Früher war alles besser? Nein, nur eben Damals!

© By Fridolin Wirbelwind

Naja, nach einem Gespräch mit einem Typen, der gerne alles wieder so hätte wie in den 1950er -60er Jahren, stellte ich wieder fest, dass der Begriff:

Früher war alles besser!“, immer subjektiv sein kann.

Früher, so ein Terminus, der gerne verwendet wird, wenn man an seine eigene Kindheit denkt.

Da war angeblich zu Weihnachten immer Schnee, und zu Ostern blühten stets die Wiesen.

Damals kam Papa noch am Freitag mit der Lohntüte nach Hause, und die Miete wurde direkt dem Vermieter bezahlt, dazu gab es dann einen Schnaps. Am Samstag ging die Mama dann zum Einzelhändler und die Rechnung der vergangenen Woche bezahlt.

Ein Bankkonto hatten damals nur sehr wenige Menschen.

In der Schule waren wir noch 40 oder mehr Schüler, und die Lehrerin war noch ein echtes Fräulein, die durfte nicht verheiratet sein.

Eine Frau musste die Erlaubnis ihres Ehemannes oder Vaters einholen, ehe sie eine Arbeit annehmen durfte, wollte der Mann in der Familie dies nicht, dann Tschüß Arbeit.

Junge Frauen, damals nannte man die noch Fräulein, gingen in besondere Schulen, um zu lernen was sie alles machen musste, damit ihr Mann sich nach der Arbeit wohl fühlen konnte.

Kinder durften noch geschlagen werden, und wenn das immer noch nicht die gewünschte Wirkung zeigte, steckte man diese in Erziehungsheime.

Ehefrauen mussten ihre ehelichen Pflichten erfüllen, ob sie Lust hatten oder auch nicht.

Ende der 1960er Jahre trugen dann Jungs lange Haare, und hörten asoziale Musik. Diese jungen Männer wurden als „langhaarige Bombenleger“ bezeichnet.

Junge Frauen fingen an Miniröcke zu tragen und wurden als Huren abgestempelt.

Als dann die Pille aufkam, wurde der Untergang der christlichen Werte herauf beschworen, kommt mir irgendwie bekannt vor.

Ja, Früher war alles besser?

Es gab aber auch Dinge die, in meiner persönlichen Erfahrung, schon etwas besser waren.

Fast jedes Kind war in einem Verein, da gab es dann die Treffen und Feiern, die Zeltlager und man redete mehr, miteinander.

Die Familien spielten Mensch ärgere Dich nicht, Rommé oder Schach.

Wir lasen viele Bücher, und die ersten Comics.

Auch waren wir in Banden zusammen und spielten draußen, bis die Straßenlaternen angingen.

Ich wurde in einer Gegend groß, in welcher GIs stationiert waren und viele Gastarbeiter lebten.

Das waren schon sehr schöne Dinge, ich lernte fremde Menschen, Sprachen und Kulturen kennen.

Doch nur daraus zu schließen, dass Früher alles besser war, das ist ein Irrtum.

Es war subjektiv in manchen Belangen schöner, aber die Zeiten waren eben auch andere.

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