Winter in der Eifel

©by Fridolin Wirbelwind

Vor einer Stunde hatte ich mein Frühstück. Nun bereite ich mich auf einen längeren Spaziergang vor. Es ist November und seit Gestern schneit es. Die Welt sieht aus, als wäre sie mit Puderzucker bestreut. An den Butzenscheiben sammeln sich Schneeflocken in den Rahmenecken.

Von meinem Fenster aus kann ich den Wald sehen, wild-romantisch sehen die Bäume aus. Am Waldrand kann ich ein Rudel Rehe sehen. Noch schnell die Kerzen löschen, die Hundeleine vom Haken nehmen, die Mütze aufsetzen und wir können los.

Kaum ist die Haustür auf, sprintet mein Vierbeiner los, schnüffelt und hebt sein Beinchen. Es ist der erste Winter, den mein Kumpel erlebt. Schon Gestern hat er sich, voller Wonne, im Schnee gewälzt. Warum ich immer die Leine mitnehme, das ist ein Geheimnis, da Balto kein braucht. Aber wer weiß schon wem wir vielleicht begegnen.

Als der Kerl die Rehe sieht, setzt er sich hin und wartet ob ich ihm erlaube so weit vor zu rennen. „Langsam,“ sage ich zu ihm und er vergisst sofort die Tiere, mit denen er sich im Sommer immer Rennen liefert.

Aber da er ein guter Kerl ist, macht er nichts, was ich nicht gut finde.

Nach etwa 20 Minuten kann ich einen anderen Mann mit Hund erkennen, aber sie sind noch zu weit entfernt, als dass ich erkennen könnte, wer mir da entgegen kommt. Mein Dicker springt durch die Felder, gerade so als ob ihm die ganze Welt gehören würde. Er schnüffelt durch den Schnee und hüpft herum als wäre er ein Känguruh.

Nun kann ich erkennen, wer da auf uns zukommt, es ist der Jagdpächter, und ich sehe wie er seinem Hund zuwinkt, also hat er uns auch erkannt.

Er kennt uns sehr gut, und mein Balto und seine Linda spielen häufig zusammen. Wir winken uns zu und die Hunde beginnen ihre Hatz, mal wird Balto gejagt, mal die Linda. Man kann ihnen ansehen wie sehr sie es geniessen, sich miteinander austoben zu können.

Als Hermann und ich uns dann endlich auch begegnen, sind die beiden Hunde mitten auf dem verschneiten Feld und jagen sich, voller Inbrunst.

Hermann und ich tauschen Floskeln aus und dann macht er seinen Rucksack auf und bietet mir einen Glühwein an. Er erzählt mir, dass er diesen Winter wohl etwas mehr zufüttern muss, für die Wildtiere und fragt mich, so ganz nebenbei, ob ich ihm nicht dabei helfen würde, da sein Sohn ja nun in Koblenz studiert. Sicher sage ich zu, da ich ja zur Zeit selbstständig bin und meine Zeit selber einteilen kann.

Die Hunde kommen, nass, verdreckt aber glücklich zu uns und sind total begeistert, dass Hermann ihnen ein paar Leckerlie anbietet.

Da wir fast nebeneinander wohnen, gehen wir den Weg nach Hause zusammen.

Als uns Hermann’s Frau ankommen sieht, ruft sie schon von weitem, dass Balto und ich zum Mittagessen eingeladen sind, das macht Esther oft, seit ich getrennt von meiner Frau lebe.

Im Haus angekommen, rubbele ich meinen Kumpel trocken, und gehe dann in die Küche, aus der es schon verführerisch duftet.

Esther meint, dass es noch etwas dauern kann bis es Mittag gibt, und überredet mich von ihren Keksen zu testen, dazu gibt es wieder Glühwein.

Da Hermann ja der Jagdpächter ist, und seine Arbeit sehr ernst nimmt, hat er im letzten Frühjahr einen Kolkraben, der aus dem Nest gefallen war und einen gebrochenen Flügel hatte, aufgenommen und ihn gepflegt. Der sitzt nun immer im Garten vor oder hinter dem Haus, und darf auch ab und zu mal rein. Balto und Linda kratzen an der Hintertür bis Esther den schwarzen Vogel hereinlässt.

Kaum ist er in der Küche, fängt er an zu quasseln, NEIN, keine Worte, er krächzt und hüpft auf die Hunde zu, die diese Aufforderung zum Spiel sofort annehmen.

Einen Namen hat der Vogel nicht, aber irgendwie gehört zu dem Haushalt, und führt sich auch so auf.

Die drei Tiere beschäftigen sich miteinander und wir sehen ihnen zu. Wie die spielen, das lässt einem das Herz aufgehen.

Wir Menschen essen Kekse, trinken Glühwein und so langsam zweifle ich daran, dass ich später noch Hunger haben könnte.

So vergeht die Zeit, wir reden über Gott und die Welt, sind nicht immer einer Meinung, und finden, nach dem dritten Liter Glühwein, die Lösung für alle Probleme der Welt.

Ja, auch Heute gibt es noch solche Menschen, die einen einfach, oder gerade deswegen, mögen, weil man nicht jedem anderen nach dem Mund redet.

Hermann lebt schon einige Jahre nicht mehr. Doch was er mir über die Welt erzählt hat, seine eigene, kleine Welt, das möchte ich nicht missen.

Er und seine Esther, die nun auch nicht mehr lebt, das waren Freunde, wie ich sie jedem von Euch auch gönne.

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