Ein Tag in Pennsylvania

by Fridolin Wirbelwind

Nun bin ich einige Zeit in Pennsylvania, USA. Da ich beim ersten Besuch ja nur ein Besucher-Visum hatte und zwischenzeitlich zurück in Deutschland war, kenne ich mich ja schon etwas aus. Da meine Frau ja meist Nachtschichten in der ICU macht, und die Kids mir einen Crash-Kurs in american-english verpasst hatten, kann ich mich nun schon sehr gut verständigen und auch mal alleine einkaufen gehen. Auch ein Besuch in der Bar gegenüber ist kein Hindernis mehr, da ich den Gesprächen gut folgen kann. Auch sind die Leute, in dem kleinen Ort sehr freundlich und nehmen mich gerne auf, in ihre Runde.

Zwar habe ich eine Arbeitserlaubnis, aber nach 9/11 wurden einige Vorschriften geändert und ich habe noch keinen Führerschein bekommen. Papierkrieg eben, wie eine Frau bei der Einwanderungsbehörde sagte, haben die Amis auch viel von den Preußen übernommen, besonders viel was den Papiertiger füttert.

Aber egal, meine Frau hat eine neue Stelle angenommen und wir sind umgezogen, etwa 40 Meilen weiter, in einen Ort, der meist von russisch-orthodoxen besiedelt wurde, rund um das Jahr 1880 rum.

Wir haben dort ein schönes Haus gefunden, mit einem riesigen Vorgarten, den wir mit zwei anderen Häusern teilen.

Schon am ersten Tag kommen die Nachbarn um uns ihre Hilfe anzubieten, ein tolles Gefühl.

Am Montag stehen dann drei Pick-Ups vor dem Grundstück mit Leuten die mich in die Sportsbar einladen. Widerspruch wird nicht geduldet, und da die Kinder bei ihrem Vater sind, meine Frau eine lange Nachtschicht schieben muss, gehe ich einfach mal mit.

Kaum an der Bar, steht schon ein deutsches Bier vor mir, einer der Helfer hat mich schon angekündigt und ich werde mit lautem Hallo empfangen.

Was ich als sehr schön empfinde, keiner versucht mich mit Babysprache anzusprechen. Klar sind einige Worte für mich noch nicht wirklich zu verstehen, aber das ist ja bei Platt auch nicht anders. Sobald einer bemerkt, dass ich etwas nicht verstehe, wird versucht mir das zu erklären. Mir wird auch Baseball, erklärt, etwas dass ich bis Heute nicht wirklich verstehe.

Nach dem Spiel werde ich vieles gefragt, einiges hat mich dann schon verwundert. Nebenbei versucht mir ein schwer angetrunkener zu erklären, dass gerne in das Land seiner Großeltern zurück gehen würde, auch wenn er gar kein deutsch mehr sprechen kann.

Tatsächlich sind hier einige Leute, welche noch einige Worte deutsch sprechen können und so wird es ein lehrreicher und lustiger Abend.

Was mir persönlich sehr gut gefällt, ist das Vertrauen das hier jeder zu jedem hat. Man kommt in die Bar, legt das Geld auf den Tresen, das man ausgeben möchte, und wenn ein neues Bier kommt, wird sofort bezahlt und das Rückgeld an den Platz gelegt.

Wir spielen einige Runden Pool und werfen so einige Darts.

Gegen Mitternacht sagt die Wirtin, dass sie noch eine Runde ausgibt, zum Feierabend.

Danach fährt mich Pete nach Hause, nicht ohne vorher zu sagen, dass er am nächsten Tag Hilfe brauchen könnte, da er einen neuen Brunnen bohren muss, für das Vieh. Mit etwas viel Allol im Blut sage ich natürlich, dass ich ihm helfen werde, so gut ich kann, aber keine Ahnung habe was er nun von mir erwartet.

Mit einem guten Rausch lege ich mich zur Ruhe.

Um fünf Uhr klingelt mein Wecker, etwas verkatert stehe ich auf, da ich meiner Frau immer ein gutes Essen serviere, wenn sie von der Nachtschicht kommt, ehe sie sich dann hinlegt.

Als ich ihr erzähle was am letzten Abend geschehen ist, freut sie sich für mich und meint, dass das genau richtig war, dass ich zugesagt habe, denn in America helfen sich die Leute immer.

Meine Frau geht schlafen, ich dusche und räume die Küche auf. Dabei läuft natürlich der Fernseher mit Untertiteln. Bei den Nachrichten habe ich ab und zu noch einige Probleme, aber mit den Untertiteln kann ich auch denen gut folgen.

Gegen 8 Uhr kommt dann der Pete an, als er auf unser Haus zugeht, grinst er süffisant, denkt wahrscheinlich, dass ich so einen dicken Kopf habe, dass ich nicht mehr weiß was ich versprochen habe.

Als er gerade anklopfen möchte, mache ich die Tür auf und bitte ihn herein.

Da meint er, dass wir nicht viel Zeit haben, da der Brunnenbohrer schon in einer Stunde ankommen würde und wir etwa 30 Minuten fahren müssen, da wir noch einen weiteren Freund abholen sollen.

Okay, also Jacke an, Stiefel mitnehmen und rein in den uralten Pickup-Truck. Was mich wundert ist, dass der mit einer Gangschaltung gefahren wird. In America können ja meist nur Soldaten ein Fahrzeug mit Gangschaltung fahren.

Also kommen wir nach einiger Zeit auf dem Feld an, der Bohrkran steht schon und ich werde dazu eingeteilt dass ich aufpassen soll, dass sich die Kabel nicht verknoten.

Nach etwa sechs Stunden kommt endlich Wasser aus dem Bohrloch und Pete beendet unseren Einsatz. Er bezahlt den Fachmann und bringt uns Helfer wieder nach Hause, nicht ohne uns vorher für den Abend wieder in die Sportsbar einzuladen.

Dort ist dann abends einfach alles so wie immer, ausser dass Pete schon Pitcher vorbestellt hat.

Ein toller Abend ist das. Leider sehe ich meine Frau nur kurz. Als ich vom Brunnenbohren heimkomme, macht sie sich schon wieder fertig für die Arbeit und muss ein Doppelschicht schieben.

Es gibt noch viel mehr aus meiner Zeit in America zu erzählen, wollt Ihr wirklich mehr davon lesen?

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