Ein Hundeleben

© By Fridolin Wirbelwind

Hallo, mich nennt man meist Drecksköter, ob das ein Name ist weiß ich nicht.

Ich möchte Euch kurz erzählen, was mir so passiert ist.

Ich kam zur Welt als einer von sieben Welpen. Unsere Mama war eine sehr nette Frau, nicht zu klein und nicht sehr groß.

Jedenfalls lebten wir alle zusammen bei einer alten Dame die sich auch sehr bemüht hat. Als wir zum ersten Mal das Haus verlassen haben, da lag überall so weißes Zeug rum, kalt aber lustig, da konnten wir so richtig toben und buddeln. Die alte Dame lachte viel mit uns, und wir durften bei ihr so vieles machen. Nur wenn wir mal mussten und eine Pfütze in der Wohnung hinterließen, dann schimpfte sie kurz und wir gingen alle zusammen in den Garten.

Dann kam der Tag als ein Mann mit seinen Kindern kam, das Mädchen, Josie hieß die, war von Anfang an ganz lieb zu mir und ich freute mich, dass sie mich gerne streichelte, fühlte sich richtig gut an.

Nach einigen weiteren Tagen, kam der Mann alleine zurück und ich wurde in einen Korb gesteckt. Wir fuhren ziemlich lange, bis das Auto anhielt und ich in ein neues Haus mit genommen wurde. Ich vermisste meine Mama und die Geschwister. Also schnüffelte ich überall herum. Der Mann und die Frau zeigten mir wo ich Wasser und Essen finde. Oh das war sehr gut. So etwas hatte ich bis jetzt noch nicht gegessen.

Der Mann nahm mich und steckte mich wieder in den Korb, ich dachte schon, dass ich nun wieder zu der alten Dame und meinen Geschwistern kommen würden, aber das war nicht so.

Der Mann trug mich in dem Korb in ein anderes Zimmer, dort stand ein Baum mit vielen Lichtern und bunten Kugeln. Auf einmal ging das Licht aus, außer an dem Baum, es klingelte und Musik ertönte.

Irgendwie war ich ganz schön aufgeregt, so etwas hatte ich ja noch nicht erlebt. Die Türe ging auf und Kinder kamen herein. Alle umarmten sich und sangen dann miteinander zu der Musik.

Es war sooo langweilig in meinem Korb, also versuchte ich heraus zu springen. War kein guter Gedanke, denn der Korb fiel um und ich purzelte vor die Füsse der Menschen. Man, da erkannte ich dann Josie, das Mädchen welches mich schon einmal so lieb gestreichelt hatte. Die nahm mich sofort in ihre Arme und spielte mit mir. Ach, ich werde richtig melancholisch wenn ich wieder daran denke.

Alle packten dann Kartons aus und warfen das Papier einfach auf den Boden, was für mich bedeutete, dass ich damit auch spielen durfte. Ich kämpfte mit dem Zeugs, warf es um mich und machte es klein. So einiges roch ziemlich unangenehm, so gar nicht wie ein Mensch riechen sollte, also bellte ich diese Papierstücke auch an. Es wurde viel gelacht und als Josie mir ein Stück von ihrem Essen abgeben wollte, durfte sie nicht. Keine Ahnung weshalb. Josie hatte auch einen kleinen Bruder, der hatte etwas ausgepackt, das seltsam aussah und auch roch, aber als er mir das Etwas vor die Nase hielt, bemerkte ich, dass es sehr weich war, so richtig zum Kuscheln.

Nico, so hieß der Junge, legte sich zu mir auf den Boden, nahm das Etwas und mich in seine Arme und wir schliefen ein.

Was die Menschen redeten, konnte ich damals noch nicht verstehen, aber ich konnte sehen wie sie alle sich freuten, also freute ich mich mit.

Der Baum wurde bald entfernt und ich durfte immer öfters auch alleine in den Garten gehen. Dann kam eine Zeit als ich etwas um den Hals bekam und daran war dann ein langes Band, so dass ich nicht mehr überall hingehen konnte wo ich wollte. Das Band kam aber nur an mein Halsband, wenn wir aus dem Haus gingen, war gar nicht so einfach, zu lernen was die Menschen von mir wollten. Besonders wenn uns andere Hunde entgegen kamen, waren die oft sehr vorsichtig und erlaubten nicht, dass ich mit den fremden Hunde spiele.

Bald darauf kam es dann, dass ich mit Josie und ihrer Mama zu einem Hundetreff gehen durfte. Da waren viele andere Hunde, alle sahen anders aus, einige waren groß und lieb, andere klein aber die wollten oft nicht spielen. Dort lernte ich dann, was die Worte: Sitz, komm, Platz ober bleib, bedeuten. War auch gar nicht so schwer, weil die Kinder auch daheim mit mir übten.

