ihren Gedanken auf. Bilder die sie aus der anderen Welt mit genommen hatte. Sie konnte sehen wie ihre Feen-Schwestern sich im Reigen bewegten und sangen. Niemand vermisste sie bis jetzt. Deutlich konnte sie die Stimmen und die Lieder hören. Da wurde es ihr auf einmal bewusst: Das was sie sah waren keine Erinnerungen, sondern kamen direkt aus ihrer Welt.

Helft mir,“ schrie sie aus Leibeskräften, „hier bin ich! Reicht mir Eure Hände und holt mich hier weg!“ Lange rief sie, ehe sie erkennen musste, dass sie von niemandem in der anderen Welt gehört wurde.

Nach einiger Zeit lehnte sie sich schluchzend an einen Baumstamm. Langsam rutschte sie daran herunter,bis sie schließlich ganz auf dem weichen Boden angekommen war. Sie zog die Beine an, schlang die Arme darum und legte den Kopf darauf.

Leise weinend fiel sie in einen leichten Schlummer, der Traumlos aber nicht erholsam war.

Sie wusste nicht wie lange sie geruht hatte als sie die Augen wieder aufschlug. Doch es musste lange gewesen sein, denn es war unangenehm als sie versuchte auf zu stehen. Es fiel ihr schwer zu stehen. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen um nicht zu stürzen. Ein ihr völlig unbekanntes Rumoren in ihrem Inneren machte ihr Sorgen. Noch nie hatte sie so etwas gespürt. Doch aus den Geschichten die sie von anderen gehört hatte wusste sie, dass das Gefühl, welches sie verspürte, Hunger genannt wurde. Doch sie hatte es noch niemals an sich selbst bemerkt. Feen ernähren sich doch sonst von Blütenstaub und Sonnenlicht.

Doch woher sollte sie hier Blütenstaub nehmen, und das wenige Licht, welches durch die dichten Äste drang, war gerade mal genug, damit sie etwas weiter gehen konnte.

Auch hatte sie noch immer das Gefühl, als ob sie beobachtet werden würde.

Da sie niemals außerhalb ihres, beschützten, Reiches gewesen war, konnte sie nicht Einordnen wie sie dieses Gefühl werten sollte. Sie spürte nichts was sie als Bedrohung interpretieren konnte, eher schon wie eine Art Schutz und Trost.

So ging sie einfach weiter und beschloss sich vorerst nicht weiter darum zu kümmern. Die Sonne zog ihre Bahn und Züleyah vergaß die Zeit . Erst als es kühler wurde, fiel ihr auf, dass der Tag sich nun seinem Ende zuneigen würde und sie fragte sich, wo sie wohl Unterschlupf finden könnte für die bevor stehende Nacht.

Sich an einen Baum lehnend fing sie an nach zu denken, da bemerkte sie am Rande ihrer Wahrnehmung eine flüchtige Bewegung. Schnell versuchte sie zu erkennen was dort war, doch als sie ihren Kopf bewegte kam es ihr schon wieder vor, als ob sie sich das alles nur eingebildet habe.

Die Umgebung näher zu betrachten und nach etwas wie einem Unterschlupf zu suchen würde wohl das nahe liegenste sein. Sie ging nun langsamer und sah sich jeden Baum näher an. Vielleicht war ja unter den Wurzeln eines der hohen Bäume Platz, um die nahende Nacht darunter zu verbringen.

