Tolles Erlebnis

©by Fridolin Wirbelwind

Als ich mich der 1980er Jahre in Frankreich und England herum getrieben habe, geschah mir mal folgendes. Bitte nehmt Euch Zeit und lest es nicht nur so nebenbei.

Als ich in Paris war, ausnahmsweise war ich mal alleine unterwegs, traf ich auf einen Mann, der mich fragte, ob ich nicht mal das Königreich besuchen möchte. Nach einigen Nachfragen stellte sich heraus, dass er kein Zeuge Jehovas war, sondern ein Professor für englische Geschichte.

Da nun alles klar war, nahm ich die Einladung natürlich gerne an. Ein Vagabund lernt ja gerne mal auch etwas neues.

OK, als wir dann in seinem Haus ankamen, in einem Vorort von London, lud er mich ein, solange zu bleiben wie ich möchte.

Leider konnte ich mich an die Lebensart, welche er pflegte, als Rumtreiber nicht wirklich gut gewöhnen. Wir sprachen viel über den Unterschied, der zwischen den „Kontinentalen“ und den Inselbewohnern bestand. Wir philosophierten bei Brandy und Wein über Gott und die Welt.

Nach nicht einmal 4 Tagen sagte ich dann Bescheid, dass ich mehr sehen muss, mein Fernweh ist eben eine chronische Krankheit.

Also packte ich meinen Seesack und lies mich von dem Herren an eine gut befahrene Strasse bringen. Zum Abschied gab es noch etwas Geld und einige Lebensmittel, und den Tipp, dass ich mich doch nach Norden zu den Schotten begeben solle.

Ich musste auch nicht lange an der Strasse stehen um einen Lift zu bekommen.

Der Fahrer erzählte mir, dass er nach dem Krieg in Deutschland stationier gewesen war und darum auch etwas deutsch sprechen kann, das war eine typisch britische Untertreibung.

Nach etwa 4 Stunden Fahrt musste mein Lift die Richtung ändern und liess mich an einer gut befahrenen Kreuzung raus. Er meinte noch, dass er sicher wäre, dass ich bald eine Weiterfahrt bekommen würde.

Wer schon einmal in Schottland war, wird sicher wissen was nun auf mich zukam.

Also nach mehr als zwei Stunden, und etwa drei Autos, entschloss ich mich, zu Fuß weiter zu gehen.

So langsam kam die Dämmerung und da ich nicht direkt an der Hauptstrasse campen wollte, entschloss ich mich, dass ich einen Nebenweg nehmen würde, um mein Zelt aufzuschlagen.

War alles auch ok, bis zum nächsten Morgen.

Eigentlich bin ich ja ein Frühaufsteher, doch an diesem Tag schlief ich etwas länger.

Aufgewacht bin ich, weil ich auf einmal von Hundegebell und vielen Stimmen geweckt wurde.

Also machte ich den Reißverschluß vom Zelt auf und da stand eine ganze Menge von jungen Menschen vor mir.

Mittendrin drei Hunde, welche mich anbellten und immer um das Zelt sprangen.

Als dann ein älterer Herr auf mich zukam und mich ansprach, klärte sich dann die Sache auf.

Ich hatte mein Zelt auf dem Gelände für behinderte Menschen aufgebaut. Die meisten dieser Menschen litten unter dem Down-Syndrom, und/oder waren psychisch erkrankt. Der Betreuer und ich versuchten uns, so gut es ging, und mit meine wenigen englisch und seinem, nichtvorhandenen, deutsch zu verständigen.

Die Damen und Herren luden mich zum Frühstück ein, das nicht wirklich meines war. Aber die Freundlichkeit, mit der ich bewirtet wurde, unbescheiblich. Die Damen und Herren, waren so lieb, dass ich Heute noch eine Gänsehaut bekomme, wenn ich daran denke.

Wenn man voreingenommen ist, gegen behinderte Menschen, dann wird man sich belästigt fühlen, von so viel Liebe und Freundschaft.Ich lebte 10 Tage auf dem Grundstück dieser Einrichtung, und ich muss sagen, es war schön. Die Bewohner dieser Einrichtung kamen jeden Morgen zu mir, an mein Zelt, mit Kaffee, Brötchen und Marmelade, weil ihr Betreuer ihnen sagte, dass wir auf dem Kontinent anders frühstücken. Es gab auch einen Tag, da weckten die mich mit Hausmusik, sie spielten deutsche Lieder, auch wenn ich kein Freund der Volksmusik bin, hat mich das sehr berührt.

Es war nicht was sie für Musik machten, sondern weil diese Menschen die Musik für unsere Freundschaft machten.

Es tat mir beinahe körperlich weh, als ich diesen lieben Menschen sagen musste, dass ich weiter muss.

Da sagte mir einer der Patienten einen ganz tollen Satz:

Friend, we’re all are proud to call you as a friend. Fare well, and stay the way you are. Come back if you need a friend.“

3 Kommentare zu „Tolles Erlebnis

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