Es war eine schöne Zeit. Nico legte jeden Morgen seinen Teddy in meinen Korb und ich passte auf, bis er vom Kindergarten wieder kam. Dann brachte ich ihm seinen Freund und wir legten uns etwas hin, um zu kuscheln und zu schlafen.

Während dieser Zeit musste ich auch zu einem Mann gehen, wo ich viele andere Tiere getroffen habe. Die Josie war auch mit dabei. Dort hob sie mich dann auf einen Tisch, und der fremde Mann redete ganz lieb zu mir, er gab mir auch etwas zu essen, lecker war das.

Dann streichelte er mich, tastete überall an mir herum, sah in meine Augen und Ohren, öffnete meine Schnauze und nickte und meinte dass ich sehr gut gepflegt aussehe. Josie musste mich festhalten, und er gab mir einen Pieks in meinen Po.

War aber alles halb so schlimm, waren doch Josie und ihre Mama mit dabei.

Danach kamen viele schöne Monate, die Kinder wurden in der Zeit meine besten Freunde. Wir gingen auch viel spazieren und ich durfte dann auch mal ohne dieses lange Band gehen. Sobald ein Kind weinte war es vorbei mit meiner Ruhe, da musste ich doch nachsehen was mit denen los ist. Auch habe ich dann immer einen von den großen Menschen geholt um dem Kind zu helfen.

So ist dann ein Jahr vergangen, ich hatte gelernt die Menschen teilweise zu verstehen, und was sie von mir wollten. Josie begleitete ich dann auch ab und an wenn sie zur Schule ging. Ihre Mama fand das gut so, und zeigte mir dann auch wie ich genau gehen muss.

Was war ich glücklich, dass die Mama mir so sehr vertraute. Josie und Nico hatten ihre Zimmer nebeneinander, also habe ich mich mal entschlossen, dass mein Schlafplatz wohl besser dort oben wäre, als im Flur und zerrte mein Bett nach Oben, zwischen die Türen zu den Kinderzimmern.

Der Mann, wollte das eigentlich nicht haben, aber die Mama hat gemeint, solange ich vor den Zimmern schlafe, wäre das doch in Ordnung.

Ach ja, was ich Euch noch sagen möchte, es kam fast jeden Tag ein fremder Mann vorbei, der brachte Papier, klingelte und ging dann wieder. Ich weiß ja, dass eigentlich keine Fremden bis ans Haus dürfen, aber der war so lieb. Auch wenn ich bellte, wurde der nie böse. Er roch nach anderen Hunden und vielen anderen Sachen, die ich nicht mochte. Aber da er niemals laut oder böse wurde, gehörte er für mich bald schon zu den Freunden die kommen dürfen, und ich bellte nur noch um ihn zu begrüssen.

Aber nun zurück zu dem zweiten Jahr mit Baum im Haus.

Schon einige Tage vorher, wurden wir von einer Katze besucht. Die Mama hat mich dann in den Arm genommen und gesagt, dass diese nun auch bei uns leben wird, und sie nur faucht weil sie angst vor mir hat. Ich habe noch immer keine Ahnung weshalb sie meinte, dass ich ihr was antun möchte. Am Anfang hatten wir so unsere Schwierigkeiten miteinander, da wir verschiedene Sprachen hatten und auch sonst anders dachten. Für mich waren die Menschen meine Freunde, für Mikesch waren sie einfach nur Wesen die dafür zu sorgen hatten, dass es ihm gut geht. Egal, wir lernten uns aus dem Weg zu gehen oder auch mal zusammen zu spielen.

Oft kam Mikesch auch zu mir in mein Bett und wir haben zusammen so richtig schön gekuschelt und geschlafen.

Leider hat sich dann so einiges geändert. Der Papa war nun auf einmal jeden Tag daheim, er fing an zu trinken und schlug die Mama und die Kinder. Das konnte ich nicht zulassen und habe mich zuerst vor die Kinder gestellt und dann auch vor die Mama. Da nahm er das lange Band und schlug auch mich. Ich habe das erduldet, denn dann hat er die Familie in Ruhe gelassen. Doch dann kam „der“ Tag. Als Josie nach Hause kam, hat er sie sofort geschlagen und ich musste ihm zeigen, dass er das nicht darf und habe ihn gebissen. Meinen Kindern durfte niemand weh tun. Als er dann noch die Mama mit der Leine schlug hatte ich genug. Grrr. Da kamen fremde Menschen ins Haus und wollten mich einfangen. Josie weinte und sagte, dass ich davon laufen soll. Da tat ich dann auch.

So lief ich davon, im Herzen meine Kinder und drehte wieder um.

Nun sitze ich hier, keine Familie und keine Freunde. Die Menschen kommen vorbei und ich darf nicht mitgehen, weil ich gefährlich bin. Wahrscheinlich werde ich nie mehr aus diesem Gefängnis heraus kommen.

Diese Geschichte ist genau so passiert.

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