Erinnerung!

© By Fridolin Wirbelwind

Lange nicht mehr geschrieben, mindesten 2 Tage.

Jedenfalls nichts, das ich veröffentlicht habe, also hier mal wieder etwas, das unserem älteren Herren so durch den Kopf ging.

Wie so oft sitzt er in seiner kleinen Butze, und denkt an nichts, bis es auf einmal wie ein altes Blitzlicht auftaucht. Nur ein kleiner Flash und schon ist nur noch die Erinnerung daran in ihm.

Diesmal kam überkam ihn eine Erinnerung als er noch in Nürnberg lebte.

Dort lebte er ja viele Jahre, als Kellner und Gastronom, als Propagandist und Renovator. Doch was ihn immer umtrieb, das war seine Neugier. Er liebte es in jedem Job, Menschen aus aller Herren Länder kennen zu lernen. Viele Jahre war er ja selber unterwegs, mal mit Geld und manchmal ohne.

Was ihm jedoch immer sehr wichtig war, das war gegen die immer deutlicher und lauter werdenden Nazis zu sein. An den Wochenenden ging er oft mit seiner LAG (Lebensabschnittsgefährtin) und ihrem Sohn an den Dutzendteich. Dort wurde dann gezeltet und gegrillt. Ganz klar waren dort nicht nur die echten Teutonen. Sein Bubi war damals noch nicht in der Schule, später dann in der Grundschule.

Der Kleine war, genau wie unser Herr, immer neugierig wenn in seiner Nähe andere Menschen auftauchten. Er lauschte den Gesprächen und der Musik, und wenn er Kinder sah, schwuppdiwupp, war er fort. Dabei war es ihm egal, welche Hautfarbe die Kinder hatten, oder welche Sprache gesprochen wurde. Kindern ist das ganz egal, die finden immer Wege um miteinander zu spielen.

Es war also wieder einmal so ein Wochenende, die Temperaturen lagen um etwa 35°C, es war viel los und sie hatten einen Platz zwischen einigen alten Eichen.

Ein Mann kam auf den, damals noch nicht zu alten Herrn, zu und fragte ob er mit seiner Familie nebenan grillen dürfte. War doch für ihn kein Problem, und Bubi freute sich schon, als er das Wort Familie hörte. Kurz darauf kamen etwa zwei Dutzend Menschen an, von Kind bis Uroma, war alles dabei.

Irgend wie kam es ihm so vor, als ob er verschiedene Sprache heraus hören würde.

Es wurden Decken und Teppiche ausgebreitet, mehrere Grills angefeuert und bald schon konnte man verschiedene Musikinstrumente hören. Seltsam fremde und doch irgend wie angenehme Melodien ertönten. Einige Menschen sangen mit und junge Mädchen tanzten dazu barfuß im Gras.

Das lies den Jungen da sitzen, mit offenem Mund und er staunte. Als ein Mädchen auf ihn zukam, konnte er nicht anders, er lies sich von ihr mit ziehen in den Reigen der Tänzer. Bis Heute hat unser alter Herr keine Ahnung in welcher Sprache sich die Kinder unterhielten. Aber es war schön. Der Abend kam an und am Himmel konnte man die Venus sehen. Eine der anwesenden Damen wollte, dass die kleine Familie doch an dem Fest teilnehmen soll, so gingen der Herr und seine LAG die paar Schritte zu den fremden Menschen die sich so gut verstanden auch wenn sie verschiedene Sprachen benutzten. Kaum angekommen bekam die Frau die Aufforderung, mit einigen anderen Frauen in ein Zelt zu gehen. Der Mann wurde aufgefordert sich mit den Männern in einen Kreis zu setzen, Wein zu trinken und der Junge, ja der tanzte und spielte immer noch mit den Kindern, welche er eine Stunde vorher noch gar nicht kannte.

Es gab zu Essen und zu Trinken, Steaks und Lamm, Huhn und Schwein, Wasser, Wein, Cola und Tee. Als es dann so langsam dunkel wurde, stellten einige der älteren Männer Fackeln auf.

Eine sehr alte Frau kam dann auch dazu. Alle verneigten sich vor ihr, und so machte es auch die Familie unseres Mannes. Sie nahm einen Platz direkt neben einem Grill ein und sagte … gar nichts. Ein Mann ging auch sie zu und flüsterte mit ihr. Danach winkte sie der Familie zu und sprach einige Worte: „Wir sind Sinti, es freut uns, dass Ihr an dem Fest teilgenommen habt. Seid willkommen in unserer Runde. Ihr habt nun den Schutz unserer Familie. Mann komm her, ich werde Dir die Zukunft benennen.“

Der Mann ging zu ihr, reichte ihr die Hand, und war total neugierig. Was diese Frau ihm vorhersagte, das traf, bis auf wenige Kleinigkeiten auch ein. Danach bat sie seine Frau zu sich. Doch als diese auch wollte, dass auch dem Jungen die Zukunft vorher gesagt werden sollte, meinte sie: „Kindern verrät man nicht die Zukunft, sie gestalten die Zukunft!“

Ja, so war das an jenem Wochenende, doch leider blieb es nicht so friedlich.

Alle saßen bis zum ersten Morgenlicht, unterhielten sich, tranken, tanzten und sangen.

Zuerst kam eine Polizeistreife und meinte, dass der eine Grill gelöscht werden sollte, da einige Kinder Holz darauf geworfen hatten und nun eben eine offen Flamme da war. Da neben jedem Grill ein Feuerlöscher stand, konnte man dem Wunsch der Uniformierten sofort nach kommen.

Dann, es war kurz vor Sonnenaufgang, konnte man vom großen Parkplatz einige Autos hören. Aufgemotzt und man hörte junge Männer rumprotzen.

Die Stimmen wurden immer lauter, und einer der Männer, mit denen unsere Familie die ganze Nacht gefeiert hatte, sagte etwas in einer fremden Sprache. Die Frauen und Kinder wurden etwas weiter in den Wald geschickt, auch die Frau unseres Mannes und deren Bubi mussten mit gehen.

Kaum waren diese alle verschwunden tauchten auch schon die ersten Kerle auf.

Sie kamen auf die Zelte zu und schrien rum: „Zigeuner gehören nicht hier her. Verschwindet.“ Sie begannen die Grills umzustoßen, die Zelte mit Messern und Macheten zu zerschneiden und zündeten die Teppiche und Decken an.

Es waren etwa 30 Mann, welche den Überfall begingen.

Und auf der Seite unseres Mannes waren es nur etwa 10 Männer.

Die Leute, welche einfach nur feiern wollten wurden verprügelt. Die besoffenen Rassisten kannten kein Pardon, und unser Mann war froh, dass die Frauen und Kinder nicht dabei sein mussten. Bei dem Überfall wurde fast alles vernichtet. Zelte, Schlafsäcke und Essen. Nur den Alkohol haben sie mit genommen.

Drei Stunde später kam dann wieder eine Polizeistreife vorbei, nahm die Anzeigen auf und meinte dann, dass so etwas eben passieren könnte.

Damals hat sich der Bubi geschworen, dass er immer und überall gegen solche Nazis vorgehen wird.

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