Als sie sich einem der dunklen Nadelbäume näherte, vermeinte sie so etwas wie einen Lichtschimmer zu sehen. Sie ging noch näher heran um genauer zu erkennen, was das Licht wohl beleuchten würde. Ein Schritt, noch ein Schritt und einen weiteren, ging sie auf das Leuchten zu. Aus den Augenwinkeln vermeinte sie wieder einen Schatten zu erkennen. Doch diesmal blieb es nicht nur ein Schatten. Der Schemen verschwand nicht als sie ihm ihr Gesicht zu gewendet hatte. Nein, die Umrisse wurden schärfer und ließen eine kleine Gestalt erkennen. Diese winkte nun mit einem Arm und schritt etwas näher an Züleyah heran. Die Fee sorgte sich nicht im Geringsten, über das was nun geschehen würde, als eine leise Stimme erklang. Erst noch unverständlich, doch nach und nach dann deutlicher. Die Gestalt wurde größer und doch wurde das Licht, welches sie ausstrahlte nicht wesentlich heller. Auch Züleyah ging nun einige Schritte auf das Wesen zu, bis sie nur noch etwa drei Armlängen voneinander entfernt waren. Das leuchtende Etwas blieb stehen und lies nun Gesichtszüge erkennen. Aus der Nähe war das Wesen gar nicht so sehr klein wie es den Anschein hatte. Annähernd so groß wie die Verlorene-Fee, stand es dort und lächelte Züleyah an. „Komm näher,“ sagte die Gestalt, „habe keine Angst, hier im Forst wird Dir kein Leid geschehen, denn wir Wurzelgnome wissen, weshalb Du hier her gebracht wurdest. Auf Dich wartet eine große und schwere Aufgabe, doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Wir werden Dir einiges erzählen müssen, damit Du verstehst weshalb Du hier bist.“

Der Gnom schritt näher an Züleyah heran, nahm ihre Hand in seine und ging in Richtung eines sehr großen und umfangreichen Baum zu. Dort angekommen, klopfte das Männchen an die Borke und, mit Knarren und Knirschen, öffnete sich direkt vor ihm eine Art Tür.

Das Männchen ging hin durch und winkte der Fee dass sie mit kommen solle.

Wunderliches empfing sie dort. Das Licht schien direkt aus dem Holz des Baumes zu kommen. An langen Tafeln saßen noch viele von den Gnomen. Alle sahen sie ähnlich aus, doch der, welcher sie hier her geführt hatte, schien etwas besonderes zu sein. Denn kaum dass die anderen Gnome seiner Anwesenheit bewusst wurden, verstummte das leise Gemurmel. Sie erhoben sich und drehten sich in die Richtung der Neuankömmlinge. Einige verneigten sich vor ihnen und boten ihre eigenen Sitzplätze an. Vorsichtig wurde Züleyah auf einem der zerbrechlich wirkenden Stühlchen platziert. Auf dem Tische vor ihr konnte sie Gläser und Teller erkennen. Von den Speisen auf den langen Platten kannte sie keine. Da sie jedoch sehr hungrig war, nahm sie eine der Kannen und goß sie etwas davon in ein, vor ihr stehendes Glas. „Das kannst Du ruhig trinken,“ sagte ihr Begleiter, „es ist Nektar von ganz besonderen Früchten. Er wird Dich stärken und genug Gelassenheit geben, damit Du erst einmal etwas schlafen kannst.“ Der Trank schmeckte gut und so nahm Züleyah sich noch etwas davon.

Sie sah sich noch weiter in dem Raum um, der ihr viel größer erschien als er von Aussen gesehen hätte sein drüfen.

Wundere Dich nicht, kleine Fee. Du bist im Reich zwischen den Zeiten angekommen. Wir wissen, dass Du eine Aufgabe zu erfüllen hast. Doch davon werden wir Dir Morgen mehr erzählen. Nun werde ich Dir Deinen Schlafplatz zeigen, damit Du erholt auf Deine Reise gehen kannst.“ Der Sprecher nahm ihre Hand und führte sie bis zum Ende des Saales, der ihr nun noch viel größer erschien als noch gerade eben.

Hier, in dieser Kammer findest Du alles was Du benötigst. Solltest Du doch noch etwas vermissen, ziehe an diesem Band und einer von uns wird sofort erscheinen um Deine Wünsche zu erfüllen.“ Er verneigte sich vor ihr mit einem Kratzfuß und verließ, rückwärts gehend, die Kammer.

