Ein Märchen

By Fridolin Wirbelwind

Vor vielen Jahren, als Menschenkinder noch Drachen, Zwerge und Elfen sehen konnten, lebte ein Junge.

Gerne wäre er ein Ritter geworden, aber da seine Eltern arm waren, durfte er nur die Pferde im Schloß versorgen.

Als die Tochter des Königs ihren 17. Geburtstag feierte, musste er die schönsten Pferde striegeln und sie mit dem schönsten Zaumzeug schmücken. Aber auch die große Kutsche wurde her gerichtet, mit vielen weißen Rosen, um die Prinzessin zur Kirche zu fahren.

Bis vor einem Jahr durfte der Junge auch noch mit der Prinzessin spielen. Da der König ein gutmütiger Mann war, fand er nichts dabei, dass sich seine Tochter mit dem Stalljungen traf. Im Frühling und Sommer spielten sie auf den Wiesen und Feldern und im Winter fuhren sie mit dem Schlitten oder spielten im Stall bei den Tieren.

Doch nun sollte das Mädchen mit einem Prinzen verheiratet werden. Dieser kam aus einem anderen Land viele Tagesreisen entfernt.

Der Junge war traurig, denn über die Jahre hatten die beiden sich richtig lieb gewonnen.

Doch er machte seine Arbeit an der Kutsche so schön, dass die Elfenkönigin sich sehr darüber freute und dem Stalljungen einen Wunsch erfüllen wollte.

Sie kam mit einem goldenen Drachen, sprach den Jungen an und versprach ihm, dass die Prinzessin an diesem Tage nicht heiraten würde.

Nun erwartete die Elfenkönigin, dass der Junge sich etwas für sich selbst wünschen würde.

Er bat nicht einmal um Bedenkzeit und sprach:

„Liebe Elfe, alles was ich mir wünsche ist, dass sie für immer glücklich und zufrieden sein wird.“

Über diesen Wunsch war die Elfenkönigin so sehr erfreut, dass sie diesen erfüllen wollte.

Doch einer der Ritter des Königs war kein guter Mann und dieser hörte was sich der Junge wünschte.

Dieser Ritter war mit einem bösen Magier im Bunde. Sofort ging er zu diesem und sie überlegten sich was sie tun könnten, um diesen Wunsch nicht wahr werden zu lassen.

Der Magier begann sofort in seinen Büchern zu blättern und er fand auch bald einen Zauberspruch.

„Ganz ungeschehen kann ich diesen Wunsch einer Elfe nicht machen. Aber ich kann ihn etwas verändern. Die Prinzessin wird, ehe sie die Kirche betreten kann an einen geheimen Ort verbracht und dort bleiben, bis sie vom Kuß ihrer wahren Liebe befreit wird. Diese Tat wird jedoch den Menschen sterben lassen.“

Beide lachten böse und sprachen den Spruch laut aus, denn sonst hätte er nicht gewirkt.

Der goldene Drache der Elfenkönigin war dem Ritter jedoch heimlich gefolgt, denn böse Menschen konnten keine Elfentiere sehen. Der Drache flog schnell zu seiner Königin um ihr zu berichten.

Diese war empört darüber und überlegte was sie machen könnte. So beschloß sie den Fluch zu ändern.

„Die wahre Liebe der Prinzessin wird viele Jahre durch die Welt wandern um den Ort, an dem sie versteckt ist, zu finden. Er wird keine Trauer verspüren, für sich selber, aber auf seinen Reisen vielen Menschen in Not helfen und beistehen. Hat er sie gefunden, wird sie schlafend liegen und mit dem Kuß der wahren Liebe erlösen. Im selben Augenblick werden beide zurück kehren. Und glücklich bis an ihr Ende zusammen bleiben.“

So sprach die Elfenkönigin, und so sollte es auch kommen.

Der Stalljunge und die Prinzessin wussten nichts davon.

Als die ganze Gesellschaft vor der Kirche ankam, stieg die Prinzessin aus der Kutsche und winkte dem Jungen zu, der die Pferde hielt.

Nur noch wenige Schritte bis das Mädchen in durch die großen Türen in die Kirche gehen würde.

Plötzlich kam ein grauer Staubschleier auf die Menschen zu. Niemand konnte mehr etwas sehen. Es war ein Brausen und Flüstern zu hören. So ging das kurze Zeit. Als sich der Staub wieder gelegt hatte, war die Prinzessin fort. Der König befahl sofort allen, dass sie nach seiner Tochter suchen sollten, doch niemand konnte auch nur eine Spur von ihr entdecken.

Der König wurde traurig und zornig. Er wurde so zornig, dass er den Stalljungen und alle Wachen aus dem Land verbannte und ihnen verbot, jemals wieder unter seine Augen zu kommen.

Der Junge packte seine wenige Sachen, bekam noch eine Wegzehrung und ging fort.

So zog er von Ort zu Ort, und erlebte viele Abenteuer.

Als er nach vielen Jahren durch einen Wald ging, fand er eine Höhle. Da es schon dunkel wurde, entschloß er sich dort zu übernachten. Er machte sich ein Feuer an, machte sich etwas zu essen und schlief ein. Doch es war kein normaler Schlaf. In seinen Träumen erschien ihm die Elfenkönigin mit dem goldenen Drachen. Sie zeigte auf diesen und winkte ihm zu.

Als der Junge erwachte, sah er den Drachen vor sich schweben. Der flog vor ihm tiefer in die Höhle, kam zurück und summte. Also packte der Junge seine Sachen zusammen und folgte ihm. Er wunderte sich, dass er kein Licht brauchte, aber doch alles sehen konnte.

Wie lange er dem Drachen folgte, konnte er nicht sagen, aber es war eine lange Zeit vergangen, als er sah, dass sich die Höhle vergrößerte. Der Drache flatterte unruhig und die Höhle wurde von einem matten Licht komplett erhellt. Unser Held sah, dass die Höhle wie ein Haus eingerichtet war. Mit einer Küche und einem großen Bett. Auf diesem Bett lag ein Mensch. Er entschloß sich hinunter zu steigen um zu sehen, was er dort erfahren könnte.

Es dauerte auch gar nicht lange, da stand er vor dem Bett.

Dort lag seine Prinzessin, schlafend und so schön wie er sie in seiner Erinnerung hatte.

Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuß auf die Wange.

In dem Moment drehte sich alles um ihn herum.

Als er wieder zu sich kam, war er im Schloß, die Prinzessin an seiner Hand und der König weinte Freudentränen.

Bald darauf wurde Hochzeit gefeiert und der Junge und die Prinzessin lebten noch viele Jahre, bekamen zwei Kinder und im ganzen Land war Friede und Freude.

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