Eine Kellnergeschichte

By Fridolin Wirbelwind

Da erinnere ich mich gerade an einen Muttertag in Nürnberg.

Biergarten das erste Mal geöffnet.

Küche war im ersten Stock, eine Zapfanlage hatte ich unten.

150 Sitzplätze! Die Kollegin ruft um 11 Uhr an, der Garten war schon seit 10 Uhr offen, dass sie krank wäre. Zwischen 11 und 15 Uhr wurden etwa 10 Familien erwartet mit bis zu 20 Gästen.

Alles eingedeckt, und die Schilder mit Reserviert aufgestellt.

Meine Chefs boten sich an die Essen aus der Küche zu herunter zu bringen, so dass ich wenigstens keine Stufen laufen musste.

Die ersten kommen, da bin ich noch nicht einmal fertig mit den Tischen. Setzen sich aber sofort an einen reservierten Tisch.

Ich: Sind sie die Familie XY?

Gast: Nein, aber hier ist es so angenehm.

Ich: Der Tisch ist aber reserviert. Der Tisch dort unter dem Schirm ist aber auch nett.

Gast: Ne, wir bleiben hier sitzen, können ja die anderen dort rüber gehen.

Ich, schon etwas weniger nett: Dann werden sie nicht bedient.

Gast: Na wenn Du Gläserschubser kein Geld verdienen willst, dann bleiben wir eben so sitzen.

Mein Chef: Wer nichts verzehrt muss das Lokal verlassen.

Gast: Dann bringen sie mir eben ein Weißbier, aber vorgewärmt, ich vertrage kein kaltes Bier.

Mein Chef: Aber nicht an diesem Tisch, der ist reserviert, und was möchte ihre Familie?

Gast: Die trinken bei mir mit.

Mein Chef: Dann sage ich ihnen, dass sie hier nicht willkommen sind. Verlassen sie mein Lokal.

Gast: $%&&/?(/&%$+*YXY§$§“%

Mein Chef: Vielen Dank und empfehlen sie uns bitte nicht weiter.

Ich: Danke.

Das war aber erst der Anfang.

Eis zu kalt, Kaffee zu heiß, Salat, der mit einer Vinaigrette bestellt, schmeckte nach Essig, das Putenschnitzel ist ja kein Fisch, etc, etc.

Und dann noch ein ganz anderer Gast. Er kam alleine an, fragte mich an der Zapfanlage ob ich ein Plätzchen für ihn hätte, da er alleine da ist und keine Reservierung habe.

Ich zeigte ihm dann einen Platz, er bestellte ein Bier, und sagte, wenn ich Zeit hätte, dann würde er gerne ein Schäuferle mit Kloß aber ohne Sonderwünsche haben, aber er habe Zeit mitgebracht und wäre noch nicht am Verhungern. Als er dann bezahlte, nach etwa 4 Stunden und 8 Weizenbieren, gab er mir ein fürstliches Trinkgeld, fast soviel wie seine Rechnung war, und meinte zu mir:

Wie Sie und Ihre Kollegen das alles immer wieder aushalten wird für mich immer ein Rätsel bleiben. 80% Ihrer Gäste hätte ich am liebsten mit meinem Gehstock verprügelt. Mein Respekt an Sie und alle anderen Kollegen. Hier ist noch ein kleines Extra für die Küche.“ Dabei schob er mir einen kleinen Umschlag zu.

Das sind dann die Momente wo eine Sörwiskraft wieder gerne arbeitet, weniger wegen dem Trinkgeld, das natürlich auch gerne genommen wird, mehr für die Einstellung des Gastes.

Euer Fridolin Wirbelwind

Kommentare werden erst geprüft und nur mit gültiger E-Mail freigeschaltet

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.