Vor 50 Jahren fing es an!

© Fridolin Wirbelwind

Es ist nun schon fast 50 Jahre her, seit unser Herr seinen aktiven Kampf gegen die alten und neuen Nazis begonnen hat.

Ja, damals war er noch ein junger Kerl, doch schon aufgeklärt genug um zu sehen, dass man die rechten Terroristen nicht dadurch beseitigt, dass man sie ignoriert.

Er versuchte die Menschen um ihn herum zu sensibilisieren. Rassistische Witze, üble Hetze gegen alle Gastarbeiter usw. prangerte er an. Leider lebte er damals in Süddeutschland, meist in Bayern.

Schon in der fünften Klasse war er für so manchen Lehrer ein rotes Tuch. Ja, das war er, weil er auch eine Zeitlang, wirklich ein rotes Halstuch trug.

Von seinem Stiefvater hatte er Geschichten gehört, was damals im Zweiten Weltkrieg an der Front geschehen war.

Bis er etwa 15 Jahre alt war, war sein Protest meist nur in Zeichen, wie eben das Halstuch, sichtbar.

Dann traten die ersten Neonazis in seiner Stadt auf. Damals noch mit Glatzen und Springerstiefeln. Sie waren noch wenige, aber verbreiteten schon die üblichen Sprüche.

Doch auch damals war das Fußvolk eher weniger gebildet oder total arrogant.

Mehr als einmal wurde seine Jugendgruppe in den 1970er und ’80er Jahren von solchen Trupps überfallen.

Auch als wir Anzeigen erstellten, kamen diese Typen damals noch mit klitzekleinen Strafen davon. Einer der den Deutschen Gruß rief, im Beisein des Pfarrers, und noch das Horst Wessel Lied mit seinen Kumpels sang, bekam 10 Sozialstunden auf dem Kriegsgräberfriedhof.

Ja, so war das damals, man hat die nicht in die Schranken gewiesen.

Als ich mit 16 dann meine Lehre begann, kam ich an eine Vorgesetzte, die besondere Worte für uns Lehrlinge hatte.

Bei Adolf, hätte man Euch faules Gesindel,“ für Euch J……… hätte man kein Geld für Zy….B verschwendet.“

Als ich dann meine Lehre abgebrochen habe nach einem Jahr, kam der Bezirksleiter an und meinte, dass ich damit eben leben müsse, doch die Ausbilderin habe eben auch in Lagern gearbeitet und blablabla, eben einfach alles beschwichtigt.

Ich wollte mir aber so ein Benehmen nicht gefallen lassen, und habe trotz guter Noten, die Lehre beendet.

Danach habe ich zuerst einmal mehrere Monate in verschiedenen Jobs gearbeitet.

Fast überall fand ich aber Arbeitskollegen die noch ziemlich weit rechts dachten.

Gastarbeiter waren Arbeitskräfte, die zwar schuften sollten, aber in keine Gewerkschaft gehörten. Ein Facharbeiter in der Möbelproduktion, der ein gelernter Möbelschreiner war, wurde in den Tafelbau zum Akkord eingeteilt, weil er ja NUR ein Gastarbeiter war, der jeden Job zu machen hatte.

Dann, um meinen Führerschein zu bezahlen, nahm ich noch einen Nebenjob in einer Gaststätte mit Kegelbahn an. Da arbeitete ein Italiener, gelernter Koch, als Küchenhilfe.

Persönlich hatte ich schon damals keine Probleme mit Menschen die nicht aus Deutschland waren, sie waren Kollegen und entweder ich kam mit ihnen klar, oder nicht. Deppen gibt es schließlich überall.

Auf der Kegelbahn, durften meine Freunde nicht mitmachen, ein Italiener und ein Portugiese, weil der Vorstand meinte, dass diese Wesen den Sinn des Kegelns eh nicht verstehen würden.

Dann musste ich zum Bund. Eigentlich wollte ich mich ja für 12 Jahre verpflichten, weil ich mein Abitur nachmachen und später dann auch noch ein Studium für Luft- und Raumfahrt, Luftfahrzeuge entwerfen, machen wollte.

Naja, ich habe mir den Arsch aufgerissen, und es war schon fast alles in trockenen Tüchern, als ich bei einem befohlenen Besäufnis meinen Staffelkapitän darauf ansprach, dass ich es nicht gut fand, dass er mit seinen Offiziersfreunden, SS- und SA-Lieder grölte. Als er mich dann zusammen stauchte rief ich die Feldjäger. Als ich dann auch noch Flugblätter verteilte, und diese vor der Kaserne verteilte … das war das Ende meiner Laufbahn in der Bundeswehr.

Nach meiner Wehrdienstzeit arbeitet ich dann meist in der Gastronomie, ab und zu auch in Fabriken und über ein Jahr in einem Zentrum für Milchprodukte.

Auch dort hatte ich wieder Ärger, weil ich mich mit meinem Schichtleiter anlegte. Der hatte jeden Ausländer schon nach einem Tag soweit fertig gemacht, dass er oder sie den Job aufgab.

In einem Fruchthof war ich als Lieferfahrer beschäftigt, nicht wirklich lange. Nach drei Monaten lies ich mir einen Iro schneiden, und mein Disponent meinte, dass er so einen radikalen Kommunisten wohl kaum die Lieferungen für die Kunden könne ausliefern lassen. Also wurde ich in die Verpackung und die Bananenreifekammern versetzt.

Nachdem mich meine damalige Freundin, eine US-Amerikanerin mit dunkler Hautfarbe, mehrfach abgeholt hatte, teilweise noch in Uniform der MP, wurde ich gebeten (!) mir eine andere Arbeitsstelle zu suchen.

Das habe ich auch gemacht, nicht ohne vorher einen Brief an die örtliche Zeitung zu schreiben.

Dies alles geschah schon Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre. Jeder hätte damals schon erkennen können, und müssen, dass der Fremdenhass niemals aus unserem Land verschwunden war.

Warum haben sich damals nicht mehr gewehrt; weshalb wurden Typen, die mich halbtot geschlagen haben mit wenigen Sozialstunden bestraft, oder gar freigesprochen, weil ich diese Personen ja nicht hätte provozieren müssen?

Ja, wer aus dem Gestern nichts gelernt hat, wird im Jetzt die Zukunft in den Mülleimer treten, mit Ansage.

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