Einsamkeit

By Fridolin Wirbelwind

Hier sitzt er wieder Mal, der ältere Herr. Alleine, wie fast immer, denkt er über sein Leben nach.

An die Einsamkeit, die ihn fast stets begleitet, hat er sich nun schon gewöhnt. Anfangs tat sie noch weh, doch nach einigen Vorfällen, fiel ihm auf, dass es ihm immer schwerer fällt, sich mit anderen auszutauschen, zu viele Enttäuschungen haben ihn geprägt.

Um zu überleben, hat er sich immer weiter von der Umwelt zurück gezogen.

Eine Familie und Kinder, das sind Dinge, die ihm das Leben nicht schenken konnte, oder wollte.

Er hat sich damit abgefunden, auch wenn es ihn so manches Mal schon traurig macht. Wenn er einst gehen muss, dann wird er nicht unsterblich sein, wie all die anderen, welche Kinder haben.

Ab und zu schaltet er sein Radio an, und bei bestimmten Liedern treten Tränen in seine Augen; da sie ihn an eine vermeintlich schönere Vergangenheit erinnern.

Nein, er hadert nicht mit seinem Schicksal, das würde ja nichts ändern.

Es gibt auch Tage, da fällt ihm schon das Aufstehen morgens schwer. Aber aufgeben gilt nicht.

Er fragt auch nicht nach dem Sinn des Lebens, denn sollte es einen geben, dann wird er ihn erkennen, wenn er nicht mehr ist.

Noch immer kann er im beginnenden Frühling etwas schönes erkennen. Oder im Winter das Knirschen des Schnees geniessen.

Seine Traurigkeit zur Schau tragen, das ist auch nicht seine Art. Nur sehr wenige Menschen können erkennen, wenn es ihm Mal wirklich nicht gut geht.

Er setzt sich täglich eine Maske auf, hinter die Niemand blicken kann. Das hat er schon als kleines Kind gekonnt.

Viele Jahre hat er in der Gastro und im Verkauf gearbeitet, da war diese Maske sehr hilfreich.

Fast alles was er kann und weiß hat er sich selber beigebracht, oder von anderen abgeschaut.

Da er schon als kleines Kind keine Hilfe einfordern durfte, hat er es auch nie gelernt, um Hilfe zu bitten.

Es ist ihm auch klar, dass er anderen Menschen oft als arrogant erscheinen mag, doch auch das ist nur ein Schutzschild, damit ihm kein Mensch mehr so nahe kommen kann, um ihn zu verletzen.

Er hat geliebt, nicht nur einmal. Sein Herz wurde oft gebrochen, und schwere Enttäuschungen gehörten schon immer zu seinem Leben.

Eigentlich sollte man nun meinen, dass er kaltherzig wurde; doch Nein, alle diese Dinge haben ihn nur stärker gemacht. Er ist bereit zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.

An den Wochenenden geht er oft in die Innenstadt um die Menschen zu beobachten. Da geht er dann durch die Menschenmenge und lächelt einfach andere an.

Hört er das Lachen eines Kindes, stiehlt sich ein Lächeln in sein Gesicht und er bemerkt, wie sich eine wohlige Wärme in ihm ausbreitet.

Er findet es schön, wenn ihm ein altes Paar, händchenhaltend, über den Weg läuft, oder im Eiscafe zwei Teenager die erste Liebe geniessen.

Schön ist es auch, wenn er einer anderen Person die Türe aufhält und diese sich dann dafür bedankt.

Doch dann fährt er wieder nach Hause, in sein leeres Appartement. Es wäre schön, dort einen Menschen zu haben, um nicht so ganz alleine zu sein.

Doch hat er auch erkannt, dass er in den letzten Jahren einige Eigenheiten entwickelt hat, die ein Zusammenleben mit ihm als schwierig erscheinen lassen könnten.

Er wird auch keine Beziehung mehr eingehen, er will nicht noch einmal verletzt werden.

Noch immer hat er Träume und Wünsche, vielleicht kann er sich ja den einen oder anderen noch erfüllen.

Einsamkeit und Alleinesein, sollte man niemals als Last sehen, denn das würde nur traurig machen. So hat er sich entschieden ohne Hader in die Zukunft zu sehen.

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