Geschichte einer Liebe

© Fridolin Wirbelwind

Hier werde ich keine Klarnamen nennen, weil mich die Menschen, welche darin die Hauptrollen sind darum gebeten haben. Es werden auch keine Firmen oder individuelle Informationen hier erscheinen.

Alles beginnt im Winter 1988. Jürgen aus Duisburg fährt beruflich nach Ostberlin. Er fährt mit dem eigenen Auto hin. Seine Sekretärin fährt mit ihm. Als sie, nach einigen Schikanen endlich in ankommen, wird ihnen sofort eine „Begleitung“ zugewiesen.

Am nächsten Tag beginnen die Gespräche. Immer waren einige, ganz „unverdächtige“ Männer in seiner Nähe.

Dort lernt der Jürgen dann auch die Marina kennen, es war Liebe auf den ersten Blick. Doch als er ihr anbietet, sie nach Westdeutschland zu schleußen, sagt sie Nein.

So fährt er also immer wieder nach Ostberlin um seine Liebe zu sehen.

Dann begannen die Demos, Marina wollte ja gar nicht ihr Land verlassen, weil ihr der Westen von den Erzählungen von Jürgen etwas fremd vorkam. Beide wollten nur die Freiheit haben, sich lieben zu dürfen.

Dann, ganz unerwartet wurden die Grenzen geöffnet. Marina stand ganz weit vorne als sich die Schlagbäume öffneten. Auch Jürgen hatte in den Nachrichten gesehen, dass er nun wohl seine Liebste würde abholen würde können.

So hatten nun zwei liebende Menschen die gleiche Idee.

Marina ging am nächsten Tag los, holte ihre Ersparnisse ab und fuhr nach Duisburg, doch Jürgen hatte die gleiche Idee, stieg in sein Auto und fuhr nach Zittau. Als Jürgen dort ankam war das Haus leer, und die Nachbarn sagten ihm, dass Marina wohl rübergemacht habe.

Zur gleichen Zeit stand Marina vor Jürgens Wohnung. Als nach mehrmaligem Klingeln niemand öffnete drehte sie sich um und wollte schon gehen.

Da rief eine Nachbarin zu ihr ob sie wohl die Ossifreundin von Jürgen wäre. Als sie dies mit einem Ja beantwortete, luden die Nachbarn sie ein. Mit einem flauen Gefühl im Magen stimmte sie zu.

Die Leute waren zwar warmherzig, doch auch überheblich. Sie boten ihr Bananen und „echten“ Kaffee an. Erzählten davon, was sie angeblich von den „Ossis“ kannten, gaben an mit dem Farbfernseher und dem zweiten Auto. Da Marina nicht wusste was sie machen sollte, nahm sie dennoch die Einladung, dort zu übernachten, an.

Zur gleichen Zeit saß Jürgen bei den Nachbarn seiner Liebe. Da ging es nicht viel anders, nur prahlten nicht mit Besitz, sondern mit ihrem Garten, in welchem sie Hühner und Karnickel zum Verzehr hielten.Sie gestanden auch, dass sie schon viele Jahre Westfernsehen empfangen können, weil Willy das ja kann.

Auch diese Menschen boten dem total fremden an, über Nacht bleiben zu können. Jürgen fand diese Leute gar nicht so unterschiedlich, und nach diversen Schnäpsen wollte er auch nicht mehr fahren.

Am Tag darauf, ging Marina zur Bank, begleitet von ihren Gastgebern, und tauschte Ost- gegen Westmark um.

Die Tochter der Gastgeber, nahm sie zur Seite und riet ihr nicht alles zu kaufen.

Währendessen wollte Jürgen zurück, da er ja auch arbeiten musste.

Er ging zu einem Postamt, rief seinen Chef an und setzte sich in sein altes Auto.

Während nun Jürgen sich aufmachte wieder nach Hause zu fahren, ging Marina mit Monika auf in die Stadt.

Einige Geschäfte luden mit „Supersonderpreisen“ Wechselkurs: 5:1 oder so.

Die Mädels hatten einen schönen Tag, und ohne Monika hätte sich Marina wohl oft über den Tisch ziehen lassen.

Aber die Zwei waren ein gutes Team.

Derweil fuhr Jürgen zurück, er brauchte etwa mehr als 10 Stunden, doch als er ankam, sagten ihm seine Nachbarn, dass die Marina schon da ist und auf ihn wartet.

Er ging hoch, in die Wohnung seiner Nachbarn, sah seine Marina, und … Nein, es geschah fast nix.

Sie sahen sich an, die Welt um sie herum versank. Dann gingen sie aufeinander zu, nahmen sich in die Arme als wenn es den Rest der Welt gar nicht geben würde. Sie küssten sich als wenn es der erste Kuß der Menschheit wäre. Die Gastfamilie öffnete Sekt, und freute sich mit dem jungen Glück.

Die zwei Menschen leben nun seit 1995 in Hamburg, die Frau betreibt ein Café und der Mann ist IT-Fachmann bei einer großen Firma.

Sie haben drei Kinder und vier Enkel, denen sie ihre Geschichte immer wieder erzählen.

Und immer wieder sprechen sie davon, dass sie es nicht verstehen können, wie Menschen die damals für die Freiheit demonstriert haben, Heute gegen die Demokratie sei können.

Hätte es die Maueröffnung nicht gegeben, wäre dieses Glück nie entstanden.

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