Wie Fridolin wurde wer er ist!

© By Fridolin Wirbelwind

Tja, das ist nun wieder so eine Nacht. Er hat viel erlebt an diesem Tag, viele schöne und angenehme Dinge, aber nicht nur.

Nun sitzt er wieder vor dem PC und viele Gedanken aus der Vergangenheit tauchen auf. Fast so wie die Wale, die er damals vor Island sah, keine Spur davon, dass die sich unter ihm befinden, und auf einmal sind sie da.

Oh ja, er hat viel erlebt — und manchmal macht es ihn traurig, dass er viele Dinge nie wieder erleben wird. Doch dann überfällt ihn der Gedanke, dass die meisten Menschen auch nicht nur einen Bruchteil von dem erleben werden, was er schon gesehen hat.

Er ist schon so alt, in den Augen einiger Menschen, dass er sich noch erinnern kann wie ein Tonbandgerät funktionierte, oder auch eine Musikkassette. Auch fuhr er noch ohne Helm Motorrad und seine ersten Autos hatten noch keine Sicherheitsgurte.

Als er noch ein Kind war, waren sie in Banden organisiert, nicht um zu stehlen, sondern um ein bestimmtes Territorium zu haben. Sie hauten sich und kamen abends heim, wuschen die Wunden und bekamen ein Pflaster drauf.

Nein, es war nicht besser oder schöner, damals, einfach nur anders.

Als er etwas zehn war, klaute er seinem Stiefpapa Zigaretten, und als er wieder Heim kam, war ihm so übel. Doch sein Papa wollte ihm zeigen wie das so ist, mit dem Rauchen, also „durfte“ er unter Aufsicht eine Weiße Eule rauchen, bis zum Schluß!

Seine Gedanken machen Sprünge, gerade findet er sich wieder wie er seinen aller ersten Kuß bekam, er war gerade acht Jahre alt, und seine Banknachbarin in der Schule, nahm ihm den Schwur ab, dass sie für immer zusammen bleiben würden, besiegelt wurde diese „Verlobung“ mit einem unschuldigen Kuß auf die Lippen. Sie wohnten Haus an Haus und gingen von diesem Moment an Hand in Hand zur Schule. Ihre Lehrerin, noch eine vom ganz alten Schlag, fand das schön und meinte, dass man immer zeigen sollte, wenn man einen anderen Menschen lieb hat.

Nie wird er die Sanni vergessen.

Nun springen seine Gedanken durch die Zeit, in sieben Jahren zog seine Familie mehr als vierzehn Mal um, da war es nicht einfach Freundschaften zu schließen.

Da er auch ein Seitensprung seiner Mutter war, mochte diese ihn auch nicht. Er musste schon als kleines Kind in der Küche helfen, mit sechs konnte er Hemden bügeln und seiner Mutter die Haare machen. Als er zehn wurde, konnte er schon den Kuchen und das Essen für seinen Geburtstag selber machen.

Mit elf Jahren konnte er an der Nähmaschine werkeln, Tapezieren und Malern.

Seine Familie erzählte ihm immer und an jedem Ort, dass er eh zu hässlich wäre um jemals ein Mädchen haben zu können.

Als er dann fünfzehn wurde, hatte er sich ein Mofa zusammen gespart, mit dem Austragen von Zeitschriften.

Dann hatte er einen Unfall, bei dem er sich beide Knie bis auf die Kniescheiben aufgerieben hatte, der Arzt meinte, dass er wohl nie wieder würde normal laufen können.

Aber er hat es allen gezeigt, nach acht Wochen war er wieder in der Schule, und sein Rektor wollte, dass er auf ein Gymnasium wechseln sollte, da er den Stoff ganz schnell aufgeholt hatte. Aber seine Mutter hatte andere Pläne mit ihm. Er muss Euch nun nicht sagen, dass seine Eltern niemals auf einem Elternabend waren, sein Papa, weil er immer gearbeitet hat, und seine Mutter, weil sie immer einen anderen Liebhaber in ihrem Bett hatte.

Unser älterer Herr, war schon von klein auf von seiner Mutter dressiert worden. Er musst putzen und kochen, Wäsche waschen und bügeln, kurzum, den Haushalt erledigen.

Das musste er auch noch als ihm seine Mutter eine Lehrstelle besorgt hatte, damals konnte ein Kind noch nicht selber entscheiden, welche Laufbahn es einschlagen will, es wurde von den Eltern bestimmt. Sein Papa war leider durch den Krieg gebrochen, oder hatte ein anderes Geheimnis, so dass die Mutter der Boß in der Familie war.

Die Mutter hat ihn auch vor seinen Freundinnen lächerlich gemacht. Sie sagte ihnen, dass er schwul wäre und die Mädchen nur haben wollte, damit er sich verstecken könnte.

Aber er war niemals schwul, doch da ihm seine Mutter das immer und immer wieder erzählt hat, glaubte er das fast selber.

Dann musste er zur Bundeswehr, und obwohl er das einzige Kind war, das einen Führerschein hatte, und ein eigenes Auto und auch eine Goldwing 1000, bestand seine Mutter darauf, dass er von ihrem Liebhaber mit dem Auto jedes Wochenende begleitet werden müsste.

So war er, wieder einmal, die Lachnummer bei seinen Freunden.

Als er bei der Bundeswehr einen Antrag stellte, dass er Berufssoldat werden wollte, da er dort dann eine gute Ausbildung bekommen könnte, schrieb sie Briefe, dass er ja schwul wäre und das war sein Aus.

Nach seinem Wehrdienst bekam er eine Arbeit als Fernfahrer bei einer Firma die von Hamburg aus frische Früchte aus dem Hafen nach Süddeutschland brachte. Zu der Zeit lebte er in einer WG, das war super. Er verdiente gut und kaufte sich einen Audi. Eines Morgens rief ihn die Mutter an, dass der Papa im Krankenhaus liegen würde. Also holte er sie ab, obwohl ihr Liebhaber auch einen Führerschein hatte.

Es war ein ganz übler Trick, die Frau hatte eine Flasche Tee mit, mit sehr viel Alkohol drin, den sie ihm zu trinken gab. Danach rief sie die Polizei an, dass er betrunken fahren würde, und den Rest könnt Ihr Euch denken.

Es passierte noch viel mehr in dieser Richtung, aber das erspare ich Euch.

Diese Frau kostete ihn nicht nur seinen Führerschein, auch viele Jobs und Freundinnen, und fast eine halbe Million D-Mark.

Als sein Papa dann seinen dritten Herzinfarkt hatte und schon sieben Hirnschläge überlebte, bekam seine Mutter Krebs. Nun war sein Leben nur noch wichtig um sie zu versorgen.

Er lernte Spritzen zu geben, Blut zu nehmen und vieles mehr.

Sein Papa wurde damals von seiner Clique mit versorgt, die nahmen ihn mit auf Motorradtreffen, solange der Liebhaber …

Als dann seine Mutter endlich starb, war er erleichtert, aber noch immer nicht frei.

Nun erwachte unser Mann aus seinen Erinnerungen, las diese Zeilen durch und erkannte, dass noch nicht einmal ein Prozent seiner Leiden hier nieder geschrieben wurden.

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