Eine lohnende Geschichte

By Fridolin Wirbelwind

Es ist schon lange her, so lange, dass kaum noch ein Mensch sich an diese Geschichte erinnern kann. Nur wenige Männer und Frauen können sie erzählen. Sie wurde ihnen von den Großeltern der Großeltern der Großeltern weiter

erzählt.

Und nur wer daran glaubt, dass diese Geschichte die reine Wahrheit ist, wird sie auch erleben können.

Also zu jener Zeit, entschloß sich ein Fürst aus dem Magischen Reich, den Menschen zu helfen. Diese lebten in kleinen Dörfern, hielten Tiere und fingen Fische. Das Leben war nicht einfach, aber die Menschen waren damit zufrieden.

Zweimal im Jahr feierten sie ein Fest. Einmal im Sommer, und einmal im Winter.

Dann wurde gegessen, getrunken und getanzt. Sie feierten mit den Verstorbenen, die an diesen Tagen zurück auf die Welt kamen um zu sehen, wie es ihren Familien ergangen war.

Nur an einem dieser Tage war es dem Fürsten möglich, aus der magischen in die menschliche Welt zu gelangen. Zugleich musste er dann ein ganzes Jahr bei den Menschen leben. Aus seinem Reich brachte er einige Trolle, Zwerge, Gnome, Riesen und Geister mit, damit sie ihm und den Menschen hilfreich zur Seite stehen würden.

Eine Minute vor Mitternacht hatte er sein ganzes Gefolge versammelt, welches ihn begleiten sollte. Einige der Baum- und Naturgeister baten um die Erlaubnis auch nach diesem Jahr in der Welt der Menschen bleiben zu dürfen. Der Fürst machte sie aber darauf aufmerksam, dass jedes magische Wesen, welches in der Menschenwelt bliebe, unsichtbar bleiben muss.

Einige sagten zu, darunter zwei Einhörner, vier Drachen und die Baumgeister. Auch einige Trolle und Zwerge sagten, dass sie sich das wohl noch überlegen würden.

Pünktlich um Mitternacht erschien der Fürst mit seinen Gefährten vor einem kleinen Dorf. Da er sich nicht zu erkennen geben wollte, sprach er einen Zauber, der ihn als einen Händler aus einem fernen erschienen lies.

An seiner rechten Seite schritt Hurolf, ein Mann so hoch wie sieben Fuß und stark wie ein Bär, er war gut darin Holz zu bearbeiten.

Links von ihm befand sich Marata, sie führte zwei Hunde und ein Einhorn.

Dahinter zogen zwei Zwerge einen großen Wagen. Diese waren eben so breit wie sie groß waren. Und daher hatten sie auch ihre Namen, Dreimaldrei und Viermalvier.

Am Ende befanden sich einige Baumgeister die sich mit den Naturgeistern nicht sehen liesen. Auch einige Trolle und Gnome blieben unsichtbar.

So der Fürst in das Dorf, grüßte höflich und stellte sich vor.

„Ich bin Manuk, der Händler. Wir haben uns verlaufen und würden den Anführer dieser Sippe darum bitten, an euren Feuern nächtigen zu dürfen.“

Der älteste stand darauf hin auf und sprach laut:

„Hier bin ich der älteste, man nennt mich, Wolfmann, da kein Wolf sich vor mir fürchtet oder mich angreifen möchte. Gerne seid ihr hier eingeladen an unserem Fest teilzunehmen. Lagert euch hier, bringt die Tiere rüber zu unseren und dann esst, trinkt und tanzt mit uns, so bestimme ich es.“

So geschah es dann auch. Die Gäste bekamen gegrillten Fisch und Flusskrebse auf Fladenbrot, dazu eine Art Bier.

Wolfmann wurde sehr neugierig, da er um den Hals von Marata an einer Kette etwas Glitzern sah. Was das für ein Ding sei, wollte er wissen, und Marata nahm die Kette ab und gab sie ihm.

„Ihr müsst von weit her gekommen sein, so etwas kennen wir hier nicht.“

Die Dorfbewohner kannten kein Metall und schon gar keine Edelsteine. Er fragte Manuk ob sich die anderen Dorfbewohner den Schmuck auch ansehen dürften.

