*Achtung politische Satire* Prozess!

*Achtung politische Satire*
Prozess!
© By Fridolin Wirbelwind

Richter:

Sie sind angeklagt, gegen das Recht auf Leben und Freiheit verstossen zu haben. Was wollen Sie dazu sagen.

Angeklagter:

Bitte präzisieren sie doch, was sie meinen.

Richter:

Es wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie sich nicht gegen völkisch-nationales Gedankengut und dessen Verbreitung gewehrt haben. Sie haben aus Protest eine rechtsnationale Partei gewählt, obwohl Ihnen bewusst gewesen sein muss, dass Sie damit Personen gewählt haben, welche Menschen in Rassen, Religionen, Sprache und Herkunft einteilen wollten.

Angeklagter:

Das war mir nicht wirklich bewusst. Ich wollte nur der Regierung einen Denkzettel verpassen.

Richter:

Warum haben Sie sich dann nicht selber in einer demokratischen Partei engagiert?

Angeklagter:

Weil ich nicht die Zeit hatte und auf mich sowieso niemand gehört hätte.

Richter:

Sie waren doch arbeitslos! Und wenn man sich nicht engagiert, wird einen auch niemand hören.

Angeklagter:

Aber … ausser die alten Parteien nicht zu wählen, hatte ich doch keine Möglichkeit etwas zu ändern.

Richter:

Wir reden am Thema vorbei. Warum haben Sie sich nicht eingebracht, ehe diese neuen Nazis damals fast genug Macht erhielten?

Angeklagter:

Was hätte ich denn ändern können?

Richter:

Das habe ich vorhin schon geäussert.

Angeklagter:

Ich sage dazu im Moment nichts mehr.

Richter:

Herr Staatsanwalt, verlesen sie bitte die Anklage!

Staatsanwalt:

Dem Nicht- und Rechtswählervolk wird folgendes zur Last gelegt;

Durch Stillhalten und sich nicht wehren, ermöglichten es die genannten Personenkreise, dass sich Naziparolen im Internet, sowie im realen Leben, wieder etablieren konnten. Durch ihr Verhalten konnten menschenverachtende Gedanken in der Mitte der Gesellschaft wieder Fuß fassen.

Durch die Duldung solcher Ideen und Gedanken machten sich die Angeklagten schuldig, Hass und Hetze zu akzeptieren. Durch diese Duldung und Akzeptanz machten sich die Angeklagten mitschuldig, an: Körperverletzungen, Brandstiftungen, Verletzungen der Menschenrechte, des Grundgesetzes und der Genfer Konvention.

Des Weiteren wirft die Anklage den Beschuldigten vor, aus niederen Beweggründen, nur den eigenen Vorteil gesehen zu haben, und damit billigend in Kauf genommen zu haben, dass Menschen anderer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebenseinstellung, der Vorverurteilung preisgegeben zu haben.

Richter:

Angeklagter, möchten Sie sich dazu äussern?

Angeklagter:

Nur soviel, dass ich unschuldig bin. Ich habe nur getan, was alle taten.

Nun, mein geneigter Leser bist Du gefragt.

Wie urteilst Du?

Ich sage: Schuldig in allen Punkten!