Auch ich war mal 10 By Fridolin Wirbelwind

By Fridolin Wirbelwind

Jahrgang 1958, eine besondere Zeit. Deutschland hat sich gerade angeschickt das Wirtschaftswunder zu starten, war dabei einen guten Platz in der Welt zu finden — und ich wurde geboren.

Lauter tolle Dinge.

Für die 68er-Bewegung war ich ja noch etwas zu jung, aber als ich 10 Jahre alt wurde, hatte die Musik und die Einstellung zum Leben auch mich damals schon etwas erwischt. Nein, auch um zu rebellieren war ich noch nicht wirklich reif genug.

Mein Stiefvater war ein sehr tolleranter, aber auch konservativer Sozialdemokrat. Diesen Spagat hat er zwar nicht immer geschafft, aber er hat es wenigstens versucht.

Über meine Mutter rede ich besser nicht!

Auf jeden Fall hat mein Papa mir immer gesagt, dass Vorurteile immer im Kopf beginnen und man es niemals zulassen darf, dass diese Vorurteile unser Denken bestimmen.

Aber das ist wieder Material für eine andere Geschichte.

Gehen wir also in das Jahr 1968.

Mit meinen zehn Jahren war es für mich sehr wichtig, mit meiner „Bande“ auf dem Rad unterwegs zu sein; Baumhäuser zu bauen und meine erste Zigarette zu rauchen (Man, ich war drei Tage krank).

Auf unserer Baustelle, für das Baumhaus, holte ich mir Schrammen, Schnittwunden, aufgeschürfte Ellbogen und auch mehrere Prellungen. War alles kein Problem, zu Hause gab es dann entweder Pflaster oder einen kleinen Verband und gut war es.

Von den Radtouren kam ich, mehr als einmal, mit aufgeschlagenen Knien wieder, Mirfulansalbe drauf und das war es dann.

Und dann gab es da dieses Mädchen, Angelika, uuuuiiii, die hat mir den Kopf verdreht. Von diesem Mädchen bekam ich auch meinen ersten Kuß (*ichschmelzeimmernochdahin).

Mit zehn Jahren hat uns damals auch Politik nicht sonderlich interessiert. Nur ein Satz von meinem Papa ist mir bis Heute noch im Kopf: „Warum haben die Amis uns damals nicht zum 51. Staat von Amerika gemacht?“

Für mich war Amerika das Land, in welchem man noch alles erreichen konnte.

Klar träumt man ja auch in diesem Alter noch von Abenteuern.

Man will mit guten Freunden einmal um die Welt reiten, oder mit einer Rakete auf den Mars fliegen. Der ersten Liebe die Welt zu Füssen legen, sein wie Lucky Luke, nur das Gute in jedem Menschen sehen, den Krieg beenden oder einfach ein Pirat sein.

In diesem Alter erlebt man jeden Tag noch soviele Dinge, ach wie war das noch schön. Wenn man gleichzeitig einen Marienkäfer und einen Schmetterling auf der Hand halten konnte, das war so schön als könnte die Welt nichts böses bringen.

Es gab Tage, an denen der Lehrer ganz „neue“ Dinge erzählt hat, und wir noch neugierig darauf waren.

Auf dem Bauch liegen um zu sehen, wie die Welt aus der Sicht einer Ameise aussieht.

An einem Sommerabend neben einem Lagerfeuer, ja das konnten wir damals noch machen, in die Sterne sehen und den Freunden zu sagen, was wir uns für die Zukunft wünschen.

Leider werden diese Erfahrungen für die Kinder unserer Zeit nur noch Geschichten sein. Nur noch wenige haben die Chance so etwas zu erleben.

Vielleicht bin ich ja nun auch schon zu alt, aber ich beneide die Kinder und die Jugend von Heute nicht. Wir hatten andere Zeiten, es war nicht alles besser als Heute, nur eben anders.

Ich für meinen Teil bin glücklich, dass ich früher gelebt habe.

Aber lasst uns dieses sehen: Die Jugend hat das Recht und die Pflicht, unsere, die Gedanken der älteren, in Frage zu stellen.

Nur wer Dinge aus der Vergangenheit nicht hinterfragt, ist verdammt dazu, die Fehler zu wiederholen.

Kommentare werden erst geprüft und nur mit gültiger E-Mail freigeschaltet

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.