Nun sitzt ich da

© By Fridolin Wirbelwind

Ja, nun sitze ich wieder da, an „meiner“ Ecke.

Leider ist das Wetter schon seit vielen Tagen so schlecht, dass ich nicht malen kann. Doch mein Magen will trotzdem was zu tun haben.

Der Rabenvogel, welcher seit einiger Zeit an meiner Seite ist, versorgt sich ja selber, und er denkt auch mal an mich. Doch Nacktschnecken sind nicht so wirklich mein Geschmack.

Also muss ich mich jeden zweiten Tag an die Ecke setzen und versuchen dass ich Geld bekomme.

An guten Tagen muss ich nur 5-6 Stunden sitzen, um genug Geld für den Tag zu bekommen.

Aber es gibt auch noch bessere Tage, da bekomme ich dann Brötchen, was zu trinken und Tabak.

Ja, es gibt auch Menschen die sich mal zu mir setzen und sich mit mir unterhalten wollen.

Manchmal aus Neugierde, manchmal weil ich sie wirklich als Person interssiere.

Klar ist ja wohl auch, dass ich in diesen ganz schweren Zeiten gerne mal etwas zuviel trinke, aber nur wer selber mal auf der Straße gelebt hat, oder sich mit einem von den Obdachlosen versucht hat zu unterhalten, wird verstehen können, warum das so ist.

Keine Heimat und keine Zukunft zu haben, das ist ein schweres Los.

Darum haben auch fast alle Berber ein Tier bei sich. Einen Freund muss der Mensch haben.

Ich bin ja unterwegs, weil …… , aber das ist egal. Jedenfalls bin ich unterwegs, und auch wenn ich kein gläubiger Mensch bin, wünsche ich allen immer nur das Beste.

Es ist also wieder so ein mistiger Tag. Die Straße ist zu naß um Bilder malen zu können, aus der Bahnhofunterführung wurde ich verwiesen, und so kann ich nur auf die Güte einiger Menschen hoffen.

Nach etwa 2-3 Stunden kommt ein junges Paar vorbei, die Frau trägt noch ihren Brautstrauß.

Sie werfen mir im Vorrübergehen einige Münzen in meinen Hut.

Krabbat ruft etwas, und ich sehe schon den nächsten Menschen in die Augen.

Da drehen sich die beiden um und tuscheln.

Sie sprechen mit den anderen Leuten aus ihrer Festgesellschaft, und gestikulieren.

Dies dauert etwa 5 Minuten, oder so …. das Paar kommt zurück, fragt was ich mache und wirft dann einen Umschlag in meinen Hut.

Sie wünschen mir noch alles Gute, ich ihnen für ihre Ehe auch, und weg sind sie.

Als ich den Umschlag aufmache, sind dort mehrere fünf- und zehn-D-Markscheine drin. Fast 90 DM. Das hilft mir über die nächsten Tage.

Einen Teil von dem Geld stecke ich gleich weg, für den Rest gehe ich zu ALDI und kaufe Bier und Tabak, weil ich mich bei den anderen Obdachlosen bedanken möchte, dass sie mir die letzten Tage geholfen haben.

Ja, meine lieben Leser, so kann es einem gehen, wenn man kein Zuhause hat.

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