Ich darf nur schreiben,

nicht chatten.

By Fridolin Wirbelwind

Aus welchen Gründen ich zur Zeit nicht online gehen kann, ist ja meinen Followern bekannt.

Da zur Zeit nix stattfindet, darf ich aber schreiben.

Nicht zu meinem momentanen Status, aber über Dinge, die ich früher einmal erlebt oder empfunden habe, oder auch einfach Geschichten.

Also folgt meinem Blog, ich finde es gut, einfach zu schreiben.

Hier die erste Geschichte, habe ich sie so erlebt, oder ist sie einfach nur erfunden?

Vor vielen Jahren, unser Mann kann sich nicht mehr erinnern, wann es geschah, aber das ist ja auch gar nicht so wichtig, war er als Pflastermaler unterwegs.

Es war kurz vor Weihnachten, als er in einer neuen Stadt ankam, mit nichts weiter als 18,- DM in der Tasche, einem Hund, seinen Kreiden, etwas Kleidung und sehr viel Hoffnung.

Samstag von dem ersten Advent war es, als er in dieser Stadt in Süddeutschland am Bahnhof ankam.

Natürlich war es noch dunkel, Winter eben.

In der Bahnhofunterführung fand er dann einen Platz an dem er malen wollte. Doch erst wollte er seinem Hund noch einen Spaziergang gönnen, ihm Wurst besorgen und für sich einen Kaffee.

Kaum hatte er es sich bequem gemacht, kam die Bahnpolizei, kontrollierte seine Papiere, und die Steuermarke des Hundes. Drei Polizisten kümmerten sich um ihn, fragten ihn was er vorhabe und zeigten ihm einen Platz an dem er ein Bild malen dürfte. Der Platz war ok, und als ihm die eine Polizistin sagte, dass er wohl bald einen neuen Ausweis benötigen würde, wünschten ihm die Beamten viel Glück und frohe Weihnachten.

Nachdem dies alles vorbei war, begann er zu malen.

Sein Hund lag derweil auf einer dicken Decke und dem Schlafsack.

Eigentlich war der Hund, so ganz schwarz, nicht ein Tier, welches die Menschen anzog. Aber da er nur dalag und vor sich hinschnarchte, trauten sich doch einige Menschen an den Mann heran. Einige sprachen ihn sogar an.

Nach weniger als einer Stunde hatte er schon genug Geld, um seinem Hund genug Futter für den Rest des Jahres kaufen zu können. Aber es war ja auch der Tag vor dem ersten Advent, und einige Menschen versuchen sich zu dieser Zeit immer noch von ihrem schlechten Gewissen durch Spenden abzulenken.

Eigentlich hatte er vor zu Weihnachten seine Familie zu besuchen, aber die respektierten ihn eh nicht. Also beschloß er, die Feiertage im Bahnhof zu verbringen.

So konnte er sein Bild immer wieder ausbessern, und eventuell, aber nur eventuell, bekäme er genug Geld zusammen um einen oder zwei Tage in einer Pension schlafen zu können.

Da der Mann aber schon immer ein großes Herz hatte, und auch immer noch hat, gab er einem Obdachlosen von seinem Essen ab und auch etwas Geld. Klar dachte er sich, dass das Geld in Alkohol investiert werden würde; aber das war doch egal.

Als es dann so etwa 20 Uhr wurde, und die Bahnhofunterführung sich leerte, kam der Obdachlose zurück, nur um nicht einsam zu sein. Sie unterhielten sich, und unser Mann ging mit seinem Hund eine Runde spazieren. Er schulterte seinen Seesack und nahm das wenige Geld mit. Als er nach etwa einer Stunde zurück kam, saß der Obdachlose vor dem Bild. In den Schalen lag ziemlich viel Geld. Eigentlich hatte er erwartet, dass der Mensch sich das Geld nehmen würde und verschwunden wäre.

Aber der Mensch war ehrlich. Gegen Mitternacht, kam wieder die Bahhofspolizei vorbei. Die wollten aber gar keinen Ärger machen, sagten nur, dass bis Silvester, weil es so kalt war, der ganze Bahnhof offen sei, und sie alle Stunde einmal vorbei sehen würden wie es uns geht; wir uns aber von den Dealern fernhalten sollten.

Sie tranken Wein, und kochten sich auf dem Esbitkocher eine Suppe, und später Glühwein, dann legten sie sich schlafen, der Hund passte ja auf sie auf.

Als sie aufwachten war es etwa neun Uhr. Der Mann fragte, da er ihm nun vertraute, ob er auf das Bild aufpassen würde, da er nun zur Kirche gehen würde um zu schnorren.

Ja, viele von Euch können sich nicht vorstellen, wie schwer das Leben sein kann, wenn man kein Obdach hat.

Also machten der Mann und der Obdachlose einen deal, einer passte auf das Bild auf, der andere ging zur Kirche.

Unser Mann plazierte sich auf der Treppe zur Kirche, mit Seesack und Hund, und als die ersten „Gläubigen“ kamen, wurde dieser vom Pfarrer angesprochen.

Der gab ihm zuerst eine Theromskanne Kaffee, einen Umschlag und erlaubte ihm jeden Adventssonntag vor dem Haupteingang zu betteln.

Und glaubt es mir, an diesen Sonntagen wollten sich so viele Menschen von ihren Sünden freizukaufen.

Da aber unser Mann selber so einsam und verlassen war, wie viele Obdachlose, konnte er es nicht übers Herz bringen, das ganze Geld nur für sich zu verbrauchen. Als er nach dem ersten Sonntag ziemlich viel Geld bekommen hatte, ging er zu seinem Bild zurück und bat er den Obdachlosen, dass er seine Freunde zu ihm bringen sollte. Dieser war zwar sehr überrascht, und fragte wie viele Freunde er denn Mitbringen dürfte. Unser Mann sagte, dass er alle seine „Freunde“ mitbringen soll. Also alle Menschen die auch sonst zu ihm stehen; und dann noch andere, die keine Freunde haben.

Der Mensch kam zurück mit vier anderen. Eine sehr alte Frau, die schon fast 80 war, einer jungen Frau, so um sein Alter, und zwei Männern, die unser Mensch, als gut gebildete Menschen erwähnen würde. Alle hatten eine eigende Geschichte. Diese Gruppe blieb bis hl. Abend zusammen. Die alte Frau bekam von einer Familie eine kleine Wohnung, unser Mann ein Obdach über den Winter, seinem Freund wurde ein Entzug angeboten, und die anderen Menschen wurden, auch, von der Bahhofspolizei, über den Winter geduldet.

Unser Mann hat es sogar geschafft, dass er wieder als Kellner arbeiten konnte. Er fand eine Frau und lebte mehr als elf Jahre mit ihr zusammen; zog eines ihrer Kinder wie sein eigenes groß, und als er in die USA ging, lud er ihn zu jedem Weihnachten und Ostern ein ihn in Pennsylvania zu besuchen, und seine Mutter schickt ihn immer dann zu ihm, auf die Kosten des Mannes-

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