Schon lange her

Eine andere Weihnachtsgeschichte

©By Fridolin Wirbelwind

Ein Mann und sein Hund, beide kennen kein Zuhause.

Sie leben von dem was ihnen gegeben wird.

Es schneit, bis Weihnachten sind nur noch einige Tage.

Ich bin an der Kasse, und hinter mir steht eine Frau, vielleicht Mitte 70, aber eine DAME.

Ich schäme mich, weil ich so herunter gekommen bin, darum lasse ich sie vor. Draußen steht dann die selbe Frau und redet mit meinem Hund. Er sitzt,wie immer, brav auf unserer Decke und sieht der Frau in die Augen. Als sie ihm die Hand hinhält, damit er an ihr riechen kann, leckt er diese sofort ab. Sie nimmt eine Ecke der Decke und legt sie über das Tier, welches sie lieb ansieht und es beinahe scheint es, als ob die beiden in ein Gespräch vertieft sind.

Langsam trete ich näher und ich kann irgend wie kein Wort sagen, die Situation benötigt keine Worte.

Die Dame kramt in ihrer Tasche und holt einen Keks heraus. „Darf er denn?“ „Klar, er nimmt aber nicht von jedem etwas an!“ Mein vierbeiniger Freund setzt sich auf und reicht der netten Frau eine Pfote. „Gut gemacht,“ sage ich. er nimmt den Keks vorsichtig aus der alten und verarbeiteten Hand. „Vielen Dank. Reden muss ich für ihn, denn das ist etwas das er nicht kann.“

Macht nichts, ich habe auch so verstanden.“ Sagt die Dame, dreht sich um und geht ihrer Wege.

Na alter Kumpel, nun hast Du ein paar extra Streicheleinheiten bekommen.“

Ich setze mich wieder zu dem alten, ziehe die Decke fester um uns da es anfängt etwas zu nieseln und hoffe, dass wir noch ein paar Mark zusammen bekommen, so dass wir Morgen vielleicht nicht betteln gehen müssen.

Als es dann noch anfängt zu schneien, kommt der Fleischverkäufer aus dem Supermarkt, stellt eine Tüte mit Wurstresten vor uns und meint lapidar: „Ich hoffe dass das für Heute genug für Euch beide ist, wenn ihr wollt, dann kommt doch Morgen vorbei, so kurz vor Ladenschluss. Ich werde Euch dann wieder was geben. Bleibt ja genug über immer. Und bei dem Wetter den ganzen Tag hier sitzen, das stelle ich mir auch nicht schön vor.“ Er dreht sich um und will schon gehen, als er sich dann zu mir umdreht und meint: „Ach ja, für Sie habe ich auch noch was.“ Aus einer Tasche seiner Metzgerschürze zieht er eine Flasche und sagt nur: „ Das ist aber nicht für den Hund.“ Lachend geht er wieder in den Laden. Ich sehe mir die Flasche an, es ist ein guter Rotwein. Den könnte ich mir niemals leisten.

Auf mein Alter, für Heute haben wir genug. Lass´ uns zurück ins Zelt gehen.“

Als ich unsere Decke zusammen legen möchte, fällt da ein Umschlag auf den nassen Boden. Ich hebe ihn auf und wundere mich wo der wohl herkommt.

Aber da es nun sehr kalt und nass wird, beschließe ich den Umschlag erst einmal in meine Tasche zu stecken und erst im Zelt zu lesen. Auf unserem Weg dorthin begegnen uns noch viele Leute die, mit vielen Taschen umher hasten und kaum einen Blick auf die schön gestalteten Schaufenster werfen.

Mein Dicker und ich werden nur von wenigen Menschen überhaupt bemerkt, denn wir passen ja nicht in das Schema, von Leuten die Erfolge haben.

Wie sehr sie sich doch täuschen, jeder der uns wahrnimmt, nimmt doch auch den anderen Menschen wahr. Geld haben wir nie, aber eine Freundschaft, die sonst niemand hat.

Wir teilen alles, mein Hund und ich, das Essen und die Decke, und auch unser Leben. Jeder würde doch gerne sein eigenes Leben für den anderen geben.

Wir kommen nun an unserem Zelt an, es steht noch, was nicht immer der Fall ist.

Sogar unser Grill steht noch und ich mache mich sofort daran ein Feuer zu entfachen.

Nach einiger Zeit glüht die Kohle und mein Freund und ich kuscheln uns ganz dicht zusammen, sonst haben wir ja niemanden.

Verträumt blicke ich in die Glut, bis mein Dicker mich anstupst, weil er Fleisch haben möchte. Oh, ich stecke nun ein paar Stücke der Würste auf Spieße und lege sie auf den Grill. Dieweil mir einfällt, dass da in unseren Decken ja noch ein Umschlag steckte.

Ich suche ihn raus und versuche ihn auf zu machen.

Was ich darin lese ist einfach nur schön:

Mein lieber Mann mit seinem Hund,

ich habe Euch beide schon einige Tage lang beobachtet. So wie Ihr beide zusammen gehört, so gehörte mein Mann zu mit. Kein Wenn oder Aber, wir hielten immer zusammen. So habe ich Euch gesehen. Du bist ein guter Mensch, auch wenn Du nicht so lebst wie die meisten. Sehe ich wie Du von Deinem erbettelten Geld zuerst Fleisch für Deinen Hund besorgst, und er auf Dich wartet, bis Du wieder da bist, das nenne ich Liebe.

In dem Umschlag steckt Geld, das Du für Dich und Deinen besten Freund ausgeben sollst.“

Ich sehe noch einmal in dem Umschlag nach und finde darin 10.000DM.

Auf einem der Scheine steht ein kleine Notiz: Für einen Engel auf Erden von einem Engel.

Ich kann nicht sagen wie sehr ich weinen musste diese Nacht.

Aber, obgleich ich kein Kirchgänger bin, ging ich Hl.Abend in die Kirche, niemand hat sich beschwert, dass ich meinen Hund mit in die Kirche genommen habe. Und als wir nach dem Gottesdienst vor der Kirche saßen, bekamen wir so viel Geld wie nie vorher.

Es waren noch viele andere die auf Geld hofften, und da saßen. Aber eine Frau war dort, mit Kind

und als ich sie fragte ob ich ihr ein Zimmer bezahlen sollte, sagte sie nur: „Deine guten Wünsche haben alles getan was notwendig war!“

Sprach´s und verschwand.

Mit dem Geld diesen Abends habe ich ein neuen Leben angefangen und mein Hund lebte bei mir bis er starb.

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