Weihnachten vor vielen Jahren

© By Fridolin Wirbelwind

Da sitzt er wieder, unser Geschichtenerzähler. Er sitzt da, sieht den Rauchkringeln nach, die von seiner Zigarre aufsteigen, riecht an seinem Rotweinglas und nimmt einen kleinen Schluck.

Noch hat er keine Ahnung, wann die Muse ihn küsst und was er dann schreiben wird. So geht es ihm oft wenn er nachdenklich wird.

An manchen Tagen kommen die Gedanken dann von ganz alleine und seine Finger tippen in den PC alles was er so vor seinem inneren Auge sieht. Sehr oft laufen seine Geschichten wie ein Film vor ihm ab, und er bemerkt gar nicht dass er sie auch aufschreibt.

Heute wandern seine Gedanken zurück in der Zeit. In jene Zeit als er noch eine Frau und einen kleinen Jungen hatte.

Um diese Zeit im Jahr begann er mit seinem Bubi die Wohnung festlich zu schmücken, sobald er von seiner Arbeit kam, oder ehe er zur Arbeit ging. Sein Bubi erzählte dann aus der Schule und dass sich seine beiden besten Freunde schon darauf freuten ihn zu besuchen. Der kleine Mensch plapperte drauf los, als ob er am nächsten Tag keine Stimme mehr haben würde um weiter zu erzählen. Sie sortierten die unzähligen Lichterketten und Girlanden, und nach einigen Tagen hätte man auf die Idee kommen können, dass man im Vorraum zum Büro des Weihnachtsmannes gelandet wäre. Seine Frau machte Rumkugeln, und buk Kekse.

In der ganzen Wohnung konnte man leise Weihnachtslieder hören und es roch nach frischem Tannengrün.

Jedes Jahr glänzte der Baum in einer anderen Farbe und sie bemalten auch selber Weihnachtskugeln. Das wurde zu einer Tradition, ebenso wie der wöchentliche Besuch auf dem Christkindlmarkt und dem Christkind die Hand zu schütteln.

Jeden Tag besuchte ihn sein Bub in dem Lokal, in welchem unser Herr arbeitete. Am Samstag vor dem ersten Advent gingen die beiden Männer los und besorgten einen Weihnachtsbaum. Der wurde dann am Sonntag geschmückt, dazu gab es Stollen und Kekse, Glühwein für die Erwachsenen und Kinderpunsch für Bubi.

Beinahe täglich gingen sie auch durch die Kaufhäuser, und betrachteten die ausgestellten Dinge. Der Junge wusste stets schon lange vorher was er sich zu Weihnachten wünschen würde. Unser Herr hatte aber schon seit Mai begonnen auf die Wünsche des Kindes zu hören, und so war sicherlich mehr unter dem Baum zu finden, als es sich der Junge hätte ausdenken können. In diesem Jahr wollte Bubi nur etwas Lego haben, und er würde auch eine ganz Große Packung und drei Modelle bekommen. Dazu einen ferngesteuerten Robokop, eine rote Lavalampe und einige Disney Video Kassetten.

Für die ganze Familie würde eine Super Nintendo Konsole mit drei Spielen bereit stehen.

Der Junge hatte heimlich sein Taschengeld gespart und wollte für die Mama ein Parfüm bei Douglas kaufen. Ui, da musste Papa aber schon einiges mit beisteuern. Aber das war ok, es war ja auch schon ein ganz besonderes Parfüm, Opium. Am heiligen Abend hatte sich unser Herr frei genommen, denn da wollte er mit seiner Familie alles herrichten. Solange Frau und Kind sich im Kinderzimmer aufhielten, richtete er das Wohnzimmer her. Alle Geschenke hatte er in der letzten Nacht noch eingepackt und die Geschenkekarten hatte er ja schon in der zweiten Adventswoche mit dem Kind geschrieben. Die Mutter hatte ihre Geschenke auch schon mit in den Keller gestellt, so dass er nun nur noch alles ins Wohnzimmer bringen musste. Den Plattenspieler hatte er auch schon angestellt und wenn sie dann alle festlich umgezogen waren, würde er sie rufen.

Sein Söhnchen hatte ihn noch gebeten das andere Geschenk, welches er für die Mutter hatte, ganz vorne an den Baum zu hängen. Es war eine riesige blaue Glaskugel, die er einem Straßenhändler abgekauft hatte. Sie war fast so groß wie sein Kopf und er war ganz stolz darauf, dass er sie ganz alleine gekauft hatte und vom Papa nicht einmal Geld dazu gebraucht hatte.

Für den Herrn hatte er ein asiatisches Kochbuch aufgetrieben; dabei war es dem Jungen egal, dass alle Rezepte auf Japanisch geschrieben waren.

Dann kam der große Moment!

Als das erste Weihnachtslied aus dem Wohnzimmer erklang, wurde die Türe geöffnet, und Papa hatte unzählige Wunderkerzen angezündet. Der Fotoapparat machte Bilder und nach dem ersten Lied stürzte sich der kleine Mensch auf die Geschenke. Aber er suchte zuerst seine Geschenke für die anderen heraus und strahlte dabei wie der Stern von Bethlehem. Neben dem Kochbuch bekam der Papa noch drei ganz dicke Zigarren von ihm und die Mama hatte einen guten Wein besorgt, und dazu einen Dekander. Für die Mama hatte er ja die Glaskugel und das Parfüm, und von Papa bekam die Frau dann auch noch etwas, eine Armbanduhr und eine kleine Kette. Vor lauter Aufregung hätten sie beinahe das Essen vergessen, doch das war kein Problem, gab es doch immer Kartoffelsalat mit Würstchen.

Ab dem nächsten Jahr lief der Heilige Abend anders ab, da gab es zuerst eine Bescherung für die Obdachlosen am Bahnhof, diese Idee kam von dem Jungen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Es waren schöne Zeiten und während der ältere Herr dies alles für Euch aufschrieb, hatte er sogar den Geruch wieder in der Nase, er hörte das Lachen seines Sohnes und spürte die herzlichen und warmen Umarmungen.

Nun kommt unser Herr so langsam wieder in die Gegenwart. Das Weinglas ist leer, und die Zigarre verraucht. Er wird wohl in diesem Jahr zu Weihnachten nichts dekorieren, zu viele Erinnerungen würden geweckt werden. Auch über einen Weihnachtsmarkt wird er nicht gehen.

Seine wenigen Freunde hat er schon informiert, dass er sie in der Vorweihnachtszeit nicht besuchen wird.

Bei all diesen Gedanken fallen ein paar Tränen auf seinen Arm und er bemerkt, dass es ihm wohl dieses Jahr schwer fallen wird, die kommenden Festtage so einfach zu nehmen und nicht traurig zu sein.

Kommentare werden erst geprüft und nur mit gültiger E-Mail freigeschaltet

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.