Achtung vor den Obdachlosen

© By Fridolin Wirbelwind

Er sitzt, wie schon so oft, abends an seinem Lagerfeuer. Nur sein Straßenkumpel, ein streunender Hund, ist bei ihm.

Vor einigen Monaten hat er alles verloren, zuerst die Frau, danach die Arbeit und seine Wohnung. Nun lebt er auf der Straße. Bei Tag und Nacht und auch bei jedem Wetter.

Da er von den Ämtern ja stets nur den Tagessatz erhält, bleibt ihm nichts übrig als sich täglich an eine Ecke zu setzen um zu betteln. Nur ganz wenige Menschen bleiben Mal stehen und fragen wie er denn in so eine Situation gekommen ist.

In ein Wohnheim will er nicht, da dürfte er seinen Kumpel nicht mitnehmen. So leben die zwei von dem, was unsere Überflußgesellschaft wegwirft, oder ihm gönnerhaft, hinwirft.

Die beiden Vagabunden werden von vielen gar nicht erst wahrgenommen, oder oft mit Schimpfworten verunglimpft.

Dass er einmal ein Ingenieur gewesen ist, das sieht man ihm nicht mehr an. Auch wenn er versucht sich zu pflegen, wer auf der Straße lebt, hat nicht immer die Möglichkeit dazu.

Auch fehlt ihm oft die Energie um in die Kleiderkammern zu gehen.

Es gibt wenige Menschen, die freiwillig in die Obdachlosigkeit abdrifften.

Der Mann wird wahrscheinlich nie wieder wirklich auf die Beine kommen, aus welchen Gründen auch immer. Aber als Menschen die in einem der reichsten Länder der Welt leben sollte es doch möglich sein, dass wir solchen Menschen auch unsere Aufmerksamkeit schenken.

Niemand kann einem Menschen weiter als bis vor die Stirn sehen.

Ich wette, dass jeder von uns einmal im Monat zwischen 1. und 5 Euro über hat, um so einem Menschen zu helfen.

Nun höre ich schon wieder einige Leute sagen, dass ja keiner ohne Wohnung sein muss. Aber haben sich diese Leute schon einmal in einem Wohnheim umgesehen? Dort trifft man auch Leute, die nicht ehrlich sind, die klauen, manchmal um sich am nächsten Tag genug Alk kaufen zu können, andere weil diese armen Menschen tolle Opfer sind, weil ihnen eh fast niemand glaubt.

Darum waren mir Menschen, die ihr Leben auf der Straße verbrachten und verbringen, meist lieber als jene die in Wohnheimen, und von da aus in Sozial-Ghettos leben.

Wer auf der Straße lebt, der lebt von seinem ehrlichen Namen und hat Respekt vor dem Leben.

Also überlegt Euch doch ob ihr nicht den freiwilligen Helfern für Obdachlose beistehen wollt. Ein Gutschein für 10€ kann viel helfen.

Und noch eins; wenn Ihr einen Wohnsitzlosen seht, geht nicht an ihm vorbei, ohne ihn wahrzunehmen. Wenn Eure Kinder fragen was der alte Mann dort macht, dann ermuntert sie, zu diesem alten Mann zu gehen und ihm Fragen zu stellen.

Niemand bekommt etwas geschenkt, aber wen Fortuna vergisst, der hat es eben nicht leicht.

Euer Fridolin Wirbelwind.

4 Kommentare zu „Achtung vor den Obdachlosen

  1. Ich selber wäre 2003 nach dem plötzlichen Tod meiner Frau (mit 41) auf der Straße gelandet. Habe den (sehr gut dotierten) Job verloren, mein Sohn (damals 19) hat sich um mich (und ich mich nicht um Ihn) gekümmert. Ich hatte jeglichen Halt verloren. Mein Sohn hat mir dann ein weiteres Mal geholfen, in dem Er die Bürgschaft für einen Kredit übernommen hat, damit ich überhaupt meine Wohnung behalten konnte. Habe mich dann wieder hoch gekrabbelt, in dem ich eine Job in ner Putzkolonne für 6,15€/Std angenommen habe. Nach und nach ging es wieder aufwärts. Jedoch wäre es nur ein klein wenig anders gelaufen, säße ich heute wohl auf der Straße.. (Danke, Felix, mein Sohn)

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  2. Niemand kann sich davon freisprechen, dass er nicht auch den Boden unter den Füßen verliert, wenn im entscheidenden Moment mitten in einer Lebenskrise Menschen fehlen, die Halt geben. Das wird einem zuteil, man hat es sich nicht verdient. Oder man hat dieses Glück eben nicht. Niemand hat dann das Recht, diesen Menschen zu verurteilen.
    Er ist gestrauchelt, weil niemand ihn hielt. Also reiche man ihm jetzt die Hand!

    Danke für diesen schönen Text! Genau so ist es und genau diese Lebensschicksale begegnen uns auch immer wieder in der Essener Innenstadt, wenn wir uns auf den Weg machen, sie wenigstens mit dem Nötigsten zu versorgen.

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    1. Darum erscheint dieser Text auch in der Straßenzeitung. Da ich ja selber schon in einer ähnlichen Situation gewesen bin, und mit viel Kraft und Hilfe, wieder ein normales Leben führen kann, darum musste ich diesen Text einmal schreiben.

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  3. gottseidank haben meine Eltern immer sehr viel Geld gespendet. Dadurch wurde mir von Klein auf vorgelebt, dass man zusammen helfen muss. Für diese Lektion bin ich unendlich dankbar.

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