Ein schöner Tag!

© By Fridolin Wirbelwind

Es muss so um die Mitte der 1980er Jahre gewesen sein. Damals lebte er noch in Süddeutschland. Eine kleine Wohnung hatte er zu dieser Zeit. Da er einer festen Arbeit nachging, als Fahrer in einem Fruchthof, war es ihm nicht möglich Haustiere zu halten. Okay, er hatte eine Blaustirnamazone, aber sehr gerne hätte er auch einen Hund gehabt. Das war ihm aber nicht möglich. Doch an einem Samstag fuhr er mit dem Rad an einen nahen Baggersee.Wie so oft, saß sein Papagei vorne in einem Speziellen dafür gemachten Käfig. An der Front befand sich eine Plexiglasscheibe, damit der Fahrtwind den Vogel nicht nervte. Sobald sie dann am See waren, machte er die Käfigtüre auf und Carlos konnte machen was er wollte. Der nutzte das auch oft aus, und wenn es ihm zu viel wurde, wegen der vielen Menschen, flog er wieder in den abgedeckten Käfig.

Also an diesem Samstag war noch nicht sehr viel los am See. Die meisten Leute kamen ja erst nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatten. Ja, damals machten die Einzelhändler noch gegen 14 Uhr die Luken dicht.

Er breitete seine Decke aus, nahm sein Buch zur Hand, und Carlos flog einige Runden. Aus dem kleinen Transistorradio klangen die Melodien der Schlagerhitparade. Leider konnte er hier nur diesen einen Sender ohne Störungen gut empfangen.

So gegen Mittag kamen dann die ersten Leute, um die Sonne und das Wasser zu genießen.

Einige Meter weiter hatten sich einige GIs einen Grill aufgestellt und sicherlich mehr Bier dabei, als sie bei den Temperaturen vertragen konnten.

Als sie Carlos sahen, kamen sie vorbei und fragten dies und das. Klar hat der Mann dann Antwort gegeben. Sein Englisch war damals in etwa so gut, wie das Deutsch der Amerikaner.

Carlos hatte nun aber eine Eingenart, er mochte es nicht von Fremden angefasst zu werden, und setzte dann auch schon mal seinen starken Schnabel ein!

Wir lachten, tranken Bier und rauchten „Funny Things“! Nach einigen Dosen Bier, überlegte ich mir das Zelt aufzubauen, so wollte ich nicht die fast 20 km auf dem Rad nach Hause fahren.

Und nach dem Motto viele Köche usw., stand das Zelt auch nach zwei Stunden noch immer nicht.

Es fiel uns auch gar nicht auf, dass sich nicht weit von uns eine junge Frau nieder gelassen hatte. Die bemerkten wir erst, als sie anfing lauthals zu lachen.

Carlos, plapperte drauf los, als ob er der Frau zustimmen wollte. Da kam aus den Büschen ein Hund in die Runde, eher ein Monster von einem Hund. Gut war zu erkennen, dass er ein rein-rassiger Vertreter der Sorte: Straßenkanten-Adel war. Zottig, von einer undefinierbaren Fellfärbung, und als schön würden ihn sicher nur Hundeliebhaber bezeichnen. Kaum hatte er Carlos entdeckt, trabte er auch gemütlich zu dessen Käfig, schnupperte daran, setzte sich in Positur und sah dem Vogel einfach zu, wie der sich, gar nicht ängstlich, sein Gefieder putzte.

Die Frau kam nun auf uns zu, und meinte dass wir vor dem „Kleinen“, wie sie ihn nannte, keine Angst haben müssen. Schnell kamen wir dann auch mit Birgit ins Gespräch. Sie sprach in einem Kauderwelsch, so wie die Amis und ich eben auch, aber es war lustig. Als sie dann meinte, dass sie eine Pfadfinderin sei und uns mit dem Zelt sicher helfen könnte, war die Sache klar. Innerhalb von 20 Minuten stand das Vier-Mann-Zelt.

James war total begeistert und sagte dann in einem sehr breiten Südstaatenakzent:“Deutsche Fraulein sind nicht nur klug, auch gut in Arbeit.“

Was natürlich ein tolles Gelächter folgen lies.

Es wurde Abend und die Sonne schickte sich an, so langsam ihr Bett zu richten. Rund um den See konnte man immer mehr Feuer sehen, und Musik klang durch die Nacht. Mein Radio hatte ich ja schon lange ausgestellt.

Birgit meinte, dass sie wohl nicht mehr mit dem Auto fahren wollte, zu viel Bier und Sonne hätten ihr wohl nicht gut getan. Klar bot ich ihr an, dass sie ja mit im Zelt schlafen könnte. Als Gentleman natürlich gaaaanz ohne Hintergedanken.

Die Amis mussten dann irgendwann zurück in ihre Kaserne und so waren noch der Monsterhund, ein Papagei, der Mann und eine wunderschöne Frau von der Gruppe über.

Birgit verabschiedete sich für einen Moment und kam nach etwa 10 Minuten wieder. In ihrer Hand hatte sie eine Querflöte. Und sie spielte die schönsten Melodien die ich bis dahin je gehört hatte.

Irgendwann dann krochen wir glücklich in den Schlafsack, Hund und Vogel lagen mit uns im Zelt und wir hörten auf die Stimmen der Nacht.

Als der Sonntag dann so langsam erwachte, und die Sonne über dem See ihre ersten, tastenden Strahlen ausstreckte, meinte Birgit, dass sie nun los müsste.

Ein letzter Kuss, noch einmal ihren Duft tief einatmen und hoffen, dass wir uns einmal wieder sehen würden.

Daraus wurde leider nichts, ich habe diese wunderschöne Frau nie mehr wieder getroffen.

Doch was mir ein Leben lang bleiben wird, das sind diese Erinnerungen. Noch Heute, wenn ich zurück denke, kann ich sie riechen, diesen Duft nach Patschuli und Persiko, den Rauch des Lagerfeuers und das knacken des Holzes, wenn es verbrannte, die Nachtigall und unzählige Insekten, die summten und brummten als wollten sie diese Nacht für uns unvergesslich machen.

Dies alles ist nun über 30 Jahre her, und doch erscheint es in meinen Erinnerungen als wäre das alles erst letzte Woche geschehen.

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