Zelten 1976

©by Fridolin Wirbelwind

Diesmal möchte ich Euch von einer Begebenheit erzählen, welche auch schon viele Jahre her ist.

Ja, auch ich war einmal ein Jüngling mit lockigem Haar.

Damals hatte ich gerade meinen Führerschein gemacht und mein erstes Auto gekauft, einen VW 1200 BJ 1960, in dunkelblau.

Ok, aber nun zum Kern der Geschichte.

Zu dieser Zeit traf sich die ganze Clique meist am Baggersee. Oh man, was war ich damals noch aktiv.

Also da ich damals der einzige war, der ein eigenes Fahrzeug besaß, war ich auch automatisch fast immer der Fahrer für einen Teil der ganzen Leute.

Aber egal, es machte ja Spaß mit dieser alten Kiste über Feldwege zu brettern, auch bei Nacht.

Eines schönen Tages, wir waren über Nacht am See geblieben, und gingen erst schlafen, als die Sonne schon wieder ihre ersten Strahlen über den Himmel in Richtung Morgen schickte, als wir etwas hörten, hörte sich an, wie ein Streit zwischen Frauen. Klar mit gerade mal 18 Jahren macht einen das sehr neugierig, also raus aus den Schlafsäcken und nachsehen was wohl los ist.

Kaum um die Ecke des Ufers, hinter dem kleinen Birkenwäldchen saßen dort zwei süße Mädels. Die schimpften in französisch. Da keiner von uns diese Sprache halbwegs beherrschte, wussten wir nicht was wir nun machen sollten. Da fasste die Regina sich ein Herz und ging zu den Mädchen rüber. Wir anderen standen einfach so rum und warteten was nun wohl passieren würde.

Nach einigen Minuten winkten uns alle drei Mädchen zu, dass wir zu ihnen kommen sollten.

Regina erklärte uns dass die Mädchen deutsch sprechen und sie ein Problem haben würden.

Lange Rede, kurzer Sinn, Esther und Florence waren mit dem Bruder von Esther nach Deutschland gefahren und er hatte sie nun hier sitzen lassen.

Tja, es gab wirklich Zeiten da waren Handys noch nicht erfunden.

OK, wir Jungs waren total hin und weg von den beiden Mädels.

Also luden wir sie ein, sich es bei uns gemütlich zu machen. Es gab genug Platz sowie Essen und Trinken.

Natürlich dachten keiner mehr daran zu schlafen. Es wurde ein toller Tag, und erst der Abend! Oh lala.

Esther war sehr klein, sie ging mir nur bis gerade mal zum Kinn, hatte dunkelbraune, kurze Haare, einen Mund den man einfach nur küssen wollte und Augen so blau wie der Ozean, und mindestens genau so tief.

Florence dagegen war etwas größer mit langen, hellbraunen Haaren und fast schwarzen Augen.

Wir Jungs machten uns natürlich, wie in diesem Alter üblich, zum Narren, und unsere Mädels aus der Gruppe waren schon so langsam sauer.

Da setzte sich Esther zu mir, ich war auch der einzige Kerl, der keine Freundin hatte, und wir fingen an zu reden. Obwohl ihr Deutsch besser war als mein Französisch, mussten wir sehr oft mit Händen und Füßen erklären was wir meinten und das brachte uns beide sehr oft zum Lachen.

Als die Sonne dann so langsam unterging, und wir das Lagerfeuer wieder anfachten, holte Esther dann eine Decke, setzte sich zu mir auf meinen Baumstamm und deckte unserer beider Beine damit zu.

Dabei warf sie mir einen Blick zu, mit dem sie sicher die Arktis hätte auftauen können. Horst fuhr schnell mit dem Mofa zu sich und holte seine Gitarre und noch ein paar Flaschen Wein.

Florence flirtete derweil mit Arndt, ein großer Kerl, fast 190cm und Fußballspieler in der A-Jugend.

