Unglaublich?

© By Fridolin Wirbelwind

Schon seit er ein Kind war, kam er sich anders vor. Das erste Mal fiel ihm das auf, als er, wieder einmal, an eine neue Schule kam. In seinem alten Dorf hatte der Jahrgang gerade begonnen und an der neuen hatten sie ein Kurzschuljahr. Jeden Tag musste er zwei Std. zu Fuß gehen oder schon um fünf Uhr mit dem Milchwagen in den nächsten Ort fahren.

Als er am ersten Schultag in der Klasse ankam, wurde zuerst gebetet. Es war eine sehr katholische Gemeinde.

Dann musste er jedem Kind in die Hand geben und sich vorstellen. Als er bei einem Jungen ankam und ihm die Hand gab, wurde es ihm auf einmal übel. Er fiel auf den Boden und sah vier weiße Nelken vor dem Gesicht des Jungen.

Vier Tage später wurde der Junge vom Traktor der Großvaters überrollt.

Er hat damals nichts davon erzählt.

Eine Woche später durfte er mit einem Bauern aus der Nachbarschaft auf die Kuhweide mit, als der Zuchtbulle ausbrach. Dochder blieb vor dem Kind stehen, sah ihn nur an und drehte sich dann um.

Als der Bauer ihn dann für den Rückweg auf den Trecker hob, wurde ihm wieder übel. Es war ihm so als ob er um das Gesicht des Mannes sieben weiße Nelken sehen würde und den Zuchtbullen der den Mann überrannte. Sieben Tage später wurde der Bauer von dem Bullen zertrammpelt.

Als er dann zehn wurde, bekam er, schon wieder an einer neuen, der fünften, Schule eine sehr hübsche Lehrerin für Englisch. Es war das Jahr 1968, und bekam gerade mit, dass Mädchen nicht nur nerven.

Die Lehrerin trug fast immer eine weiße Bluse, war groß und schlank und verkündete die Noten nicht vor der ganzen Klasse. Dazu rief sie jeden Schüler zu ihrem Pult und erklärte leise wo Fehler waren und was gut gemacht wurde. Dabei legte sie immer eine Hand auf die Hand des Schülers. Als unser Junge nun ihre Hand auf seiner spürte, wollte er sie schon wegziehen, doch es war zu spät. Ihm wurde wieder übel, er fiel um und sah die Hand der Lehrerin in einer weißen Nelke.

Am nächsten Tag gab die Lehrerin den Werkunterricht, als Vertretung. Die vierte Klasse arbeitete an einer Weihnachtskrippe. Die Lehrer sägten an der Bandsäge die Grundformen aus. Er sah wie die Lehrerin einige Figuren aussägte, als ein Junge von Hinten an sie herantrat und sie erschreckte. Sie rutschte mit ihrer Hand in die Säge und das Band sägte ihr die bis auf die Knochen. Blut, und Schreie. Ein Kind drückte den Notstop und ein anderes lief ins Rektorat und meldete den Notfall.

Am nächsten Tag hat der Klassenlehrer alle Schüler mit in das Krankenhaus mit genommen.

Karten und Blumen haben das Vier-Bett-Zimmer fast überschwemmt.

So ging das viele Jahre. Er sah die Unglücke von vielen Menschen. Und im Jahr 1998 sah er dann etwas, das ihn selber betraf. An einem Tag im Februar, er war auf der Geburtstagparty eine Freundes, als er ein Glas berührte, das er vor Jahren seinem Freund geschenkt hatte. Ihm wurde wieder übel und er sah sich selber umgeben von fünf weißen und einer roten Nelke.

Fünf Tage später fuhr er mit seinem Auto in eine Farbenfirma. Die Straße war eisglatt und als man ihn aus dem Auto heraus gezogen hatte, war er mit roter Farbe bedeckt.

Er hat mir diese Geschichte erzählt, einen Tag ehe er starb.

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