Eine Bärengeschichte Gerne RT

© By Fridolin Wirbelwind

Diese Geschichte kann wahr sein, oder erfunden oder vielleicht auch nur in Teilen wahr. Ich könnte sie aber auch von einem Native erzählt bekommen haben.

Aber lest erst einmal.

Drei Jahre lebte ich in Pennsylvania. Dort habe ich auch geheiratet, das erste und einzige Mal. Mein Trauzeuge hatte eine Farm in den Poconos. Als ich ihn dort das erste Mal besucht habe, mit meiner Frau, meinte er, dass ich am Sonntag wohl etwas überrascht sein werde, mehr wurde mir nicht verraten.

Am Samstag Abend grillten wir, tranken einige Biere und hatten eine tolle Zeit. Ich durfte mit einigen seiner Jagdgewehre auf Zielscheiben schießen und so wurde ich dann für die Jagdsaison eingeladen mit seinen Kumpels mit zu gehen.

Da der Abend ziemlich lang war, wachte ich erst gegen etwa neun Uhr auf. Unten hörte ich schon Geplapper und roch frischen Apple Pie. Also schnell ins Badezimmer, anziehen und nach Unten gehen, ich brauchte dringend einen starken Kaffee und zwei oder drei Pancakes, Toast, Schinken und Eier. Die Frau unseres Gastgebers stellte mir dann noch ein Glas mit einer undefinierbaren Flüssigkeit hin und lachte dabei.

It may not taste good, but it will work.“

Also trank ich, was sie mir vorsetzte. Eklig, aber ich musste mich nicht übergeben und war nach einer halben Stunde wieder fit.

Der Apple Pie stand am Fenster der Veranda, zum Auskühlen dachte ich. Wir gingen in die Scheune, reparierten die Brunnenpumpe und versenkten die dann wieder. Die Frau meines Trauzeugen redete immer wieder davon, dass es ja bald Zeit wäre, zu der Old Benn auftauchen würde. Klar dachte ich, dass es ein Nachbar sein müsse von dem sie redeten. Als meine Frau dann meinte, dass sie den auch gerne einmal kennen lernen würde, dachte ich mir noch nichts dabei.

Dass auf der Farm 25 Wildbienenvölker lebten war mir bewusst. Auch dass auf dem Grundstück ein Adlerpaar und andere Wildtiere lebten wurde mir schon erzählt.

Aber was am Nachmittag geschah, auf das hatte mich niemand vorbereitet.

Wir saßen also hinter dem Haus auf der Veranda, die Frauen tranken Kaffee wir Männer ein Bier.

Auf einmal roch ich etwas seltsames. Zuerst dachte ich, dass mein Gastgeber Probleme mit seiner Verdauung haben könnte und ignorierte es. Doch ein Darmwind verfliegt, aber dieser Geruch wurde immer stärker.

Dann wurde mir gesagt, dass ich mich nicht hektisch bewegen soll. Zuerst dachte ich an eine Schlange. Doch dann wurde der Geruch stärker. Und plötzlich hörte ich ein Brummen, direkt hinter mir.

Die Hunde zogen sich einige Schritte zurück, und so bemerkte ich, dass etwas für mich total unbekanntes passieren würde.

Langsam drehte ich meinen Kopf. Da stand, im Abstand von weniger als drei Metern ein Bär. Noch nie in meinem Leben war ich so einem Tier so nahe gewesen. Doch da meine Gastgeber weiterhin ganz ruhig blieben, versuchte ich das auch, obwohl mein Blutdruck wohl weit über jeder Skala war. Doch seltsam war für mich, dass ich keinerlei Angst verspürte, eher Neugier. Meine Frau war mit der Situation schon vertraut. Auch der Geruch war nicht dazu angetan, dass ich mich besser gefühlt hätte.

Nun kam er noch näher, roch an mir legte eine seiner Pfoten auf eines meiner Beine, brummte leise, drehte sich um und holte sich den Apple Pie. Diesen brachte er dann zum Tisch und legte ihn vor meine Füße. Meine Frau meinte, dass ich den nun aus der Form nehmen soll. Also fasste ich nach der Kuchenform, wurstelte den Kuchen heraus, und war immer noch ziemlich durch den Wind.

So ein Tier zu sehen, keinen halben Meter neben einem, ohne Gitter, das ist schon ein besonderer Umstand. Als ich den Pie dann heraus gelöst hatte, wollte ich ihn einfach auf den Boden legen. Doch mein Gasgeber meinte ich soll den schneiden und ihn dem wilden Tier aus der Hand geben.

Ich glaube, dass ich in diesen Minuten, denn länger dauerte es nicht, bestimmt 10kg abgenommen habe.

Solange Old Ben sich nun an dem Pie gütlich tat, erzählte mir mein Gastgeber, dass der Braunbär schon immer auf dem Grundstück leben würde. Schon zu den Zeiten als sein Ur-Ur-Urgroßvater hier siedelte war immer ein Bär auf dem Grundstück. Sicherlich wäre es nicht mehr das Tier, das damals lebte, aber alle lebten mit den Menschen in Freundschaft. Die Bären schützten angeblich in alten Zeiten die Farm vor Wölfen und marodierenden Soldaten, sowie vor Räubern.

Einige Natives die in der Nähe lebten erzählten mir dann, dass Old Ben noch niemals einem Freund der Familie etwas angetan hat, weil das der Schutz ihres Gottes war, denn die Vorfahren des Besitzers hatten mit den Ureinwohnern einen Vertrag geschlossen, dass sie sich immer gegenseitig beistehen würden, und die Familie sich stets an diesen heiligen Vertrag gehalten hatte.

Und so lebt die Legende, dass jeder Mensch der meinen Gastgeber und seine Nachbarn achtet von Old Ben akzeptiert und geschützt wird.

Ob dieser alte Bär nun wirklich von einem Gott als Schutzgeist für diese Farm geschickt wird, das weiß wohl nur der Wind.

Doch war ich noch einige Male auf dieser Farm, und nach drei Monaten traute ich mich sogar dieses Tier zu streicheln. Weder tat er den Hunden oder Katzen etwas, noch den Menschen. Er kam sogar mit, wenn wir Angeln waren und bekam dafür einen Teil unsere Jagdbeute.

Doch um es noch einmal klar zu machen. Es war kein dressiertes Tier, es lebte auf der Farm, frei und ohne Zwang. Die Besitzer waren stets darauf bedacht, dass er zwar freundlich aufgenommen wird, aber niemals wie ein Haustier angesehen wurde.

Als ich dann zurück nach Deutschland ging, nach drei Jahren, fehlte mir der Kontakt zu Old Ben genau so, wie der zu meinen Menschlichen Freunden.

Gelogen, erfunden oder nur gehört?

Ich werde das nicht auflösen.

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