Kommt Heute der Gevatter Tod

©by Fridolin Wirbelwind

Egal wann der alte Herr mich holen kommt, dann möcht‘ ich mich noch einmal setzen und ihn bitten, dass ich zum Abschied noch einmal die Menschen, die mein Leben begleitet haben, sehen darf. Kein Wort muss ich mit ihnen reden, will nur sehen was aus ihnen geworden ist.

Nicht sträuben würd‘ ich mich, hat‘ ich doch ein sehr erfülltes Leben.

Mein Dasein war ein Abenteuer, viel hab‘ ich gesehen und auch erleben dürfen.

Da waren ferne Länder, fremde Menschen, gute und auch böse Leute, sehr schwere und auch schöne Zeiten. Hoch bin ich einstmals gestiegen und danach auch tief gefallen.

Fand Freunde und auch viele Neider, bekam Lob und Tadel.

Mal schien die Sonne, mal fiel Regen. War oft allein, doch niemals einsam.

Habe stets versucht ein guter Mensch zu sein. Auch wenn es so nicht immer klappte.

Sollt‘ meine Zeit gekommen sein, so werde ich nicht mit dem Schicksal hadern.

Was ich erlebt, das würd‘ doch füllen so manch weit’re Seite in dem großen Buch des Lebens.

Auch wenn die Liebe nicht mein bester Begleiter war, ich kann einst sagen: Mein Leben das war lebenswert.

Erinner‘ ich mich an so manchen Tag, dann kommt’s mir vor als wäre ich doch für einige Menschen ein Lehrer gewesen.

Für mich gab’s nicht nur schwarz oder weiß, die Welt ist bunt mir stets erschienen.

Oft nur unter Sternen schlafen, dort wo Trauer und Einsamkeit sich trafen.

Geschichten erzählen, einem Menschen dem es noch viel schlechter ging.

Ich sag‘ Euch auch, dass ich an keinen Gott mehr glaube, doch wenn Ihr glaubt, dann möge Euer Glaube Euch die Kräfte spenden die mir das Schicksal stets gewährt.

Am Ende meines Lebens, werde ich nicht viel besitzen, doch was ich habe, ehre ich.

Ein Herz, das stets gefüllt, mit bunten Träumen, offen war für andere.

Zwei Augen, die oft Dinge sahen, die wundervoll und herrlich waren.

Zehn Finger, an den beiden Händen, die meist machten was sie sollten.

An den Beinen sind die Füße, die mich trugen Meilenweit.

Die Ohren, die Natur gern hörten und das zu jeder Jahreszeit.

Meine Haut, die Sonne, Wind und Regen liebte.

Gern spürte ich, an meiner Seite, das Atmen einer lieben Frau;

Oder den Herzschlag eines Kindes, das ich in meinen Armen hielt.

Da waren Tiere ohne Ende, die mit auf einem Teil des Weges gingen.

Dann war der Sonnenaufgang, irgendwo am blauen Meer. Ganz allein, doch ohne Trauer, sah ich das Leben dann erwachen.

Das Schicksal schenkte mir die Gabe, dass ich zwar alleine aber niemals einsam sein musste.

Es gab Tage voll mit Hunger, Wochen ohne liebes Wort.

Doch was mir einmal fehlte, bekam ich dann an anderem Ort.

Ich durfte auch mein Wissen teilen, nicht nur was in der Schul‘ ich lernte, auch was ich selber habe erlesen fand sehr oft ein off’nes Ohr.

Es gab Gespräche voll mit Tiefsinn, andere waren einfach Plauderei.

Ein offenes Ohr für andere durfte ich auch mein Eigen nennen.

Das Schicksal hat es nicht immer gut mit mir gemeint, doch konnte ich aus allem eine Lehre ziehen.

Darum werde ich nicht streiten und gerne mit dem Herren dann gehen.

Ich sage dann zu allen Leuten: Lebt wohl und macht das Beste draus, denn aus diesem schönen Leben kommt doch keiner lebend raus.

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