Obwohl sie nun sehr verwirrt war, legte sie sich auf das Bett und schlief schon im nächsten Augenblick ein.

XIV

Züleyah erfährt Neues

Züleyah erwachte als ein Sonnenstrahl ihre Nase kitzelte. Sie reckte und dehnte sich und fand erst langsam wieder in die Wirklichkeit zurück. Ein angenehmer Duft schwebte durch den Raum, süß und verführerisch. Langsam kam sie in die Wirklichkeit zurück und wurde sich bewusst, wo sie nun war.

Die Gedanken zur Seite schiebend, stand sie auf wusch ihr Gesicht und kleidete sich an. Sie wollte nun wissen was sie hier her gebracht hatte und welche Aufgabe auf sie warten würde.

Als sie das Zimmer verließ kam sofort ihr Begleiter des letzten Abend auf sie zu. „Guten Morgen. Ich hoffe dass Du gut geschlafen hast,“ sagte dieser zu ihr. „Lass uns etwas essen und ich werde Dir erzählen was nun auf Dich warten wird.“ Sie setzte sich nieder und wahr überrascht was alles auf dem Tisch stand. Früchte und jede Menge Flüßigkeiten in verschiedenen Farben lagen dort. Hungrig griff sie zu und sah ihren Begleiter heraus fordernd an.

Mein Name ist Answald. Ich bin der Geist der Wälder und erscheine Jedem in einer anderen Gestalt. Du bist hier im Großen Baum, in dem wir leben und er immer war, ist und sein wird. Sicher hast Du Dich schon gefragt, weshalb Du hier bist. Die Geschichte ist gar nicht so einfach, doch werde ich versuchen es Dir, so gut ich es eben kann, zu erklären. Alles Leben hängt von einem Gleichgewicht der Kräfte des Guten und des Bösen ab. Zur Zeit besteht die Gefahr, dass dieses Gleichgewicht zerstört werden könnte. Es ist schon eine Gruppe unterwegs welche aus verschiedenen Wesen, magischen und sterblichen, besteht. Du sollst diese Gruppe suchen, finden und Dich ihr anschließen. Als Fee hast Du einige Gaben die zur Erfüllung ihrer Aufgabe beitragen können.“

Er ließ seine Worte auf Züleyah wirken ehe er weiter sprach.“ Wir werden Dir den Weg zeigen, und dann musst Du einen Weg finden müssen um das Vertrauen der Mitglieder zu gewinnen.“ Die junge Fee konnte mit den Worten des Waldgeistes nicht wirklich etwas anfangen. Sie konnte einfach nicht verstehen, was er gemeint hatte. Was konnte sie schon tun um dem Bösen Einhalt zu gebieten? „Mache Dir erst einmal keine Gedanken darüber,“ sagte Answald zu ihr, „Wir werden Dir den Weg zeigen, den Du gehen musst. Doch zurück in Deine Welt wirst Du erst wieder können, wenn Deine Aufgabe erfüllt ist.“