OK, also Horst kommt zurück und Esther fragt ob sie auf der Gitarre mal spielen dürfte.

Der Horst hatte nichts dagegen, da er erst drei Monate lernte und froh war nicht wirklich selber seine zwei Stücke zum Besten geben zu müssen.

Als Esther dann anfing die Gitarre zu stimmen und ein altes französisches Volkslied anzustimmen, wurde mir ganz warm ums Herz.

Sie spielte so ziemlich jedes Lied, das 1976 in den Top-Ten gewesen war.

Dazu konnte sie auch noch super singen, eine Stimme, die mich noch Heute, nach so vielen Jahren, immer an sie erinnern wird.

Nach einiger Zeit bat sie dann die Florence etwas auf der Gitarre zu spielen, und sie war auch bereit, doch kamen bei ihr dann die melancholischen Lieder. Auch sie hatte eine super Stimme, eher etwas tiefer, was dann auch zu den Chansons besser passte.

Als dann beide Mädels anfingen ein Duett zu singen, fiel mir auf, dass an unserem Lagerfeuer viel mehr Menschen waren als eigentlich zu unserer Gruppe gehörten.

Die Sonne war schon lange untergegangen, und aus einer Gitarre und zwei Mädchenstimmen, war so langsam eine Musikgruppe geworden. Von anderen Gruppen kamen noch Leute hinzu, die auch mitsangen oder auch ein Instrument dabei hatten.

Mitternacht war schon lange vorbei, und es dämmerte schon beinahe wieder als ich mich mit Esther in den Schlafsack begab.

Als wir dann wieder erwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Wir sprangen in den See, spielten herum, so wie es Teenager eben tun, freuten uns am Leben und dachten nicht an Morgen.

Nach dem Frühstück, so gegen 14 Uhr, kam dann Florence auf uns zu und frage Esther etwas auf französisch.

Diese übersetzte mir, dass sie nun, da ihr Bruder nicht aufgetaucht war, sie nun zu einer Polizeistation muss, um zu fragen, ob er einen Unfall hatte.

Ganz klar, dass ich mich erbot die beiden dorthin zu fahren.

Als wir uns dann fertig gemacht hatten, fuhren wir los, ich hatte ja Urlaub, und konnte dann am nächsten Tag ausschlafen, so dachte ich jedenfalls.

Also fuhr ich die beiden in die nächste Stadt, damit sie in Erfahrung bringen konnten ob Esther’s Bruder vielleicht einen Unfall gehabt habe.

Zum Glück konnten die Beamten erklären, dass kein solcher Unfall gemeldet worden war.

Auch durften die beiden Mädels vom Revier aus bei ihren Eltern anrufen und erfuhren, dass Marcel nicht mehr gewusst habe wo er sie wieder finden könnte.

Also so weit alles ok.

Da aber Marcel auch das Geld der beiden dabei hatte, war nun die Frage, wie sie zurück nach Bois-Colombes kommen sollten.

Klar, da sah ich meine Chance, ich bot mich an die beiden in meinem alten VW nach Hause zu fahren. Sah ich doch die Möglichkeit so noch ein oder zwei Tage mit Esther zusammen sein zu können.

Um die Geschichte nun etwas kürzer zu machen, denn was auf der Fahrt alles geschah ist ja schon wieder eine andere Geschichte, ich brachte die beiden nach Hause, wir fuhren drei Tage und ich war noch zwei Tage bei den Eltern von Esther eingeladen.

Auch nach all diesen Jahren, denke ich noch immer sehr gerne an dieses Abenteuer zurück. Nicht falsch verstehen, nicht die Frau war das Abenteuer, das was uns beiden passierte, das und nichts anderes war ein Abenteuer.

Leider haben wir uns nie wieder gesehen, doch wenn ich an Sommerabenden manchmal zum Himmel sehe, dann denke ich an diese Frau.

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