Was wäre wenn ich Heute erst 16 Jahre alt wäre?

©By Fridolin Wirbelwind

Würde ich auch am Freitag auf die Straße gehen, um meine Zukunft zu retten, oder wenigstens zu sichern?

Vor mehr als vier Jahrzehnten, machte ich meine ersten Erfahrungen mit Demos und wie man Widerstand leisten kann, ohne selber aktiv Gewalt anwenden zu müssen.

Als ich dann zum Bund musste, stellte ich fest, dass dort der Corpsgeist, noch immer sehr hoch gehalten wurde. Als ich einen Vorgesetzten meldete, wurde ich, naja sagen wir einmal, „aussortiert“.

Als dann noch heraus kam, dass ich bei einigen Treffen von der SDAJ gewesen war …

Zum Ende der 1970er Jahre kam dann mein Entschluss, dass ich so etwas nicht zulassen konnte.

Um mich nun nicht noch in Trouble zu bringen, werde ich nicht näher auf einige Dinge eingehen.

Es gab damals schon Gruppen, welche antifaschistische Tendenzen hatten, bei diesen war ich dann aktiv, doch waren wir eher nicht wirklich organisiert.

Wir waren aber damals noch so drauf, das wir auch die RAF verabscheuten, weil sie so gar nicht in unser Weltbild passten.

Damals, bis in die 1990er Jahre, gingen wir auch Angriffen nicht aus dem Weg. Es gab ja keine politische Ebene auf der wir hätten etwas bewegen können. Von den meisten Leuten wurden wir als linksradikale Spinner bezeichnet, welche eine Gefahr sahen, die es angeblich nicht gab.

Dann kam die Wiedervereinigung.

Wir lernten, dass nicht alle nur die Freiheit wollten, es wurde von „Fidschis“ gesprochen.

Das „N-Wort“, war bei vielen üblich.

Doch auch dann wurden wir noch belächelt, auch wenn es eine Art Subkultur gab, welche offen rechte Ideologie vertrat.

Doch wir waren die Spinner!

Entweder wollten einige Politiker die Gefahr nicht erkennen, oder sie dachten, dass man diese Gruppe klein halten könnte.

Nun bin ich über 60 Jahre alt, und freue mich, dass sich die Jugend der Welt solidarisiert und versucht der Ausbeutung dieses, unseres, Planeten entgegen zu treten.

Von ganzem Herzen bin ich bei diesen jungen Menschen!

An manchen Tagen frage ich mich, ob wir nicht schon damals hätten mehr machen und unternehmen können und sollen.

Doch wir waren die Kinder der Nachkriegsgeneration, überall wurde noch Autorität gepredigt.

Angst vor Bestrafung war noch unser täglicher Begleiter, und ein Lehrer hatte noch wirkliche Macht, und die Eltern, welche ja noch den Krieg miterlebt hatten, sagten meist nichts dazu.

Als ich das erste mal von eine Anti-Atomwaffen Demo zurück kam, mit blauen Augen, und jeder Menge Striemen von den Stöcken der Uniformierten, belehrte mich meine Ausbilderin, dass sich noch nie ein Stift so daneben benommen habe, wie ich. Wer sich so staatsfeindlich wie ich benimmt, der wäre zu ihrer Zeit in ein Arbeitslager gekommen. Jahre später habe ich erfahren, dass diese Frau von 1939 bis 1941 in einem Heim für schwer erziehbare Kinder die Leiterin gewesen war.

Eine Beschwerde beim Bezirksleiter brachte nichts ein und so brach ich meine Ausbildung nach der Zwischenprüfung ab.

Sehr schnell hatte ich den Ruf, dass ich mich angeblich mit den Gedanken des Kommunismus und mit Mao angefreundet hätte.

Ja, es war schon damals einfacher einen neugierigen Menschen in die Schublade eines Linksradikalen zu stecken als die existierende Gefahr des Faschismus zu erkennen.

Ja, ich denke zur Zeit viel nach, vielleicht zu viel, aber wenn ich an Greta Thunberg denke, dann muss ich das eben. Ich habe Hochachtung, und kann ihr und allen anderen Jugendlichen, nur meinen Respekt erweisen. Sie werden das übernehmen, was wir von der Welt übrig lassen, ich bedaure sie. Vielleicht können wir noch etwas verbessern, aber unser Pachtvertrag für die Erde läuft so langsam aus. Ob die Natur ihn noch einmal verlängert, das steht in den Sternen.

Ein Kommentar zu „Was wäre wenn ich Heute erst 16 Jahre alt wäre?

  1. Als ich 16 war …

    Als ich 16 war, hatte meine Mutter Angst, dass sie wegen mir als „Politische“ ins Gefängnis muss. Denn als ich 16 war, stellte ich mich offen und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen gegen das DDR-Regime. Nach dessen Lesart trugen an solchen Verfehlungen der Jugend die Eltern Schuld, weil sie es versäumt hatten, ihre Kinder zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen. Meine Mutter musste oft, sehr oft wegen mir in die Schule. „Du bringst mich noch in den Knast, wenn du so weiter machst!“ – ich höre ihre Worte noch. Dass die Gefahr damals realistisch durchaus realistisch war, habe ich zu dieser Zeit noch nicht verstanden.

    Als ich 16 war, war ich mit meinem ersten Freund zusammen. Unerhört! Denn er war Ausländer, ein Student auf Basis des Vertragsarbeiterabkommens der DDR mit verschiedenen Entwicklunsländern. Private Kontakte zwischen Deutschen und diesen Arbeitern bzw. Studenten waren offiziell verboten.

    Als ich 16 war, beschloss ich, noch zwei Jahre in die Schule zu gehen, um Abitur zu machen und dann Medizin zu studieren.

    Wenn ich heute 16 wäre, wäre ich mit Sicherheit genauso unangepasst wie damals, und ich hätte mit Sicherheit auch Ziele, die ich in die Tat umsetzen würde.

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