Er erzählte ihr von den Geschehnissen, die er erfahren hatte, blinzelte ab und  zu und hoffte, dass er Züleyah nicht zu sehr beunruhigte.
Als Answald am Ende angelangt war, musste Züleyah sich erst einmal alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen, was ihr der Waldgeist erzählt hatte. Sie saß eine ganze Zeitlang still um sich klar zu werden, was er von ihr gefordert hatte. 
Noch hatte sie keine Ahnung was das genau sein würde, doch wenn das Schicksal und das Konzil es so beschlossen hatten, dann wollte sie sich in das Abenteuer stürzen. „Gut, mein lieber Answald,“ sagte sie, „was muss ich denn nun machen um meiner Bestimmung nach zu kommen?“ Nicht viel,“ antwortete dieser, „Du wirst Deine Aufgaben erst auf dem Weg erkennen und dann sehen, was Du tun kannst. Wir werden Dich noch ein Stück des Weges begleiten und Dich auch mit Nahrung und einigen Tränken ausstatten.“ Answald stand auf, rief einigen der herumstehenden etwas zu, winkte und verschwand. 
Züleyah sah sich um. Als sie schon auf die Tür zu gehen wollte, kam ein kleines Männchen auf sie zu, zupfte sie am Ärmel ihres Kleides und begann mit ihr zu reden: „ Komm kleine Fee, ich werde Dich begleiten und Dir den Weg zeigen.“ Er nahm sie bei der Hand und zog sie einfach mit sich. Draußen konnte sie ein großes Einhorn sehen, welches mit Säcken und Kürbissen beladen war. Dies ist Aaltje, das bedeutet von edlem Wesen, sie wird Dich begleiten solange Du sie brauchst. Du kannst auf ihr reiten und sie wird Dich dorthin tragen, wo Du Deine Aufgabe finden wirst. Steig auf und komm mir nach.“ Zu ihrer Verwunderung, lief das Männchen mit einer Geschwindigkeit vor ihr her, dass es schon nach wenigen Momenten ihren Blicken entschwunden war. Aaltje stieg vorne hoch und schon stob sie mit ihrer kleinen Reiterin in einem schnellen Galopp durch den Wald! Nach wenigen Augenblicken war Züleyah schon nicht mehr imstande fest zu stellen, wo sie sich befand, oder wo der große Baum sein könnte. Seltsamer weise machte sich aber keine Angst in ihr breit. Schon eher würde sie sagen, dass so etwas wie Euphorie in ihr aufkommen wollte. Aaltje wurde noch schneller, und schon bald konnte Züleyah keine festen Umrisse ihrer Umgebung erkennen. Alles huschte an ihr vorüber, nur noch Schatten flogen an ihr vorbei. Lange schon konnte sie schon nicht mehr sagen, woher sie gekommen waren. Auch die Zeit war ihrer Wahrnehmung entglitten. Sie bemerkte erst als die Sonne unterging, wie lange sie schon mit dem Einhorn unterwegs war. Aaltje verlangsamte das Tempo. Und als sie dann endlich nur noch im Schritt ging, konnte Züleyah auch ihren Führer wieder sehen. Er lehnte an einem Baum und winkte zu ihnen hinüber.
„Da seid Ihr ja endlich,“sagte er, „ich stehe mir hier schon die Beine in den Bauch. Hast ganz schön lange gebraucht, Aaltje.“ „Nun gib mal nicht so an, Falk," entgegnete diese dem kleinen Mann. „Ich musste den Umweg um den See nehmen, da ich ja noch jemand getragen habe.“ 
Die Stimme des Einhorns war für Züleyah eine große Überraschung. Nie hätte sie gedacht, dass Aaltje sprechen würde können. Obwohl..........sie war irgendwie im Zauberwald gelandet, von welchem sie andere Feen hatte sprechen hören. Trotzdem hatte sie nie daran geglaubt, dass es diesen geheimnisvollen Wald wirklich geben könnte. Als sie ihre erste Überraschung überwunden hatte, gelang es ihr auch mal etwas zu sagen:“Wo sind wir und wie geht das alles nun weiter?“ fragte sie das Männchen. „Nun musst Du absteigen und Aaltje führen,“sagte Falk, „geht immer nur weiter in Richtung Sonnenuntergang, und Ihr werdet bald sehen was auf Euch zukommen wird.“ Der kleine Mann drehte sich um und wollte schon weg gehen, als ihm Aaltje noch eine Frage zurief: „Halt,“rief sie, „auch ich habe keine Ahnung was die Aufgabe der Fee sein soll! Wie soll ich ihr helfen wenn ich nicht weiß wobei?“
„Das wird die Zeit Euch zeigen.“ Sprachs und verschwand, schneller als ein Gedanke fliegt.


XV
Man trifft sich






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