Hilfe und Dankbarkeit

© By Fridolin Wirbelwind

Hallo, da ich ja sehr viel Feedback erhalten, weil ich gepostet hatte, dass ich vielleicht nicht mehr schreiben werde, Ihr seid selber schuld, nun müsst Ihr damit leben.

Aber keine Angst, ich werde nicht alles in einen Beitrag reinbringen, aber etwas Zeit solltet Ihr Euch schon nehmen.

Zuerst ein Erlebnis beim Einkauf, stammt von Heute.

Wie jeden Tag gehe ich in meinen Discounter, dort ist es fast wie in einem alten Tante-Emma-Laden, aber eben nur fast. Doch egal, ich komme zurück zum Thema.

Als ich meinen Einkaufswagen holen will, ist vor mir ein sehr alter Mann, mit Krückstock der an den Wagen zerrt und vor sich hin schimpft. Ich gehe also zu ihm hin und es fällt mir auf, dass er in einer Sprache schimpft, welche ich nicht verstehe. Da sehe ich, dass er die Karre nicht losbekommt. Ich zeige ihm, dass man einen Chip oder eine Münze braucht um die Kette lösen zu können, er grinst mich an, zeigt auf seine Ohren und schüttelt den Kopf. OK, ich habe immer einige Beilagscheiben, die bei allen Einkaufswagen funktionieren, an meinem Schlüsselbund und der Mann kann endlich einkaufen gehen. Als ich dann selber in den Laden gehe, sehe ich wie der Mann vor dem Regal mit Kaffee steht und keine Ahnung hat, was er wohl kaufen soll. Als alter Schreiberling habe ich ja immer Papier und Stift dabei, und male ihm eine Kaffeemaschine auf. Er schüttelt den Kopf, OK. Also male ich einen Wasserkocher, eine Tasse und wie ein Teelöffel Instantkaffee in diese Tasse gibt. Der Mann ist begeistert und zeigt mir seinen Geldbeutel, den will ich doch gar nicht sehen, bis ich kapiere, dass er damit meint, dass er nicht viel Geld hat.

Also gebe ich ihm auch ein Blatt Papier und einen Stift, da ich erkenne, dass diese Art der Kommunikation bei uns läuft.

Ein Stück Karton unter das Blatt und wir unterhalten uns über seine Wünsche.

Der Herr malt Kartoffeln, eine Zwiebel und Trauben. Also zeige ich ihm diese Dinge und er malt eine 20 auf sein Blatt. Gut, ich weiß nun, dass er nur 20 Euro ausgeben kann. Ich schreibe die Preise auf ein Extrablatt, und wir rechnen gleich zusammen.

Nun möchte er gerne Fleisch oder Wurst haben, das werden wir gleich heraus bekommen. Er malt eine Kuh, einen Vogel und ein Schwein, das Schwein streicht er durch, auch gut. So ging das fast eine Stunde ehe wir seine 20 Euro aufgebraucht haben. Klar habe ich auch meine Einkäufe gemacht. Als wir dann an der Kasse stehen, zeichnet er das Bild von einer Landkarte, und der Kassierer sagt mir, dass das wohl Syrien ist. Da seine Rechnung 19,79 Euro beträgt, er aber immer sehnsuchtsvoll auf den Tabak gesehen hat, kaufe ich noch zwei Päckchen und Blättchen, die ich ihm dann gebe. Er malt zwei Hände auf sein Blatt, dreht sich um und geht, doch es fiel nicht nur mir auf, dass der Mann eine Träne in den Augen hatte.

Einige werden nun sicher denken, dass ich dieses nun nur aufgeschrieben habe, um mich als guten Menschen zu zeigen, das ist aber falsch.

Ich möchte nur zeigen, dass Hilfsbereitschaft oft Dankbarkeit erzeugt.

Ein Kommentar zu „Hilfe und Dankbarkeit

  1. Diese Art der Kommunikation ist so intensiv, wie eine durch Worte niemals sein kann. Ich habe auf diese Weise einige hundert Anamnesen erhoben und etwa ebenso viele Fluchtgeschichten – unaufgefordert – erfahren. Wenn man wirklich will, versteht man sich ausgezeichnet ohne Worte. Aber man muss es eben wollen!

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