„Natürlich, gebt es ruhig weiter. Dreimaldrei kann euch auch zeigen, wie ihr so etwas selber machen könnt.“

Denn die Zwerge machten auch die Werkzeuge für Zimmermänner und andere.

Manuk fragte nun seinerseits, welches Fest sie denn feiern würden.

„Wir feiern die Erscheinung der Toten. Sie dürfen an diesem Tag zu uns kommen, mit uns feiern und sich daran freuen wie es uns geht.“

Manuk trank noch einen Schluck aus seinem Kürbis und sagte dann:

„Ehrenwerter Wolfmann. Gibt es Dinge die du für dein Dorf wünschen würdest?“

„Was sollte ich mir schon wünschen? Keine 100 Schritte entfernt ist der Fluss, an dem wir fischen. Auf der Weide stehen Tiere, die wir in schlechten Zeiten essen. Wir sind mit keiner Sippe im Streit, weil die Natur uns alles gibt was wir brauchen. Die Götter schützen uns und wenn die Zeit für einen von uns gekommen ist, kommt der Geist der Ewigkeit und nimmt ihn mit, damit er nie mehr krank wird. Was könnte ich wohl mehr für meine Sippe wünschen? Die Frage ist doch dumm.“

Als er diese Worte sprach wurde er fast schon zornig.

„So war die Frage aber nicht gemeint. Es freut mich wenn ihr alle zufrieden seid. Ihr müsst wirklich glücklich sein, wenn ihr keine Wünsche habt.“

„Schon gut, ich verzeihe dir. Aber ich frage dich nun, was für ein Mensch würde wohl mehr wollen, als dass er alles zum Leben hat? Kein Mensch kann etwas in das neue Leben mitnehmen. Wir geben unseren Verstorbenen Wegzehrung mit, weil sie nicht an einem Tag nach Drüben gehen können. Aber mehr brauchen sie nicht. Ist das bei euch denn anders?“

Manuk antwortete, etwas nachdenklich:

„Leider ja. Diese Kette, welche deine Familie gerade ansieht, weckt bei vielen Menschen begehrlichkeiten. Einige würden dafür sogar andere Menschen töten.“

Wolfmann stand auf, pfiff auf einer Flöte uns sofort war alles still. Er erzählte was Manuk ihm gerade erzählt hatte und fragte nun seine Familie:

„Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr so etwas über das Leben eines Menschen stellen würdet?“

Die Antwort war eindeutig, keiner würde einen Menschen töten um so etwas besitzen zu können.

„Manuk, reicht euch diese Antwort?“

Ein kleines Mädchen, welches gerade die Kette um ihren Hals trug, ging auf Marata zu, gab ihr die Kette in die Hand und sagte:

„Es ist schön, dass ich es sehen durfte, aber ich brauche es nicht. Wenn es für dich so wertvoll ist, dann behalte es und gebe es niemals her. Es ist ein böses Ding, wenn es mit Leben aufgerechnet werden kann. Zeige mir besser wie ich mit deinem Pferd reden kann. Oder wie ich ein Tier heilen darf.“

Marata nahm die Kette und war sie in das große Feuer, dabei sprach sie einen Zauber, welcher die Kette in Flammen aufgehen lies. Dann stand sie auf und Wolfmann pfiff auf seiner Flöte.

„So hört mir zu,“ sprach sie, und man konnte nur noch das Knacken des Holzes im Feuer hören,

„es macht mich glücklich, dass ich von euch so viele ehrliche Worte hören durfte. Ich wollt weder Neid noch Hass kennen. Ihr seid zufrieden und sogar eure Kinder sind voller Liebe, Hoffnung und Zuversicht. So bitte ich den Fürst der magischen Welten, euch einen Platz zu geben, an welchem ihr euer glückliches auf immer weiter leben könnt.“

Dabei verneigte sie sich vor ihrem Fürsten.

Manuk stand auf, vollführte mit beiden Händen einen Kreis, der das ganze Dorf umfasste, und kloppfte mit seinem Stab siebenmal auf den Boden.

Für die Menschen veränderte sich nichts, aber der Fürst hatte dieses ganze Dorf in die magische Welt befördert. Dort werden sie nun zusammen mit vielen magischen Wesen für immer leben. Weder Hunger, Krankheit noch Krieg werden sie je erreichen, und wer daran glaubt, kann vielleicht auch einmal in dieses Dorf einziehen. Aber die Erwartungen sind hoch.

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