Achtung, könnte romantische Erinnerungen wecken! Und die Welt roch nach Patchouli!

© By Fridolin Wirbelwind

Damals, eine gefühlte Ewigkeit her, waren wir voller Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen.

Wir trugen Schlaghosen und Plateauschuhe, Rüschenhemden und Batikshirts.

Wir fuhren mit dem Bonanzafahrrad, unbequem aber eben ein Muss.

Die Haare waren lang und auch Jungs ließen sich Dauerwellen und Miniplis oder einen Afro-Look beim Frisör machen.

Der erste Bart wurde gepflegt und mit Stolz gezeigt.

An den Wochenenden ging man auf Steinbruch-Feten.

Es wurde geknutscht und auch einmal gefummelt.

Haar-technisch hatte ich damals keine Probleme, da ich eine Naturkrause mein eigen nennen konnte.

Es muss so um 1974 gewesen sein, auf einer Geburtstagsfeier.

Die ganze Clique war eingeladen zum 16. einer Klassenkameradin.

Ihre Eltern hatten den Partyraum im Keller vorbereitet. Mit Luftschlangen und Stroboskopen. Eine Discokugel hing an der Decke und in einer Ecke stand eine Musikanlage, mit Quadrosound- Lautsprechern und einer Lichtorgel.

Überall waren Räucherstäbchen angesteckt und Kerzen leuchteten.

Viele Schalen mit Chips und Salzstangen standen herum, dazu der übliche Mettigel und Hawaii-Toast, sowie verschiedene Nudel- und Kartoffelsalate.

Auch gab es Cola, Bier, Wein und Persico, das hatte ihr großer Bruder besorgt.

Auch ein Mädchen aus der Parallelklasse war eingeladen worden. Sie war damals mein großer Schwarm, aber ich nicht mutig genug um sie anzusprechen.

Noch Heute sehe ich sie ab und zu vor mir.

Etwas kleiner als ich, mit sehr langen, dunkelbraunen Haaren, die immer nach Apfelshampoo rochen, und intensiv leuchtenden blauen Augen.

Die Party begann etwas zögerlich, wie immer eigentlich.

Tanzen war auch nicht unbedingt so mein Ding. Aber „Flippen“ – Heute nennt man das „Head-Banging“ – das beherrschte ich gut, kamen da doch meine schulterlangen Haare gut zur Geltung.

Nach einiger Zeit kam die Fete dann etwas in Fahrt.

Led Zeppelin, AC/DC, Black Sabbath und Deep Purple wurden aufgedreht.

Unsere Zigaretten drehten wir selber, meist aus „Schwarzer Krauser“ oder „Gauloise“, am liebsten noch mit Maispapier.

Bald schon war die Bude vernebelt, vom Zigarettenrauch und den vielen Räucherstäbchen.

Da kam SIE auf mich zu und begann zu reden. Ich bekam kein einziges Wort mit, von dem was sie sagte. Als sie dann meine Hand nahm und mich zu den Musik-Kassetten zog, ging ich einfach mit.

Sie nahm einige Tapes in die Hand und fragte meinte, dass wir nun doch etwas langsameres hören könnten, dabei legte sie einen Arm um mich und bat den Bruder des Geburtstagskindes, ein ganz bestimmtes Lied zu spielen.

Das dauerte damals natürlich eine Zeit, man musst ja das Band durchsuchen.

Bis dahin gingen wir zu den Getränken, sie wollte einen Persico mit mir trinken. Dabei hielt sie mich dann etwas fester in ihrem Arm und ich wusste einfach nicht was ich machen sollte. Dann kam sie mit ihrem Kopf nahe an mein Ohr und ich konnte wieder das Apfelshampoo riechen, aber auch dass sie etwas Patchouli auf ihren Hals geträufelt hatte. Was eine Mischung! Noch Heute kann ich den Duft riechen.

Als endlich das von ihr gewünschte Lied,

Nights in White Satin,

gespielt wurde, zog sie mich auf die Tanzfläche. Zuerst war es von mir nur ein Versuch ihr nicht auf die Füße zu treten, doch nach und nach kamen wir uns immer näher. Sie sah mir in meine Augen und ich meinte in ihren zu versinken. Ja und dann nahm sie meinen Kopf in ihre wunderschönen Hände und küsste mich.

Es war als ob mich ein Blitz getroffen hätte. Dieser Moment sollte nie zu Ende gehen, und beinahe schien es auch so zu sein.

Eine gefühlte Ewigkeit lang lagen wir uns in den Armen. Nichts um uns herum schien wirklich zu existieren, es gab nur sie und mich. Wir tanzten noch lange so weiter.

Wir konnten nicht genug von uns bekommen.

Später gingen wir dann in die Kuschelecke, aber wir knutschten nicht wild und zügellos, es war alles Romantik.

Als dann die Nacht anbrach, gingen wir zusammen in den Garten, legten uns ins Gras und sahen wortlos in den Sternenhimmel. Es brauchte keine Worte, es war einfach, einfach.

Bei jeder Umarmung roch ich sie und dieser Geruch prägte sich so tief in mein Bewusstsein, dass ich auch Heute noch romantische Gefühle bekomme, wenn ich so so einen ähnlichen Duft in die Nase bekomme.

Für viele Jahre noch, roch die Welt für mich nach Patchouli, sobald ich mich verliebte.

Ja, das ist nun schon fast ein ganzes Leben her, und noch immer so frisch in meinen Gedanken und meinem Herzen, als wäre dies alles erst Gestern geschehen.

Wir haben noch viele solche Tage und Abende erlebt, ehe unsere Wege sich trennten. Gerne wüsste ich was aus ihr geworden ist. Doch egal was auch immer wurde, in meinem Herzen wird sie immer 16 Jahre alt sein und wunderschön.

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